Deutschland

GfK erwartet im Herbst Insolvenzen und mehr Arbeitslose

Lesezeit: 1 min
25.06.2020 09:11  Aktualisiert: 25.06.2020 09:11
Deutschland befindet sich "in einer schweren Rezession", so das Konsumforschungsunternehmen GfK. Und es sei fraglich, ob das Konjunkturklima jemals wieder den Wert von vor der Krise erreichen kann.
GfK erwartet im Herbst Insolvenzen und mehr Arbeitslose
Die Deutschen shoppen wieder, aber wohl nie wieder so viel wie vor der Corona-Krise. (Foto: dpa)
Foto: Henning Kaiser

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Kauflust der Verbraucher in Deutschland zieht nach den Lockerungen in der Corona-Krise wieder an - allerdings langsam. Das Nürnberger Konsumforschungsunternehmen GfK prognostiziert für Juli einen Konsumklimawert von minus 9,6 Punkten - deutlich besser als im Juni mit minus 18,6 Punkten, aber immer noch der drittschlechteste jemals ermittelte Wert. Die Verbraucher erwachten zunehmend aus der Schockstarre, die noch im April zu einem beispiellosen Absturz der Stimmung geführt hatte. "Das schwache Licht am Ende des Tunnels, das sich bereits im vergangenen Monat abzeichnete, wird offenbar etwas heller", sagte der GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl der Deutschen Presse-Agentur.

"Aber wir sind noch nicht über dem Berg", betonte Bürkl. Fraglich sei, ob das Konjunkturklima jemals wieder den Wert von vor der Krise erreichen werde. "Es könnte sich herausstellen, dass sich Kaufverhalten ändert", sagte Bürkl. Die Frage "brauche ich das alles überhaupt" werde häufiger gestellt als bisher. Hinzu komme das Risiko eines Corona-Rückschlages. Infektionsereignisse wie in Fleischbetrieben Nordrhein-Westfalens oder auch bei umstrittenen Tennis-Großveranstaltungen im Urlaubsland Kroatien könnten zu einer Verunsicherung führen.

"Deutschland befindet sich in einer schweren Rezession", betonte Bürkl. Dies könne im Herbst zu Insolvenzen und zu einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. "Die Frage wird sein, wie viele der sieben Millionen Kurzarbeiter anschließend arbeitslos werden", sagte er. Die Angst vor dem Jobverlust drücke weiterhin auf das Konsumklima - auch wenn durch die Anreize der Bundesregierung möglicherweise die eine oder andere Anschaffung vorgezogen werden sollte.

Was die konjunkturellen Aussichten angeht, ist die Zuversicht bei den Deutschen dagegen zurückgekehrt. Der GfK-Indikator für die Konjunkturerwartung liegt derzeit bei 8,5 Zählern und damit sogar über dem langjährigen Mittel von Null. Auch der Pessimismus hinsichtlich des Einkommens schwinde weiter.

Die GfK hatte für die Studie im Auftrag der EU-Kommission 2000 Menschen in Deutschland im Zeitraum zwischen 3. und 15. Juni befragt. Die Untersuchung bezieht sich auf den gesamten privaten Konsum. Die Deutschen tätigen etwa 30 Prozent ihrer Konsumausgaben im Einzelhandel, der Rest wird in Miete, Reisen, Freizeit oder Dienstleistungen gesteckt.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Die deutsche Taxibranche am Abgrund, Uber wird sich freuen

Die Lage in der Taxibranche spitzt sich nach Verbandsangaben wegen des Teil-Lockdowns in der Corona-Krise dramatisch zu. Das dürfte vor...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Schließungen sollen bis 10. Januar verlängert werden

Bund und Länder planen mit Gastronomie und Hotel-Schließung bis 10. Januar. Indes hat Sachsens Ministerpräsident Kretschmer auf eigene...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Euro steigt erstmals seit April 2018 wieder über 1,21 Dollar

Der Eurokurs kletterte am Mittwochnachmittag vorübergehend bis auf 1,2108 Dollar. Hintergrund ist der noch schwächere Dollar.

DWN
Deutschland
Deutschland Virus-Ticker: Sachsen will Corona-Schließungen bis Januar beibehalten

Angesichts der sehr hohen Zahl an Neuinfektionen in Sachsen fährt Sachsen jetzt einen harten Kurs. Gastronomie und Hotels sollen bis in...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft In geheimer Mission: Venezuelas „schwarze Tankerflotte“ beliefert China mit Öl

Venezuela exportiert trotz der US-Sanktionen Öl nach China. Dabei nutzt das Land eine „schwarze Tankerflotte“, die ihre Identität...

DWN
Politik
Politik Österreich öffnet Friseure, aber Skifahren nur für Einheimische

Österreich wird den dreiwöchigen Lockdown ab Montag schrittweise wieder lockern. Zwar wird zu Weihnachten auch das Skifahren wieder...

DWN
Deutschland
Deutschland Betriebsrat bricht Gespräche mit Continental ab: "Rendite wichtiger als zehntausende Stellen"

Die IG Metall hat die Gespräche mit Continental über massenweise Stellenstreichungen abgebrochen. Der Autozulieferer habe in den seit...

DWN
Politik
Politik 25 nackte Männer: Belgische Polizei löst Orgie auf, Diplomaten und ein EU-Abgeordneter anwesend

Die belgische Polizei hat in Brüssel eine „Corona-Orgie“ mit 25 nackten Männern aufgelöst. Besonders pikant: Unter dem Partyvolk...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldpolitik der EZB zwingt Lebensversicherer, den Garantiezins deutlich zu senken

Verbraucher, die in Zukunft eine Lebensversicherung abschließen wollen, werden einen deutlich geringeren Garantiezins erhalten. Denn die...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB: Bargeldloses Bezahlen weiter auf dem Vormarsch

Laut einer Erhebung der EZB hat das bargeldlose Bezahlen seit Beginn der Corona-Krise weiter zugelegt - auch bei kleineren Beträgen.

DWN
Politik
Politik Großbritannien erteilt Zulassung für Corona-Impfstoff von Biontech

Bereits in der kommenden Woche sollen in Großbritannien die Impfungen beginnen. Das Impfkomitee entscheidet, welche Menschen zuerst...

DWN
Politik
Politik Putin kündigt Massenimpfung ab kommender Woche an

dRusslands Präsident Putin hat angekündigt, dass in der kommenden Woche mit einer Massenimpfung der Bevölkerung begonnen werden soll....

DWN
Politik
Politik Trumps Truppenabzug aus dem Nahen Osten sorgt für Unbehagen

Donald Trumps Plan, die Stärke der US-Truppen in Afghanistan und im Irak bis zum 15. Januar 2021 auf jeweils 2.500 Mann zu reduzieren,...