Deutschland

50 Angreifer: Feuerwehr und Polizei werden in Hinterhalt gelockt und mit Steinen attackiert

Im hessischen Dietzenbach ist es zu einem aufsehenerregenden Anschlag auf Polizisten und Feuerwehrleute gekommen.
29.05.2020 16:57
Lesezeit: 2 min
50 Angreifer: Feuerwehr und Polizei werden in Hinterhalt gelockt und mit Steinen attackiert
Ein Feuerwehrwagen im Einsatz. (Foto: dpa) Foto: Marcel Kusch

Eine heftige Stein-Attacke gegen Feuerwehrleute und Polizisten hat in Hessen Entsetzen ausgelöst. Die Einsatzkräfte waren in Dietzenbach im Kreis Offenbach vermutlich in einen Hinterhalt gelockt und dann attackiert worden. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Nach den Worten von Landesinnenminister Peter Beuth (CDU) könnte der Angriff womöglich mit einer größeren Polizeiaktion Anfang der Woche zusammenhängen. Beamte hatten in einem Hochhaus in mehreren Kellern unter anderem über 200 Fahrräder sichergestellt, mutmaßlich Diebesgut.

«Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass es am Ende einen Zusammenhang gibt zu Straftaten, die vorher begangen worden sind und wo es eine entsprechende Polizeiaktion gegeben hat», sagte Beuth in Wiesbaden. Einzelheiten müssten jedoch erst noch ermittelt werden. Auf einen politischen Hintergrund gebe es keine Hinweise, sagte der Minister. Nach den Worten eines Polizeisprechers in Dietzenbach ist die Motivlage noch völlig offen.

Den Angaben zufolge wurden zunächst auf einem Parkdeck Mülltonnen und ein Bagger angezündet, um die Einsatzkräfte nach Angaben der Polizei in einen Hinterhalt zu locken. Als die Helfer am frühen Freitagmorgen eintrafen, wurden sie von etwa 50 Männern mit Steinen beworfen.

«Wir haben leider eine hinterhältige Tat zu beklagen ... eine Gewalttat, die ich aufs Schärfste verurteile», sagte Beuth. «Ein Dutzend Einsatzwagen wurden beschädigt, da grenzt es an ein Wunder, dass kein Helfer verletzt wurde.» Beuth kündigte an, die Polizeipräsenz in Dietzenbach und Umgebung deutlich zu erhöhen. «Wir werden dafür sorgen, dass der Staat für Recht und Ordnung sorgt», sagte er.

Drei Männer wurden laut Polizei vorläufig festgenommen. Zwei von ihnen hätten den Einsatz gestört und seien Platzverweisen nicht gefolgt, der Dritte sei ein mutmaßlicher Steinewerfer. Der Sachschaden beläuft sich laut Polizei auf mindestens 150 000 Euro.

2019 habe es rund 4000 Angriffe auf Polizeibeamte in Hessen gegeben, sagte Beuth. Erst vor wenigen Tagen sei eine Kollegin in Frankfurt mit einem 20 Kilo schweren Blumenkübel angegriffen worden und nur mit großem Glück unverletzt geblieben.

Hessen mache sich schon länger für eine Strafverschärfung bei Angriffen auf Einsatzkräfte stark, betonte der Minister. Die Täter dürften nicht mehr mit einer Geldstrafe davonkommen, sondern müssten mit einer Haftstrafe bestraft werden, forderte er und kündigte an, das Thema bei der nächsten Innenministerkonferenz auf die Tagesordnung setzen zu lassen.

Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft forderte eine konsequentere Strafverfolgung. «Es schreckt keinen Straftäter ab, wenn sein Verhalten von überlasteten Gerichten anschließend als Bagatellfall abgehandelt wird», erklärte der Sprecher Tobias Thiele. So etwas werde von den Rettungskräften mit Unverständnis zur Kenntnis genommen und führe zu einer enormen Dunkelziffer, da viele Kollegen respektlose Handlungen im Einsatz aus Frustration nicht mehr meldeten.

Hinterhalte gegen Einsatzkräfte sind nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei kein Einzelfall. «Das beobachten wir schon länger», sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Hessen, Andreas Grün. Dass gleich eine Gruppe von rund 50 Angreifern Beamte attackiere, sei allerdings nicht alltäglich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Grönland-Abkommen mit Trump: Eine Frage bleibt offen
24.09.2026

Wir waren in New York dabei, an einem historischen Tag für Dänemark. Als die Erleichterung einsetzte, kam jedoch auch eine Erkenntnis...

DWN
Finanzen
Finanzen Kfz-Finanzierungen: Konsum auf Pump treibt Wachstum der Kreditbanken
24.09.2026

Mehr neue Kredite für den privaten Konsum, weniger für betriebliche Investitionen. Die Halbjahresbilanz der Kreditbanken hat zwei Seiten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pontes: So will die EZB den Finanzmarkt beschleunigen
24.09.2026

Die EZB macht ernst mit der Digitalisierung des Finanzmarkts. Mit Pontes können Wertpapiergeschäfte auf digitalen Plattformen erstmals...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen nach Tech-Rücksetzer im Minus
23.09.2026

Welche geopolitischen und wirtschaftlichen Faktoren die Wall Street zur Wochenmitte aus der Bahn warfen.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Starker Dollar und Zinssorgen belasten Goldkurs
23.09.2026

Der Goldpreis fällt am Mittwoch deutlich. Ein stärkerer US-Dollar und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed...

DWN
Politik
Politik Spritpreise: Deutschland plant den Deckel, Kroatien begrenzt schon heute
23.09.2026

Die Spritpreise steigen, und Europas Regierungen greifen immer stärker in den Markt ein. Deutschland senkt die Energiesteuer und plant...

DWN
Politik
Politik Protest gegen EU-Bürokratie: 13 EU-Staaten wollen Brüssel einbremsen
23.09.2026

Österreich macht gemeinsam mit zwölf weiteren EU-Staaten Druck auf Brüssel: Ein Jahr lang soll bei neuen EU-Gesetzen weitgehend auf die...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt – BSW als Zünglein an der Waage?
23.09.2026

Die Atmosphäre sei gut, die Gespräche konstruktiv: In Sachsen-Anhalt tasten sich AfD und BSW langsam heran. Ein Patt im Landtag könnte...