Deutschland

CEO der Recylex-Gruppe: "Die Bundesregierung sollte unbürokratischer helfen"

Die Pandemie hat die Firmen sehr getroffen. Ein Unternehmen, das darunter leidet, ist die Recylex-Gruppe, die unter anderem Abfall verwertet. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN) haben mit dem CEO, Sebastian Rudow, darüber gesprochen, was er von den Maßnahmen der Bundesregierung hält.
18.04.2020 11:48
Lesezeit: 3 min
CEO der Recylex-Gruppe: "Die Bundesregierung sollte unbürokratischer helfen"
Auch die Recycling-Branche wird von der Krise gebeutelt. (Foto: dpa) Foto: Martin Schutt

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Die Zufriedenheit der Deutschen mit der Bundesregierung ist laut ARD-„Deutschlandtrend“ so hoch wie noch nie in dieser Wahlperiode. 63 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit der Koalition zufrieden oder sehr zufrieden, wie eine aktuelle Umfrage ergab. Das sind 28 Prozentpunkte mehr als im Vormonat.

Sind auch Sie mit Angela Merkel zufrieden?

Sebastian Rudow: Überhaupt nicht. Aus meiner Sicht hat sie und ihre Regierung viel zu lange alles schöngeredet, ohne konkrete Maßnahmen zu treffen. Dabei hat sich die Verbreitung des Erregers schon wesentlich früher angekündigt. Wenn die chinesische Regierung anfängt, eine Region von 50 Millionen Menschen abzuriegeln und in größerem Umfang neue Krankenhäuser hochzieht, dann muss die Gefahr schon sehr groß sein. Da ist es egal, ob man noch keine validen Daten hat, die Auskunft darüber erteilen, wie gefährlich das Virus tatsächlich ist.

In Frankreich hingegen hat die Regierung zwar auch spät, aber dann nachdrücklich und damit ganz anders reagiert. Dort liefen bereits Mitte Februar Spots im Fernsehen und im Internet, wie man die Hygiene einhält, insbesondere sich richtig die Hände wäscht. Bei unseren Nachbarn hat man also schon viel früher darauf reagiert und auf die Bevölkerung eingewirkt. Allerdings muss ich auch sagen, dass Angela Merkel gegenüber den Politikern anderer Parteien das kleinere Übel ist. Denn diese Parteien schlagen ja überhaupt nichts vor, wie man mit dieser Krise umgeht und sie zu überwinden.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Inwieweit ist Ihr Unternehmen von der Pandemie betroffen?

Sebastian Rudow: Wir verfügen über mehrere Unternehmensbereiche. Der größte Umsatzbringer ist das Geschäft mit Blei, das gewöhnlich zwei Drittel der jährlichen Erlöse beisteuert. Diese Umsätze liegen in der Regel zwischen 350 und 450 Millionen Euro jährlich. Die Produktion ist hier zum Stillstand gekommen. Der Grund: Wir machen unsere Geschäfte mit der Automobilindustrie, die international komplett zum Stillstand gekommen ist.

Die anderen Bereiche, die das restliche Drittel unserer Erlöse ausmachen, sind die Segmente Zink, Plastik und Spezialmetalle. Hier haben wir im Bereich Plastik ebenfalls die Produktion eingestellt. Die Bereiche Zink und Spezialmetalle laufen aber noch ohne Unterbrechung weiter.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie bewerten Sie die Maßnahmen der Bundesregierung?

Sebastian Rudow: Kurzarbeitergeld ist zwar richtig, kann aber nur ein Baustein in einem Paket von Maßnahmen sein. Sicherlich ist die Auszahlung dieser Gelder auch ein politisches Instrument mit Signalwirkung für die Öffentlichkeit. Die Regierung zeigt damit eigentlich, dass sie in der Krise den Firmen helfen will. Dies ist eher eine psychologische Maßnahme. Für die Unternehmen hat das Kurzarbeitergeld aber leider nur eingeschränkte Bedeutung. Denn die Kosten von Unternehme bestehen nicht nur aus Lohnkosten. Und Lohnkosten machen in einer Gewinn- und Verlustrechnung nicht den Großteil der Kosten aus. Bei unserem Geschäft sind beispielsweise die Materialkosten und Energiekosten im Vergleich zu anderen Industrien sehr hoch.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Was halten Sie von den Kreditprogrammen der Regierung?

Sebastian Rudow: Die aufgesetzten Sonderkreditprogramme stehen unter fragwürdigen Voraussetzungen. Die Maßnahmen erfolgen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Das bedeutet, dass die Hausbanken die eigentliche Umsetzung in der Schnittstelle „Bank – Unternehmen“ übernehmen, weil die KfW über keinen eigenen administrativen Apparat verfügt und hierzu die Hausbanken benötigt. Die Hausbanken sollen aber nach dem Willen der Bundesregierung 20 Prozent respektive 10 Prozent des Risikos selbst übernehmen. Allerdings sind die Banken noch immer von der Finanzkrise und deren Folgen gezeichnet und kämpfen seither mit Ertragsschwäche einerseits und hohen Kosten andererseits.

Das bedeutet, dass die Banken gar nicht frei agieren können, sich gegebenenfalls nur diejenigen Unternehmen aussuchen, denen sie helfen wollen – nachvollziehbar mit wenig Risiko – und im Ergebnis kommen die Hilfen der Bundesregierung dort nicht richtig an, wo sie ankommen müssen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Hausbanken den Ansturm, der jetzt auf sie zukommt, administrativ überhaupt bewältigen können.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Was sollte die Bundesregierung machen?

Sie sollte unbürokratischer helfen. Die KfW sollte 100 Prozent des Risikos für die Kredite übernehmen, weil die Hausbanken dazu nicht der Lage sind. Dies ist nun für kleinere Unternehmen erfolgt. Es klafft aber unverändert eine Lücke hinsichtlich Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als rund 3,2 Millionen Euro. Eine Übernahme von 100 Prozent des Risikos wird den Unternehmen und den Banken gleichermaßen helfen. Den Banken, indem sie in ihren Bilanzpositionen nicht belastet würden. Die Verteilung des Risikos, wie sie die Bundesregierung derzeit für die verbleibenden Unternehmen vorsieht, ist einfach nicht realistisch. Es muss also bis zum Ende der Wirkungskette und insbesondere auch auf die Banken geschaut werden. Mir fehlt auch der Blick auf den Exit der Maßnahmen, nämlich wie die Unternehmen künftig mit diesen neuen Schulden umgehen können und wie die KfW in wenigen Jahren mit ihren Forderungen umgeht. Hier hat man große Möglichkeiten zu steuern und schon heute einen Missbrauch von Unterstützungsmaßnahmen zu verhindern.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Herr Rudow, herzlichen Dank für das Gespräch.

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