Deutschland

Insolvenzwelle droht: Schwere Krise in der norddeutschen Metall-Industrie

Die Metallindustrie in Norddeutschland befindet sich in schwerem Fahrwasser.
25.04.2020 08:45
Lesezeit: 1 min
Insolvenzwelle droht: Schwere Krise in der norddeutschen Metall-Industrie
Aus der Corona-Krise ergeben sich Gefahren für den Bestand ganzer Industriezweige im Norden, speziell für den Schiff- und Flugzeugbau. (Foto: dpa) Foto: Bernd W

Die Metallindustrie in Norddeutschland blickt in den Abgrund. Wegen der Corona-Krise kommen kaum noch neue Aufträge herein, die Umsätze brechen ein, und am Horizont lauert für viele Betriebe die Pleite. Das ist ein Ergebnis der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV, die in Hamburg vorgestellt wurde. Danach steht rund ein Viertel der Betriebe in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie in einem halben Jahr vor der Insolvenz, wenn sich ihre Situation nicht durchgreifend bessert. Zudem erwartet etwa die Hälfte der befragten Betriebe Umsatzeinbußen von mehr als zehn Prozent.

"Aus der Konjunkturdelle, die sich bereits im vergangenen Jahr angekündigt hat, wird ein Strukturbruch mit weitreichenden Folgen", sagte Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch. Aus der Corona-Krise ergäben sich Gefahren für den Bestand ganzer Industriezweige im Norden, speziell für den Schiff- und Flugzeugbau. "Die Existenz vieler Airlines ist bedroht, und wie die Zukunft des Containerschiffsverkehrs oder der Kreuzfahrtbranche aussieht, das steht in den Sternen." Das werde sehr rasch Auswirkungen auf Flugzeugbauer und Werften und ihre Zulieferer nach sich ziehen, zwei Schlüsselbranchen in Norddeutschland, meldet die dpa.

Die Auslastung der Metallbetriebe an der Küste ist auf 71 Prozent gesunken und damit auf einen Tiefststand, der noch unter dem Wert der Finanzkrise 2008/09 liegt. Bei den Arbeitnehmern kommt die Krise zunächst vor allem in Form von Kurzarbeit an und damit geringerem Einkommen. Gegenwärtig seien rund 40.000 der 140.000 Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Ihre Zahl werde voraussichtlich auf 65.000 steigen, wenn die Unternehmen ihre Planungen tatsächlich umsetzen. "Das Kurzarbeitergeld führt dazu, das unsere Betriebe die Mitarbeiter halten können", sagte Lambusch.

Zwar planten auch rund ein Viertel der Unternehmen, ihr Personal zu verringern, doch addiere sich dieser Jobverlust netto bislang nur auf 600 Personen. Es gibt auch einige wenige Betriebe, die von der Corona-Krise profitieren wie Dräger in Lübeck, der Medizintechnik und Beatmungsgeräte herstellt. Diese Unternehmen wollen zum Teil neue Mitarbeiter einstellen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wird der XRP-Preis manipuliert? Hinter der Klage der US-Börsenaufsicht deutet sich ein langfristiger Plan von AMT DeFi an

Die Diskussionen rund um die Preisentwicklung von XRP reißen seit Langem nicht ab. Insbesondere nach der Klage der US-Börsenaufsicht...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: TSMC sorgte für Zuversicht an der Wall Street und trieb die Aktienkurse nach oben
16.01.2026

Die US-Aktienmärkte bewegten sich am Donnerstag nach oben, als die aktuellen Ergebnisse des Chipherstellers TSMC die Investoren beruhigten...

DWN
Technologie
Technologie AWS EU-Cloud startet: Milliarden-Investition in Brandenburg
15.01.2026

AWS eröffnet eine unabhängige Cloud für Europa und investiert dafür Milliarden in Brandenburg. Das neue Angebot richtet sich vor allem...

DWN
Politik
Politik Trumps Ölpolitik: Widerstand in der US-Ölindustrie wächst
15.01.2026

Die US-Regierung treibt einen energiepolitischen Kurs voran, der in der heimischen Ölindustrie auf wachsenden Widerstand stößt. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Reparaturpflicht für Smartphones und Waschmaschinen: Verbraucher profitieren
15.01.2026

Ab diesem Sommer gilt ein Recht auf Reparatur für Smartphones, Waschmaschinen und andere Geräte. Hersteller müssen Reparaturen während...

DWN
Finanzen
Finanzen Ray Dalio warnt: 38 Billionen US-Dollar Schulden und "wirtschaftlicher Herzinfarkt" der USA
15.01.2026

38 Billionen US-Dollar Staatsschulden belasten die USA wie ein Damoklesschwert. Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater, warnt vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreis-Rekordhoch: US-Importe und Zollpolitik treiben Preise für Industriemetalle
15.01.2026

Die globalen Rohstoffmärkte geraten zunehmend unter den Einfluss geopolitischer Entscheidungen und strategischer Lagerpolitik. Der...

DWN
Immobilien
Immobilien Studie: In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen
15.01.2026

Die Wohnungssuche hat sich in vielen Regionen zum Albtraum entwickelt, Besserung ist nicht in Sicht. Nach einer Studie des Pestel-Instituts...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Geschäftsbericht: Weshalb Glaubwürdigkeit über den Geschäftserfolg entscheidet
15.01.2026

Geschäftsberichte gelten oft als lästige Pflicht. Doch hinter Tabellen und Kennzahlen entscheidet sich, ob Unternehmen glaubwürdig...