Finanzen

Hedgefonds rüsten sich für zweiten Markt-Crash noch dieses Jahr

Nach Ansicht von Fondsmanagern spiegelt der Preisanstieg der letzten Wochen nicht die bevorstehenden wirtschaftlichen Probleme wider. Die starken Kursanstiege seit dem Crash im März seien eine Illusion.
08.06.2020 10:09
Aktualisiert: 08.06.2020 10:09
Lesezeit: 3 min
Hedgefonds rüsten sich für zweiten Markt-Crash noch dieses Jahr
Demonstranten letzte Woche nahe der New Yorker Börse. (Foto: dpa) Foto: Frank Franklin II

Mehr als zehn Jahre lang sind die Aktienkurse immer weiter gestiegen und Investoren haben sich mit der Zeit daran gewöhnt, dass sie Profite machen können, wenn sie bei den gelegentlichen Marktkorrekturen Aktien zukauften. Nach Ansicht einiger Hedgefonds sind Investoren inzwischen so optimistisch, dass sie selbst den starken Einbruch an den globalen Aktienmärkten im März nur als vorübergehend betrachten.

Denn möglicherweise überschätzen Investoren die Wirksamkeit der Maßnahmen, die Zentralbanken und Regierungen infolge der der Corona-Krise ergriffen haben. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 verzeichnete am Mittwoch seinen bisher besten 50-Tage-Durchschnitt und liegt nur noch 8 Prozent unter seinem Rekordhoch von Mitte Februar.

"Die Stabilität der Aktienmärkte spiegelt nicht die Arbeitsplatzverluste und die Insolvenzen wider, die weltweit vor uns liegen", zitiert die Financial Times Danny Yong, Gründungspartner beim Hedgefonds Dymon Asia Capital in Singapur. "Ich glaube, dass wir noch dieses Jahr neue Tiefstände an den globalen Aktienmärkten haben werden." Der März habe gezeigt, dass die Kurse nicht auf Dauer von den Fundamentaldaten abweichen können.

Yong hat Put-Optionen auf Aktienindizes und risikoanfällige Währungen wie den australischen Dollar und den koreanischen Won gekauft. Mit Put-Optionen kann man sich gegen einen Markteinbruch absichern, da sie dem Besitzer den Verkauf von Aktien zu einem im Voraus festgelegten Preis ermöglichen.

Yong glaubt, dass die Investoren bald entdecken könnten, dass die Zusicherung der US-Zentralbank, die Märkte bei Bedarf zu unterstützen - der sogenannte "Fed-Put" - möglicherweise an seine Grenzen stoßen wird. Und nun gebe es auch noch einen "Trump Put". Doch nach Ansicht von Yong wird der US-Präsident bei der Ankurbelung der Wirtschaft mit Konjunkturpaketen von den Demokraten behindert werden.

Paul Singers Fonds Elliott Management, der ein Vermögen von 40 Milliarden Dollar verwaltet, schrieb in seinem jüngsten Brief an die Anleger, dass die Auswirkungen des wirtschaftlichen Abschwungs größer sind als die der Finanzkrise von 2008 und dass daher "unser Bauchgefühl uns sagt, dass ein 50-prozentiger oder tieferer Rückgang von der Februar-Spitze der ultimative Weg der globalen Aktienmärkte sein könnte".

Elliott Management hat während des Crashs im ersten Quartal Geld mit Absicherungsgeschäften in Aktien und Krediten verdient. Nun hat der Fonds gesagt, dass nach neuen Möglichkeiten sucht, sich gegen einen weiteren Marktabsturz zu schützen, da einige bisher genutzten Formen der Absicherung teurer geworden seien.

Trotz einer Reihe düsterer Wirtschaftsdaten - darunter mehr als 40 Millionen Amerikaner, die Arbeitslosenunterstützung beantragt haben, und eine erwartete Rekordkontraktion der Wirtschaft der Eurozone im zweiten Quartal - ist der S&P 500 seit seinem Tiefpunkt im März um fast 40 Prozent gestiegen, sodass er für das Jahr nur noch um 3 Prozent gefallen ist. Laut Zahlen von FactSet wird der Index jetzt mit mehr als dem 22-fachen der für die nächsten 12 Monate erwarteten Gewinne gehandelt - so hoch wie seit Anfang der 2000er Jahre nicht mehr.

