Politik

Blackrock behält umstrittenen Beratungsauftrag der EU-Kommission

Die US-Fondsgesellschaft Blackrock soll den Beratungsauftrag der EU-Kommission für eine Studie zu grünen Investments trotz heftiger Kritik behalten.
15.06.2020 22:59
Lesezeit: 1 min
Blackrock behält umstrittenen Beratungsauftrag der EU-Kommission
: Laurence Fink, Chef des Finanzkonzerns Blackrock, spricht beim IWF und Weltbank-Treffen. (Foto: dpa) Foto: Franck Robichon

Die US-Fondsgesellschaft Blackrock soll den Beratungsauftrag der EU-Kommission für eine Studie zu grünen Investments trotz heftiger Kritik behalten. Das zuständige Vergabegremium sehe keine Interessenkonflikte, schrieb die EU-Kommission in einem Brief an Europaabgeordnete. Es gebe keine rechtliche Grundlage dafür, Blackrock den Zuschlag zu entziehen.

Die Gesellschaft mit Sitz in New York verwaltet und investiert Vermögenswerte von mehreren Billionen Dollar. Rund 80 Parlamentarier von Grünen, Sozialdemokraten und Liberalen hatten mögliche Interessenkonflikte moniert, da Blackrock Milliardeninvestitionen in fossile Energien verantworte und voraussichtlich von Corona-Wiederaufbauhilfen profitieren werde. Sie hatten eine neue Ausschreibung für den Auftrag gefordert. Hier werde der Bock zum Gärtner gemacht, lautete der Vorwurf. Die Kommission widerspricht in einem elfseitigen Schreiben vom 5. Juni, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Mögliche Interessenkonflikte seien während der Vergabe geprüft und verneint worden, heißt es. Blackrock habe sogar zusätzliche Maßnahmen zur Vermeidung solcher Konflikte angeboten, was ein Vorteil gegenüber acht Mitbewerbern gewesen sei. Darüber hinaus sei die Qualität des Angebots besonders hoch und der Preis mit 280.000 Euro besonders niedrig gewesen - allerdings nicht "anormal niedrig". Die Wettbewerber hätten nach dem Zuschlag keinen Einspruch erhoben. Im übrigen sei die angeforderte Blackrock-Studie nur einer von vielen Beiträgen, mit denen sich die Kommission über das Thema informiere. Der Grünen-Abgeordnete Daniel Freund bekräftigte jedoch seine Kritik: "Mit der Auswahl von US-Investor Blackrock für dieses zentrale Politikfeld sendet die Kommission ein vollkommen falsches politisches Signal. Ausgerechnet einer der größten Investoren in fossile Brennstoffe weltweit soll der EU-Kommission nun erklären, wie grünes Wirtschaften funktionieren soll." So komme das grüne Umdenken in Europa nicht voran. Vor einigen Jahren hat Blackrock beispielsweise die EU-Institutionen zu EU-Stresstests für Banken beraten und sogar an der Prüfung von Banken teilgenommen. Das Unternehmen beriet die Kommission über das neue EU-Produkt für individuelle Altersvorsorge (PEPP).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Führerscheinreform: Führerschein könnte bis zu 1.000 Euro günstiger werden
09.10.2026

Wie viel spart man wirklich durch die Führerscheinreform? Verkehrsminister Steffen Bilger nennt erstmals konkrete Zahlen – und erklärt,...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold schützt nicht vor jedem Risiko
09.10.2026

Gold gilt als sicherer Hafen – doch wer sein Vermögen schützen will, sollte sich nicht auf ein einziges Edelmetall verlassen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ökostromanbieter grüüün gibt auf: Was der Lieferstopp für rund 200.000 Kunden bedeutet
09.10.2026

Der Stromversorger grüüün beendet zum 31. Oktober 2026 die bundesweite Belieferung von Privatkunden. Das junge Unternehmen macht...

DWN
Politik
Politik Geheime Gespräche zwischen USA und Russland: Amerikaner wollen bei Nord Stream einsteigen und Gasgewinne teilen
09.10.2026

Hinter den Kulissen wird offenbar über eine Rückkehr von Nord Stream gesprochen. Nach Reuters-Informationen prüfen Vertreter der USA und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmenspleiten in Deutschland: Höchster Stand seit 2013
09.10.2026

Vor allem kleinere Firmen rutschen in die Zahlungsunfähigkeit. Gläubiger verlieren zwar weniger Geld als im Vorjahr, doch manche Branchen...

DWN
Politik
Politik Schröder bei Putins Geburtstag: Umstrittene Freundschaft zum Kremlchef
09.10.2026

Altkanzler Gerhard Schröder steht seit Jahren wegen seiner engen Beziehungen zu Russland und Kremlchef Wladimir Putin in der Kritik. Nun...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: BaFin setzt Volkswagen Millionenstrafe auf
09.10.2026

Kursbewegende Neuigkeiten müssen von Unternehmen an der Börse sofort und mit Nachdruck mitgeteilt werden. Hier soll VW in einem Fall...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Millionenprojekt in Litauen droht zur Geduldsprobe zu werden
09.10.2026

Die Fabrik steht, doch produzieren darf Rheinmetall noch lange nicht. In Litauen baut der deutsche Rüstungskonzern eine neue...