Unternehmen

Wenn Altmaier nicht handelt, drohen zahlreiche Insolvenzen beim Mittelstand

Das Wirtschaftsministerium wollte dem Mittelstand mit Corona-Förderungen helfen. Doch das Vorhaben scheiterte bereits in der Planungsphase. Peter Altmaier muss handeln. Ansonsten drohen zahlreiche Insolvenzen beim deutschen Mittelstand.
31.05.2020 14:35
Lesezeit: 2 min
Wenn Altmaier nicht handelt, drohen zahlreiche Insolvenzen beim Mittelstand
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hatte ab Ende März 2020 Kleinen- und Mittelständischen Unternehmen (KMU) im Rahmen des „Programms zur Förderung unternehmerischen Know-hows“ angeboten, sich für einen Zuschuss von 4.000 Euro einen Unternehmensberater zu holen, um die Corona-Krise zu überstehen. Die Finanzierung sollte die BAFA verantworten.

Recherchen der SZ, NDR und WDR ergaben, dass 15,34 Millionen Euro für das Projekt bereitgestellt wurden. Doch benötigt wurden um die 130 Millionen Euro, um die eingegangenen Anträge zu bewerkstelligen. Das BAFA hat das Programm mittlerweile eingestellt und teilt in einer Mitteilung mit: „Aufgrund der großen Nachfrage sind die für dieses spezielle Fördermodul vorgesehenen Mittel bereits ausgeschöpft, es können auch keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die Förderung aus dem Corona-Sondermodul wurde deshalb vorzeitig eingestellt.“

Der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, kritisiert, dass das Bundeswirtschaftsministerium bereits die Planungsphase verfehlt hat. Ohoven sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: „Ganz konkret kritisieren wir die absolut chaotische Planung: Wenn die Bundesregierung ein Programm für Mittelständler auflegt, dann muss sie wissen, dass es theoretisch 3,5 Millionen Antragsteller gibt - nämlich alle Klein- und Mittelbetriebe in Deutschland. Wenn dann das BAFA schon mit 27.000 Anträgen überfordert ist, zeugt das von einer geradezu grotesken Fehleinschätzung. Der zweite Kritikpunkt ist die fehlende Kommunikation: Nach 2 Wochen war klar, dass das Geld nicht reicht, trotzdem konnten bis zum 26. Mai weiter Anträge gestellt werden.“

Doch Berater seien für viele Unternehmen wichtig, um beispielsweise Insolvenzen abzuwenden. „Die mittelständischen Betriebe brauchen in der Coronakrise mehr denn je individuelle Beratung. Insofern ist die Grundidee des Programms, also die Förderung der Vermittlung unternehmerischen Know-hows durch qualifizierte und zertifizierte Unternehmensberater, richtig und wichtig. In vielen Fällen lässt sich eine Insolvenz und damit auch der Verlust von Arbeitsplätzen verhindern. Deshalb sagen wir ganz klar: Alle Anträge, die bis zum 26. Mai gestellt wurden, müssen genehmigt werden, auch aus Gründen der Gleichbehandlung. Jeder verstrichene Tag gefährdet die Existenz von zahlreichen Unternehmern und Beratern. Herr Altmaier hat bisher immer den Mittelstand unterstützt. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass er sich auch in diesem Fall unseren berechtigten Forderungen nicht verschließen wird“, so Ohoven.

In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der den Deutschen Wirtschaftsnachrichten vorliegt, wird Ohoven noch deutlicher: „Für uns alle in Deutschland ist dies keine einfache Situation, und ich habe größten Respekt und Verständnis für die Arbeit des BMWi und des BAFA. Nichtsdestotrotz müssen für die aktuelle Problemsituation umgehend Lösungen gefunden werden. Jeder verstrichene Tag kostet die Existenz von zahlreichen Unternehmen und Beratern, welche zum Teil in Vorleistungen gegangenen sind, um kleinen und mittleren Firmen in diesen schweren Zeiten durch die Krise zu helfen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Eskalation im Nahen Osten belastet Rentenmarkt: Deutsche Staatsanleihen unter Verkaufsdruck
09.03.2026

Die Verunsicherung an den globalen Finanzmärkten spiegelt sich am Montag deutlich in den Kursen deutscher Bundesanleihen wider, die...

DWN
Politik
Politik Machtpoker im Ländle: Özdemir erteilt rotierender Staatskanzlei eine Absage
09.03.2026

Nach der Zitterpartie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg verhärten sich die Fronten zwischen den potenziellen Koalitionspartnern....

DWN
Politik
Politik Geheime Unterstützung: Russland liefert Iran Zieldaten gegen amerikanische Streitkräfte
09.03.2026

Ein Bericht der Washington Post sorgt für Aufsehen. Demnach liefert Russland Iran geheimdienstliche Informationen über US-Streitkräfte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie enttäuscht: Auftragseinbruch um 11,1 Prozent nach Großauftrags-Boom
09.03.2026

Die deutsche Industrie ist mit einer deutlichen Enttäuschung in das Jahr 2026 gestartet. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes sanken...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise aktuell: Preiszuwachs an Tankstellen verlangsamt sich
09.03.2026

Autofahrer können vorerst leicht aufatmen, da der steile Aufwärtstrend bei den Kraftstoffpreisen an deutschen Tankstellen an Schwung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiswende im Kühlregal: Butter wird für Verbraucher wieder teurer
09.03.2026

Nach einer Phase sinkender Preise müssen Kunden in Deutschland für Butter wieder tiefer in die Tasche greifen. Führende Discounter und...

DWN
Politik
Politik Geopolitische Zeitenwende: Von der Leyen fordert radikalen Kurswechsel der EU
09.03.2026

Die alte Weltordnung ist Geschichte: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drängt angesichts der globalen Instabilität auf eine...

DWN
Politik
Politik Neue EU-Strategie: Brüssels Plan für die Zukunft von Häfen und Werften
09.03.2026

Europas Lebensadern auf dem Prüfstand: Nach langer Wartezeit hat die EU-Kommission ihre neue maritime Strategie enthüllt. In zwei...