Morgan Stanley sagte kürzlich in einer Mitteilung, dass seine Hedgefonds-Kunden eine Netto-Short-Position in Höhe von rund 40 Milliarden Dollar in Euro-Stoxx 50-Futures halten. Globale Makro-Hedgefonds haben laut JPMorgan ihre Engagements in Aktien in diesem Jahr stark reduziert.

"Es ist durchaus möglich, dass es ein viertes Quartal geben wird, in dem eine zweite Welle von Arbeitsplatzverlusten und eine längere Periode von Unternehmenszusammenbrüchen die Aktienstimmung auf die Probe stellt", zitiert die Financial Times Seema Shah, Chefstrategin bei Principal Global Investors.

Francesco Filia, Leiter des in London ansässigen Hedgefonds Fasanara Capital, hält 70 Prozent seines Fonds in Geld und setzt auch Put-Optionen und andere Instrumente zur Absicherung seines Portfolios ein, da er einen "schweren Einbruch" der Märkte erwartet. Eine Bedrohung sieht er im Trend zur "Entglobalisierung", der die Inflation in die Höhe treiben könnte.

Eine weitere Bedrohung sei die zunehmende politische Einmischung in den Technologiesektor, die den Aktionärsrenditen schaden könnte. Filia erwartet eine mögliche Liquiditätskrise wie im Jahr 2008, als Anleger versuchten, Geld aus börsengehandelten Fonds (ETFs) abzuziehen, die jedoch nicht mehr on der Lage waren, diese Rücknahmen zu erfüllen.

Viele Fondsmanager zögern jedoch, direkt gegen Aktien zu wetten, da sowohl die Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank gesagt haben, dass sie noch Feuerkraft in Reserve hätten. Dass der Markt neue Tiefststände erreicht, "ist möglich", sagte Tom Clarke, der in einem Makrofonds bei William Blair in London ein geringes Engagement in Aktien hat. Allerdings wollten Regierungen und Zentralbanken die Märkte nach oben treiben. Daher hätten ihre Konjunkturpakete "fast mythische Ausmaße angenommen".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Panorama
Panorama Klimafreundlicher Straßenbau: Kälterer Asphalt soll CO2-Ausstoß senken
10.05.2026

Klimafreundlicher Asphalt wird für die Baubranche zunehmend zum Prüfstein zwischen Kosten, CO2-Reduktion und technischer...

DWN
Technologie
Technologie Antropic: Gefürchtetes KI-Modell erschüttert Banken und Regierungen
10.05.2026

Anthropic will den Zugang zu Mythos ausweiten, obwohl das Weiße Haus Sicherheitsbedenken anmeldet. Das KI-Modell soll unbekannte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kurzarbeit in Deutschland: 133 Millionen Stunden verloren – ein Warnsignal
09.05.2026

Die Zahl ausgefallener Arbeitsstunden durch Kurzarbeit steigt weiter an und signalisiert eine wachsende Belastung für die deutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Europas Unternehmen unter Regulierung leiden
09.05.2026

Zwar gilt die EU vielen als Anker für Stabilität, doch im Mittelstand wächst der Unmut. Die regulatorische Dichte aus Brüssel wird...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wenn Führungskräfte scheitern: Warum Unternehmen Ideen oft nicht umsetzen
09.05.2026

Viele Führungskräfte scheitern nicht an Strategie oder Marktbedingungen, sondern daran, wie sie ihre Ideen im Unternehmen vermitteln und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo EX60: Warum dieses Elektro-SUV Mercedes, BMW und Audi nervös machen dürfte
09.05.2026

Volvo baut mit dem EX60 nicht einfach ein neues Elektro-SUV, sondern eine Wette auf die Zukunft der Marke. Der Wagen soll beweisen, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Streit um Obi-Orange: Warum Farben über Marken-Erfolg entscheiden
09.05.2026

Der Baumarkt Obi steht vor dem Bundesgerichtshof (BGH) im Streit um den rechtlichen Schutz seiner markanten Hausfarbe Orange. Der Fall...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardenbaustelle Deutschland: Warum Großprojekte oft scheitern – und was sich strukturell ändern muss
09.05.2026

Vom Hauptstadtflughafen bis zum Bahnknoten Stuttgart: Deutschlands Großprojekte entwickeln sich oft zu Dauerbaustellen mit Kosten in...