Deutschland

Der Frühling 2020 und die Rückkehr des Minnesangs

In Eisenach befasst sich eine Schau auf der legendären Wartburg mit der umfangreichen Musikgeschichte des Weltkulturerbes in Eisenach. Der Minnesang spielt eine wichtige Rolle. Eine neue Blütezeit der deutschen Liebeslyrik ist möglich.
18.05.2020 22:07
Aktualisiert: 18.05.2020 22:07
Lesezeit: 2 min
Der Frühling 2020 und die Rückkehr des Minnesangs
Wolken ziehen am 04.05.2016 über die Wartburg in Eisenach (Thüringen). (Foto: dpa) Foto: Martin Schutt

Eine neue Schau auf der Wartburg befasst sich mit der umfangreichen Musikgeschichte des Weltkulturerbes in Eisenach. Dabei drehe sich die Sonderausstellung “Im Bann des Genius Loci - die Wartburg und die Musik” längst nicht nur um die von der Wartburg inspirierte Richard Wagner-Oper “Tannhäuser”, erläuterte Kuratorin Grit Jacobs am Montag.

“Wir fangen natürlich mit dem Minnesang und dem Musenhof von Landgraf Herrmann I. an und dokumentieren die Bedeutung der Dichter Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach”, so Jacobs. Beide gehören zu Figuren im sagenhaften Sängerkrieg auf der Wartburg, den später Komponist Richard Wagner (1813-1883) in der Oper “Tannhäuser” aufgriff.

Wenn es um die Wartburg geht, schlagen die Herzen der Minnesang-Liebhaber höher. So leiten die Brüder Grimm den “Sängerkrieg auf der Wartburg” in ihren “Deutschen Sagen” von 1816 mit folgenden Worten ein: “Auf der Wartburg bei Eisenach kamen im Jahr 1206 sechs tugendhafte und vernünftige Männer mit Gesang zusammen und dichteten die Lieder, welche man hernach nennte: den Krieg zu der Wartburg.”

Ob der Sängerkrieg im 13. Jahrhundert wirklich stattgefunden hat, bleibt offen. Sicherlich wird beim Sängerkrieg die Realität etwas überhöht dargestellt. Doch gerade die Anmut des Minnesangs, auf die in der Romantik zurückgegriffen wurde, lässt uns in eine Welt eintauchen, in der wir uns sehr gerne wiederfinden. Und immer wieder erstaunt es uns, dass eine derartige Liebeslyrik - ummantelt von süßen Klängen - uns auch im 21. Jahrhundert berührt und auch betrifft. Des “Minnesangs Frühling” sollte für uns nicht nur die Rolle eines Buches spielen, sondern im Frühling des Jahres 2020 trotz aller schwierigen Umstände uns in unserer Welt erfassen. Die Wartburg und der Minnesang als Zufluchts- und Sehnsuchtsorte eines jeden Menschen. Aus dieser Zweisamkeit kann nur Gutes entstehen.

Und wer weiß: Vielleicht wird schon bald die eine oder andere Maid “Slâfest du, friedel ziere? man wecket uns leider schiere” singen. Doch ich möchte aus diesem Traum nicht erwachen.

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Cüneyt Yilmaz

                                                                                ***

Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.

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