Finanzen

Welche Staaten nicht an der Dollar-Party der Federal Reserve teilnehmen dürfen

Die US-Zentralbank und der Internationale Währungsfonds gewähren nur einigen wenigen Staaten Zugang zu Dollar-Liquidität. Länder, welche besonders darauf angewiesen wären, gehen leer aus.
09.06.2020 16:09
Aktualisiert: 09.06.2020 16:09
Lesezeit: 1 min
Welche Staaten nicht an der Dollar-Party der Federal Reserve teilnehmen dürfen
Einige dürfen mitfeiern - andere nicht. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Die US-Zentralbank Federal Reserve hat nach Ausbruch der Coronakrise mit 9 Zentralbanken zeitlich begrenzte Währungstauschkanäle („Swap-Lines“) eröffnet, um die entsprechenden Staaten mit Dollar-Liquidität im Zuge von Währungstauschgeschäften versorgen zu können.

Bei den neun Ländern handelt es sich um Australien, Brasilien, Dänemark, Südkorea, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Singapur und Schweden. Mit der Europäischen Zentralbank, der japanischen Notenbank, der Bank of England, der Schweizer Nationalbank und der kanadischen Nationalbank bestehen seit Jahren zeitlich unbegrenzte Swap-Abkommen.

Beobachter kritisieren allerdings, dass nun gerade Länder Zugang leichter zum Dollarraum erhalten, welche vergleichsweise gut aufgestellt und deshalb eigentlich nicht auf die Hilfestellung angewiesen sind. Anderen Staaten, welche im laufenden Jahr viel Schulden in Fremdwährung zurückzahlen müssen – insbesondere der Türkei (fast 23 Milliarden Dollar), Argentinien (21), Indonesien (17), Israel (9), Ägypten (8), Nigeria (8), Südafrika (8), Chile (8), Kolumbien (7) und Thailand (5) – wird jedoch kein Zugang eingerichtet.

„Generell helfen diese Abkommen jenen Ländern, die eigentlich keine Hilfe brauchen. Die Federal Reserve gewährt sie Staaten mit soliden Finanzen und Praktiken – aber Staaten in guter Verfassung mögen die Finanzmärkte sowieso (weshalb diese leicht und relativ günstig Geld aufnehmen können – die Red.)“, wird ein Analyst von der Financial Times zitiert.

Theoretisch können sich all diese Länder auch Dollar-Kredite auf dem für alle zugänglichen US-Repomarkt besorgen. In der Praxis ist diese Option aber nur für Länder möglich, welche über große Fremdwährungsreserven verfügen, die in US-Staatsanleihen investiert wurden, weil eben diese Staatsanleihen als Pfand für die Repo-Dollarkredite dienen.

Die Türkei, welche im laufenden Jahr auf US-Dollar laufende Staatsschulden und Unternehmenskredite im Umfang von rund 23 Milliarden zurückzahlen muss, verfügt beispielsweise aber nur über US-Staatsanleihen im Umfang von 2,3 Milliarden Dollar. Auch Südafrika verfügt beispielsweise nur über amerikanische Staatsanleihen im Umfang von 14 Milliarden Dollar.

Im Vergleich dazu verfügen die mit einer temporären Swaplinie ausgestatteten Länder Brasilien und Singapur über US-Anleihen im Wert von etwa 286 beziehungsweise 165 Milliarden Dollar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäische Banken und Stromnetze sind interessant, zehn Prozent des Portfolios in Gold
20.09.2026

Der Glaube an künftige Gewinne besiegt offenbar noch die Angst vor teurerem Geld.

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
20.09.2026

Zwei Landtagswahlen, ein bitterer Abend für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern droht der historische Verlust des Parlamentseinzugs, in...

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...