Deutschland

Berlin: Flughafen Tegel wird vorübergehend geschlossen

Der Aufsichtsrat hat der Schließung zugestimmt. Und auch laut Bürgermeister Michael Müller macht es für Berlin derzeit keinen Sinn, zwei Flughäfen offen zu halten.
29.04.2020 12:13
Aktualisiert: 29.04.2020 12:13
Lesezeit: 2 min

-- UPDATE 16:40 Uhr --

Der Berliner Airport Tegel soll wegen der Coronavirus-Krise und dem fast brachliegenden Flugbetrieb vorübergehend schließen. Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft FBB habe dem am Mittwoch zugestimmt, sagte ein FBB-Sprecher. Die Gesellschafterversammlung - also die Eigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund - müssten dies im Laufe des Tages noch endgültig beschließen. Konkret geht es um eine Befreiung von der Betriebspflicht des innerstädtischen Airports.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup will wegen des fast zum Stillstand gekommenen Flugbetriebs nicht beide Airports in der Hauptstadtregion offen halten. Mit der Tegel-Schließung sollen rund 200.000 Euro täglich oder etwa sieben Millionen Euro pro Monat gespart werden. Zuletzt war von einer Schließung über rund zwei Monate die Rede. Der Bund und Brandenburg haben hier nun offenbar ihren Widerstand gegen die vorübergehende Schließung aufgegeben. Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) will dann nur noch Schönefeld dauerhaft offen halten.

Am 31. Oktober soll zudem der neue Großflughafen BER nach jahrelanger Verzögerung öffnen. Die zuständige Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald hatte jüngst nach Abschluss der Bauarbeiten die Fertigstellung des Terminals 1 bestätigt. "Die Eröffnung des BER kann in diesen Zeiten ein Signal dafür werden, dass es in der Hauptstadtregion wieder aufwärts geht und die Wirtschaft wieder auf die Füße kommt", erklärte Lütke Daldrup.

--

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat sich für eine vorübergehende Schließung des Flughafens Tegel ausgesprochen. "Wir sehen praktisch weltweit, dass der Flugverkehr eingestellt ist, dass riesige Flughäfen in anderen Ländern geschlossen sind", sagte Müller am Mittwoch dem rbb-Sender 88,8. "Und wir müssen jetzt einfach auch sehen, dass es keinen Sinn macht, zwei Infrastrukturen aufrechtzuerhalten mit Tegel und dem alten Schönefelder Flughafen, dass man sich jetzt einfach konzentriert auf einen Standort, ist schon aus wirtschaftlichen Gründen richtig", so der SPD-Politiker.

"Dass wir jetzt den BER eröffnen können und ans Netz bekommen, das war überfällig, aber das ist natürlich auch eine tolle Nachricht", sagte Müller. Es eröffne die Perspektive, wie es weitergehe, wenn der Flugverkehr wieder zunehme - dann an einem Standort, dem neuen Schönefelder Flughafen. "Ich glaube, es wäre sinnvoll, dass jetzt alles zu konzentrieren auf einen Standort."

An diesem Mittwoch beraten Vertreter des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg noch einmal darüber, ob Tegel vorübergehend vom Netz gehen soll. Ende März hatte der Bund die Pläne für eine sofortige Schließung gestoppt. Die Infrastruktur sollte wegen der Corona-Krise flexibel verfügbar bleiben. Nach Angaben des Verkehrsministeriums vom Dienstag soll die Lage nun erneut bewertet werden. Die Fluggesellschaften haben sich am Wochenende dafür ausgesprochen, Tegel am Netz zu lassen.

Am Vormittag tagt zunächst der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, am Nachmittag die Gesellschafterversammlung. In beiden Telefonkonferenzen geht es um die Folgen der Corona-Krise für das Unternehmen. Eine staatliche Finanzspritze von bis zu 300 Millionen Euro ist in Vorbereitung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...

DWN
Immobilien
Immobilien Schlafen überm Edeka: Wie das Baurecht Wohnen im Gewerbegebiet blockiert
20.09.2026

Obwohl bundesweit 1,4 Millionen Wohnungen fehlen und Millionen Quadratmeter Gewerbefläche leer stehen, verbietet die Baunutzungsverordnung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rhein Group: Draghi versammelt Europas Machtelite
19.09.2026

Mario Draghi hat Europas wirtschaftliche Schwächen analysiert. Jetzt will er handeln: Mit der Rhein Group versammelt der frühere...