Finanzen

Türkei: Bankenaufsicht zwingt Privatbanken zur Vergabe von Krediten

In der Türkei müssen Privatbanken trotz der Coronakrise Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Ansonsten drohen Geldstrafen. Das hat die Bankenaufsicht im Rahmen von Kreditquoten beschlossen.
20.04.2020 10:59
Lesezeit: 1 min
Türkei: Bankenaufsicht zwingt Privatbanken zur Vergabe von Krediten
Das Istanbuler Finanzzentrum Levent. (Foto: dpa) Foto: Sedat Suna

Die türkische Aufsichtsbehörde für den Bankensektor BDDK wird Geldstrafen gegen eine Reihe von Privatbanken verhängen, da diese nicht bereit sind, den Unternehmen Kredite zur Verfügung zu stellen. Ausgenommen sind die Privatbanken, die zinslose Geschäfte betreiben. Die Mindeststrafe soll 66.000 Euro betragen. Die Banken, die über besonders hohe Devisenreserven verfügen, sollen sich am aktivsten an der Kreditvergabe beteiligen.

Es soll ein Mindestniveau für die Kreditquoten der Banken festlegt, um die Kreditvergabe zu fördern und die Wirtschaft vor den Folgen der neuartigen Coronavirus-Pandemie zu schützen. Diese Bestimmungen treten m 1. Mai 2020 in Kraft. Ab dem nächsten Monat muss die Summe der Kredite einer Bank, 75 Prozent ihres Wertpapierportfolios und 50 Prozent ihrer Zentralbank-Swap-Guthaben übersteigen.

Bei Banken, die den islamischen Bankvorschriften folgen, die in der Türkei als Partizipationsbanken bekannt sind, sollten die Kredite, Wertpapiere und Swaps mindestens 80 Prozent der Einlagen betragen.

“Die Hauptaufgabe der Banken besteht darin, die von unseren Bürgern und Unternehmen gesammelten Einlagen durch Kreditvergabe an die Realwirtschaft weiterzuleiten. Wir haben jedoch gesehen, dass einige Banken es vorziehen, ihre Ressourcen auf Geldmärkte und ausländische Derivatemärkte zu lenken, anstatt diese Grundfunktion zu erfüllen. In den letzten drei Wochen haben wir festgestellt, dass es Banken gibt, die dieser Empfehlung nicht entsprechen”, so der Chef der BDDK, Mehmet Ali Akben.

Zuvor hatte Finanzminister Berat Albayrak gesagt, dass Privatbanken mehr tun sollten, um Kunden zu helfen, die durch den Ausbruch des Coronavirus geschädigt wurden.

Nach Angaben des türkischsprachigen Dienstes der Deutschen Welle sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan: “Leider haben die Privatbanken im Verlauf der Coronakrise keine gute Prüfung abgelegt. Wir erwarten, dass die Privatbanken ihren Verpflichtungen nachkommen.”

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Twitch, Kick & Co. die Unterhaltungsbranche prägen

Das Bild der Unterhaltungsbranche hat sich dramatisch gewandelt. Dabei wurde aus einer Einbahnstraße eine Autobahn mit unzähligen Spuren...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreise sprengen Europas Wirtschaft
02.06.2026

Die Ölpreise verhalten sich auf den ersten Blick erstaunlich ruhig, doch die Puffer des Weltmarkts verschwinden in gefährlichem Tempo....

DWN
Finanzen
Finanzen Bayer-Aktie stürzt ab: Glyphosat-Angst wächst
02.06.2026

Die Bayer-Aktie gerät erneut unter Druck: Wachsende Zweifel an einem Glyphosat-Vergleich und eine wichtige Entscheidung des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Italo will auf die deutschen Schienen: Bahn schlägt Alarm - bei 60 Prozent Pünktlichkeit
02.06.2026

Können die Italiener die Deutsche Bahn retten? Die Deutsche Bahn selbst zeigt sich – wenig überraschend – skeptisch. Und lobt sich...

DWN
Politik
Politik Kann Europa Weltmacht werden? Eine Analyse
02.06.2026

Die alte Weltordnung bricht weg, und Europa steht plötzlich allein zwischen den streitenden Machtblöcken. Jetzt entscheidet sich, ob der...

DWN
Politik
Politik Fast alle deutschen Neubürger wählen den Doppelpass
02.06.2026

Neue Zahlen zeigen: Die Mehrheit der frisch eingebürgerten Deutschen behält ihre bisherige Staatsangehörigkeit – aus emotionalen...

DWN
Technologie
Technologie Ausbau von Rechenzentren: Studie kritisiert Nachhaltigkeitsversprechen der KI-Branche
02.06.2026

Große KI-Modelle wie ChatGPT verbrauchen so viel Strom wie ganze Länder. Trotzdem werben Tech-Konzerne mit grünen Versprechen. Was...

DWN
Politik
Politik Nato unter Druck: Testet Russland Europas Verteidigungswillen in der Ostsee?
02.06.2026

Russlands Krieg gegen die Ukraine stößt militärisch und wirtschaftlich an Grenzen. Gerade diese Schwäche könnte die Gefahr erhöhen,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Aktien erholen sich auf Allzeithochs nach positiven Iran-Äußerungen von Trump und Tech-Boom
01.06.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Wendungen in der globalen Diplomatie und neue Trends in der Technologiebranche die Anleger derzeit in...