Deutschland

Erste Studie in Deutschland: Nur 0,37 Prozent der Corona-Infizierten sterben daran

Zwischenergebnisse der ersten repräsentativen Studie in Deutschland lassen aufhorchen. Demnach liegt die Sterberate des neuartigen Virus bei nur rund 0,4 Prozent.
15.04.2020 16:17
Lesezeit: 2 min
Erste Studie in Deutschland: Nur 0,37 Prozent der Corona-Infizierten sterben daran
Diese undatierte elektronenmikroskopische Aufnahme, die von den U.S. National Institutes of Health im Februar 2020 zur Verfügung gestellt wurde, zeigt das Virus, das Covid-19 verursacht. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Forscher halten nach ersten Untersuchungen im besonders betroffenen Kreis Heinsberg eine beginnende Lockerung der strengen Coronavirus-Maßnahmen für möglich. Voraussetzung sei aber, dass zum Beispiel Hygiene- und andere Verhaltensregeln weiterhin strikt befolgt würden. «Wir haben gelernt, wie wir uns hygienisch richtig verhalten», sagte der Virologe Hendrik Streeck am Donnerstag in Düsseldorf. Es sei möglich, «in eine Phase zwei» einzutreten.

Der Wissenschaftler von der Universität Bonn untersucht zusammen mit weiteren Experten im Auftrag der Landesregierung, wie sich das Coronavirus im Kreis Heinsberg ausgebreitet hat. Im Blickpunkt ist vor allem die Gemeinde Gangelt, die als Epizentrum der Coronavirus-Pandemie gibt. In dem Ort hatten sich nach einer Karnevalssitzung Mitte Februar Hunderte Bürger mit dem neuartigen Virus infiziert.

Die Region hat damit bereits Entwicklungen durchgemacht, die in anderen Orten noch bevorstehen können. Das macht sie zu einem interessanten Studienobjekt. Auch flacht hier die Kurve der Infektionszahlen bereits ab. «Der Kreis Heinsberg ist an einer riesengroßen Katastrophe vorbei geschlittert», sagte Landrat Stephan Pusch (CDU).

Die Wissenschaftler, die seit rund zwei Wochen forschen, fanden heraus, dass bei 15 Prozent der untersuchten Bürger eine Corona-Infektion nachgewiesen werden konnte - teilweise mit milden Verläufen oder ganz ohne Symptome. Diese Menschen hätten eine Immunität entwickelt. Zum Vergleich: Am Tag, als die Studie gestartet wurde, waren im Kreis Heinsberg offiziell nur rund 1250 nachgewiesene Erkrankungen gezählt worden - bei rund 250 000 Einwohnern.

Die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben, lag den vorläufigen Zahlen zufolge bei 0,37 Prozent bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten. Die in Deutschland derzeit von der amerikanischen Johns Hopkins University berechnete entsprechende Rate betrage 1,98 Prozent und liege damit um das Fünffache höher, so die Forscher. Die Wissenschaftler unterstrichen aber, dass man deshalb nicht automatisch davon ausgehen könne, dass auch die Gesamtzahl der Infizierten in Deutschland fünfmal höher sei als angenommen. Für diese Abschätzung sei es noch zu früh.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, die Studie sei ein weiterer Baustein für die Entscheidung über die Lockerung der Einschränkungen. Wie diese aussehe, werde in der kommenden Woche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder besprochen. «Die Wissenschaftler sagen uns nicht: Mach' es so oder so», sagte Laschet. «Sondern sie geben uns einen weiteren Baustein an die Hand.»

In einer Unterrichtung des Landtages zu den Zwischenergebnissen der Studie sprach sich Laschet wenig später dafür aus, das öffentliche Leben nach Ostern behutsam in eine «verantwortbare Normalität» zurückzuführen. «Es wird nichts mehr sein wie vorher», sagte er. «Aber es wird so viel wie möglich von unseren Freiheiten wieder entstehen - in neuer Rücksichtnahme, neuer Verantwortung und in Distanz.»

Der an der Studie beteiligte Hygiene-Professor Martin Exner hält es für möglich, auch Abiturprüfungen abzuhalten, sofern zum Beispiel Hygiene-Maßnahmen eingehalten werden. Anders schätzt er die Lage in Alten- und Pflegeheimen ein. Dort müsse weiterhin eine «restriktive Politik» aufrechterhalten werden. Es sei «nicht auszuschließen, dass eine längere Zeit der Abstinenz zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen aufrechterhalten werden muss.»

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Bericht: Engpässe im Stromnetz bremsen Chinas grüne Energie
21.07.2026

China ist Weltmeister beim Ausbau von Solar- und Windparks. Doch immer häufiger geht die dort gewonnene Energie verloren. Einer Analyse...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Minenjagd: Einsatz gegen eine unsichtbare Gefahr
21.07.2026

Seeminen gehören zu den effektivsten Mitteln, um internationale Handelswege lahmzulegen. Das Aufspüren, Räumen – und gegebenenfalls...

DWN
Panorama
Panorama Google löscht Online-Bewertungen: Was sind die Sterne noch wert?
21.07.2026

Die Sterne bei Google entscheiden mit darüber, welches Restaurant oder Hotel Kunden wählen – doch wie verlässlich sind sie noch? Immer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mercedes-Aktie: Warum ausgerechnet die C-Klasse über Europas Autozukunft entscheidet
21.07.2026

Mercedes verabschiedet sich von der Idee, Elektroautos wie eine eigene Produktwelt zu verkaufen. Die neue elektrische C-Klasse soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Edelmetall über Marke von 4.000 Dollar – Zinsausblick bleibt Belastungsfaktor
21.07.2026

Der Goldpreis erholt sich am Dienstag spürbar. Eine Feinunze Gold kostete im frühen Handel annähernd 4.060 US-Dollar. Damit bleibt das...

DWN
Panorama
Panorama DAK-Auswertung: Weniger Krankmeldungen – psychische Leiden rücken in den Fokus
21.07.2026

Weniger Krankschreibungen, aber neue Herausforderungen: Eine aktuelle Auswertung zeigt überraschende Entwicklungen bei den Fehlzeiten in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Automarkt kollabiert: Deutsche Autobauer zahlen den Preis
21.07.2026

China war jahrzehntelang die Gewinnmaschine der deutschen Autoindustrie. Nun brechen dort die Verkäufe westlicher Marken ein, während...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Ölpreis steigt auf 91 Dollar, während Trump erklärt, der Iran werde für US-Todesopfer „um ein Vielfaches zahlen“
20.07.2026

Welche Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten und wo Anleger jetzt genau hinschauen sollten.