Politik

Unter Beschuss: Ursula von der Leyen nimmt es mit Offenlegung von PR-Verträgen nicht so genau

Ursula von der Leyen soll PR-Berater beschäftigen, ohne dies öffentlich zu machen. Das sei möglicherweise eine Verletzung der EU-Transparenzregeln, sagen Kritiker.
24.04.2020 12:48
Aktualisiert: 24.04.2020 12:48
Lesezeit: 1 min

Ursula von der Leyen gerät – mal wieder – unter Beschuss. Die Brüsseler Lobbywächter-Organisation „Corporate Europe Observatory“ wirft der EU-Kommissionspräsidentin vor, es mit der Offenlegung ihrer privaten Berater-Verträge nicht so genau zu nehmen. Konkret geht es um einen Kontrakt mit der Berliner PR-Agentur „Storymachine“. Die Beratungsleistung in Sachen Social Media bezahlt von der Leyen aus eigener Tasche – laut EU-Kommission sei das rechtlich nicht zu beanstanden. Den Gegenbeweis zu führen, dürfte nur in einem Gerichtsverfahren möglich sein. Aber: Seit 2011 existiert ein internes Abkommen zwischen EU-Kommission und EU-Parlament, die besagt, dass die Tätigkeit von Lobby-Organisationen, die Einfluss auf politische Entscheidungen der EU zu nehmen versuchen, erfasst und kontrolliert werden: Das sogenannte Transparenz-Register. Olivier Hoedemann vom „Corporate Europe Observatory“: „Von der Leyen erweckt den Eindruck, dass sie diese Regeln umgehen will.“

In Insiderkreisen gilt von der Leyen als äußerst clevere Selbstdarstellerin, die trotz ihres Alters in Sachen Social Media höchstes Geschick beweist und auch im Umgang mit den Medien brilliert. Aber die studierte Medizinerin, deren Dissertation in Teilen als Plagiat erkannt wurde, hat zwei Gesichter. Die „Welt“ schrieb: „Ursula von der Leyen ist für ihr strahlendes Lächeln bekannt. Aber hinter den Kulissen soll es oft eisig zugehen. Eine häufig vorgebrachte Kritik: Die 60-Jährige setze mehr auf persönliche Loyalität als inhaltliche Kompetenz und umgebe sich mit wenigen Vertrauten, die sie in zentrale Positionen befördere, während sie langgediente Experten abserviere.“

„Storymachine“ ist eine Berliner Social Media-Agentur mit Sitz in Berlin-Mitte. Gründer und Eigentümer sind unter anderem der Sport- und Event-Manager und ehemalige Lebenspartner von Guido Westerwelle, Michael Mronz, sowie der ehemalige Chefredakteur der Bild-Zeitung (bis 2017), Kai Diekmann, dem schon während seiner Tätigkeit für die Bild ein enges Verhältnis zu diversen CDU-Politikern nachgesagt wurde, vor allem zu Helmut Kohl. Die Arbeit von „Storymachine“ ist derzeit Gegenstand einer Untersuchung des „Deutschen Rat für Public Relations“ (DRPR). Das Organ der freiwilligen Selbstkontrolle der deutschen PR-Wirtschaft prüft, ob die Agentur im Zusammenhang mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit für eine Feldstudie des Virologen Hendrick Streeck im schwer von Corona betroffenen Landkreises Heinsberg gegen Ethik-Regeln verstoßen hat.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Online-Handel: Amazon plant Investitionen von rund 16 Milliarden Euro
24.10.2026

16 Milliarden Euro will Amazon 2027 in Deutschland investieren – ein großer Teil soll in Cloud und KI rund um Frankfurt fließen. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in die Endlichkeit: Wie ein überforderter Anleihemarkt den Bitcoin-Kurs treibt
24.10.2026

Das US-Finanzministerium kauft seine eigenen Schulden zurück, damit sie überhaupt noch jemand haben mag, und der Bitcoin hat das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW X5 im Test: Warum die fünfte Generation alles anders macht
24.10.2026

Fast 100.000 Euro Einstiegspreis, bis zu 845 Kilometer elektrische Reichweite und ein Auftritt, der kaum zu übersehen ist: Mit dem neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kokain am Arbeitsplatz: Wenn ausgerechnet die besten Mitarbeiter abhängig werden
24.10.2026

Kokain ist längst keine Droge mehr, die nur auf Partys konsumiert wird. Immer häufiger erreicht der Konsum auch den Arbeitsalltag....

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Diese Branchen könnten den KI-Hype schlagen
24.10.2026

Die Börsen brechen Rekorde, doch der Höhenflug steht auf wackligen Beinen. Wenige Technologiekonzerne treiben die Kurse, während...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...