Politik

Weltwirtschafts-Krise führte zum Zweiten Weltkrieg: Wohin führt die Corona-Krise?

Europa steuert wegen der Corona-Krise mit voller Wucht auf eine Rezession und eine Depression zu. Aus der Depression der 20er und 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts sind unheilvolle politische Ereignisse hervorgegangen. Könnte sich die Geschichte wiederholen?
15.05.2020 11:53
Aktualisiert: 15.05.2020 11:53
Lesezeit: 3 min
Weltwirtschafts-Krise führte zum Zweiten Weltkrieg: Wohin führt die Corona-Krise?
Die Sonne versteckt sich hinter dunklen Wolken über dem Reichstag, dem Sitz des Deutschen Bundestags. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Eine wirtschaftliche Rezession ist ein wesentlicher Bestandteil des Konjunkturzyklus. Schwächere Unternehmen gehen unter und das Kapital und Arbeitskräfte werden für eine bessere Nutzung neu verteilt. Die Rezession ist somit Bestandteil einer gesunden Wirtschaft.

Eine Depression ist das Ergebnis von Kräften, die von außen auf die Wirtschaft einwirken, wie Kriege oder Krankheiten. Daher ist die Frage, ob wir uns jetzt in einer Depression oder Rezession befinden, keine akademische Frage, sondern die wichtigste Frage, mit der die Menschheit derzeit konfrontiert ist. Wir werden uns von einer Rezession erholen können. Wir werden uns auch von einer Depression erholen können, aber es wird viel länger dauern und viel mehr Schmerzen verursachen.

Im Verlauf einer Depression passieren Dinge, die zuvor unvorstellbar waren. Wenn zum Beispiel eine Volkswirtschaft um 30 Prozent schrumpfen würde, wäre eine Erholung in Form von beispielsweise einer Wachstumsrate von vier Prozent (die an und für sich ein Erfolg wäre) kein Triumph, sondern eine lediglich ein Bestätigung dafür, dass wir ganz allmählich beginnen würden, aus der Depression herauszukommen.

Vor über 100 Jahren wurde Europa von einer massiven Depression heimgesucht. Der Erste Weltkrieg hatte sie ausgelöst. Deutschland war vom Vertrag von Versailles besonders betroffen, aber auch Großbritannien, Russland und Polen wurden auf unterschiedliche Weise wirtschaftlich zerstört.

Die Ursache der Depression war, dass über vier Jahre mindestens 20 Millionen Europäer, größtenteils die nächste Generation, gestorben waren. Vier Jahre lang konzentrierte sich die Wirtschaft auf den Bau von Waffen und Munition. Traumatisierte Soldaten kamen nach Hause in ihre traumatisierten Nationen. Sie kehrten nicht in die Zukunft zurück, die sie sich vorgestellt hatten. Wirtschaftswissenschaftler verweisen gerne auf Perioden in den 1920er Jahren, in denen die Wirtschaft wuchs, aber sporadisches Wachstum ist nicht gleichbedeutend mit dem Nichtvorhandensein einer Depression.

Depressionen sind nämlich auch ein politischen Ereignis. Es gibt Menschen, die von solchen Zeiten sogar profitieren und die Depression daher sogar aufrecht erhalten wollen. Es gibt andere, die zu reich oder zu arm sind, um zu wissen, dass eine Depression im Gange ist. Und es gibt jene Politiker, die sich auf eine für den Moment irrelevante alte Ideologie berufen, und so tun, als wüssten sie, was zu tun ist. Dabei sind sie sich insgeheim ihrer Hilflosigkeit bewusst. Geopolitical Futures wörtlich: “In Deutschland entstand ein Führer, der erkannte, dass Arbeitslosigkeit das Herzstück des Problems war, und den Faschismus als Lösung präsentierte, zusammen mit etwas Entscheidendem: jemandem, der die Schuld trägt (... ) Er ernannte die Juden unter wildem Applaus zu den Bösewichten. Der Zweite Weltkrieg bot das größte Konjunkturpaket aller Zeiten. Depressionen schaffen verzweifelte Menschen, die nach allem hungern - vor allem nach Hoffnung auf eine Zukunft (...) Am Ende musste die Lösung vom Militär gefunden werden.”

Depressionen und die Möglichkeit eines Krieges gingen und gehen immer Hand in Hand. Die Corona-Krise hat Ähnlichkeiten mit dem Krieg. Der Staat greift ins Leben der Menschen ein, ohne Rücksicht auf Konsequenzen. Ein großer Teil der Menschen wird aus der Arbeitswelt gerissen. Die Schulen sind geschlossen und alle haben Angst. Sogar die Frage, wie das Virus begann, weist mittlerweile Hinweise auf mögliche “Vergeltungsmaßnahmen” auf.

Aber der Sieg im Krieg und der Sieg gegen das Corona-Virus sind sehr unterschiedlich strukturiert. Dies führt uns zu der Frage, wie der Sieg in diesem Fall aussehen sollte. Das Virus könnte von alleine oder durch einen Impfstoff verschwinden. Und viele Menschen wünschen sich, dass die Welt zu dem zurückkehren sollte, wie sie zuvor gewesen ist. Das Problem von Krieg und Depression ist jedoch, dass die Welt nicht mehr in Vergangenheit zurückkehren kann.

Dennoch ist es nützlich, die Vergangenheit zu berücksichtigen. Wenn wir uns die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ansehen, war die Wirtschaft ein regelrechter “Kriegsgefangener”. Die politischen Systeme haben die Entscheidung über den zu zahlenden Preis getroffen, und der Preis war im Hinblick auf den Tod enorm. In all diesen Gleichungen steckt die dunkle Realität, dass es schwierig sein wird, die Corona-Krise zu lösen, ohne den Tod zu akzeptieren - es sei denn, die Ärzteschaft hat einen bisher unbekannten Notfallmodus, der uns die Welt zurückbringt, die wir kannten.

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