Finanzen

Bauern rechnen mit Importschwemme an billigem US-Rindfleisch

Deutsche Bauern warnen vor einer Importschwemme an billigem US-Rindfleisch. Sollen die Bürger künftig auch für US-Billigfleisch eine Tierwohlabgabe - also eine Fleischsteuer - zahlen?
10.07.2020 11:26
Aktualisiert: 10.07.2020 11:26
Lesezeit: 3 min
Bauern rechnen mit Importschwemme an billigem US-Rindfleisch
US-amerikanisches Rindfleisch darf weitgehend zollfrei nach Europa exportiert werden. (Foto: dpa) Foto: Joe Marquette

Das sogenannte Rindfleisch-Abkommen der EU mit den USA hatte im vergangenen Jahr Kritik hervorgerufen. Bauernpräsident Joachim Rukwied gehörte zu den Skeptikern: „Ob Mercosur oder das Abkommen mit den USA - die EU macht zunehmend Zugeständnisse zu Lasten der europäischen Landwirte“, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Und weiter: „Das sehen wir mit großer Sorge. Den europäischen Markt für den transatlantischen Import von landwirtschaftlichen Gütern zu öffnen, ist auch vor dem Hintergrund der Klimadiskussion nicht zu rechtfertigen."

Rindfleisch-Produzenten aus den USA haben nun einen besseren Zugang zum Markt der Europäischen Union. Die EU-Kommission hatte bereits Mitte Juni 2019 angekündigt, dass künftig Teile des globalen Einfuhrkontingentes von jährlich 45.000 Tonnen fest für US-Anbieter reserviert werden sollen. Innerhalb von sieben Jahren soll der US-Lieferanteil nun auf 35.000 Tonnen pro Jahr steigen. Nur noch 10.000 Tonnen würden dann aus anderen wichtigen Lieferländern wie Argentinien und Uruguay kommen. Das Fleisch soll hormonfrei sein.

„Amerikanische Viehzüchter produzieren das beste Rindfleisch der Welt. Dank der Führung von Präsident Trump stellt dieses neue Abkommen sicher, dass amerikanische Viehzüchter mehr von diesem Rindfleisch nach Europa verkaufen können“, so der US-Handelsvertreter Robert Lighthizer.

Nach dem derzeitigen Abkommen betragen die zollfreien Rindfleischexporte der USA in die EU nur etwa 13.000 Tonnen pro Jahr im Wert von etwa 150 Millionen US-Dollar und riskieren künftige Rückgänge.

Die dpa schreibt: „Experten zufolge ist das amerikanische Rindfleisch in Bezug auf Qualität und Preis sehr konkurrenzfähig, weshalb eine Ausschöpfung der zollfreien Exportquote als wahrscheinlich erscheint. Aber was steckt eigentlich hinter der Kontingentregelung? Was viele nicht wissen: Sie ist alles andere als neu. Die Kontingente sind ein Kompromiss nach einem langjährigen Streit der EU mit den USA und Kanada über die Verwendung bestimmter wachstumsfördernder Hormone in der Rindfleischerzeugung. Die EU hatte in den 80er Jahren aus Sorge um die Gesundheit ihrer Bürger erstmals Fleischimporte von Rindern verboten, die mit diesen Hormonen versorgt wurden. 1996 wandten sich die USA und Kanada deswegen an die Welthandelsorganisation (WTO), die ihnen in einem Streitbeilegungsverfahren die Erlaubnis erteilte, im Gegenzug EU-Produkte mit Strafzöllen zu belegen. Der Wert der betroffenen Produkte betrug jährlich 116,8 Millionen US-Dollar, beziehungsweise 11,3 Millionen kanadische Dollar. Um den Handelskonflikt beizulegen, wurde Ende des vergangenen Jahrzehnts vereinbart, dass ein bestimmtes Kontingent hormonfreies Rindfleisch zollfrei in die EU exportiert werden kann. Gemäß der aktuellen Vereinbarung geht es um 45.000 Tonnen. Wer außerhalb der Kontingente Rindfleisch in die EU importieren will, muss hohe Einfuhrzölle von teilweise 20 Prozent zahlen. Die wichtigsten externen Rindfleischlieferanten für die EU waren 2018 Brasilien, Argentinien, Uruguay und Australien und dann erst die USA.“

Bauern warnen vor US-Billigfleisch

Die Presse sieht den Import von US-Rindfleisch kritisch. „Einem schaden solche Deals jedenfalls: dem Klima. Freilich, das Einfuhrkontingent bleibt gleich hoch und man könnte sich darüber freuen, dass mehr Fleisch von den Cowboys kommt und weniger von den Gauchos. Schließlich werden in Südamerika für die Rinderhaltung Regenwälder abgeholzt. Man kann sich aber auch fragen, wieso überhaupt so viel Rindfleisch nach Europa eingeführt werden muss. Gibt es nicht auch hier Bauern? Sollte man den Fleischkonsum nicht lieber einschränken als fördern? Sind Rinder doch besonders klimaschädlich, weil sie viel Futter brauchen und viel Methan ausstoßen“, so das Blatt.

Josef Bodmaier, Kreisobmann des Bauernverbandes, sagte im Gespräch mit OVB Online, dass eine Importschwemme an billigem US-Rindfleisch zulasten der Regionalität zu erwarten ist. „Das Rindfleisch-Abkommen sei eine reinweg politische Entscheidung, damit die Industrie brummt, sagt er. Sozusagen habe die EU Fleisch gegen Autos (auf welche US-Präsident Donald Trump droht, Zölle von 25 Prozent zu erheben) aufgewogen, die Leidtragenden seien mal wieder die Bauern. ,Es ist ein fauler Kompromiss, denn das Billigfleisch ist sozusagen auch faul‘, urteilt er“, so OVB Online. „Ich war in Südamerika – und in den USA ist es genauso – und habe eingezäunte Areale gesehen so groß wie mehrere Fußballfelder. Mit 300 bis 500 Mastrindern. Es handelt sich hier um Massentierhaltung und Massenproduktion“, so Bodmaier.

Der Geschäftsführer von Simseer Weidefleisch (Bio), Rudolf Finsterwalder, meinte nach Unterzeichnung des Rindfleisch-Abkommens zwischen der EU und den USA, dass er die Erhöhung von US-Rindfleischimporten für verrückt hält. Auch er argumentiert, dass es sich dabei um US-Billigfleisch handelt.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner setzt sich seit geraumer Zeit für die Einführung einer Tierwohlabgabe, also einer Fleischsteuer ein. Allerdings hat sie selbst zugegeben, dass es Schwierigkeiten bei der Behandlung von Fleischimporten geben könnte. „Wir sind in einem Binnenmarkt. Und wenn wir jetzt nur das einheimische Fleisch belegen würden, dann würde nach dem anderen gegriffen werden, weil es billiger ist“, zitiert die Oldenburger Zeitung Klöckner.

Eine Einigung auf europäischer Ebene könnte unter Umständen erzielt werden, wobei Fleischbetriebe im europäischen Ausland sich quer stellen würden. Problematischer wird es bei der Behandlung des US-Rindfleisches.

Soll auch eine Tierwohlabgabe für US-amerikanisches Rindfleisch gezahlt werden? Wenn dies der Fall sein sollte, muss festgelegt werden, wer die Rinderhaltung in den USA kontrollieren soll. Sollte jedoch für das US-amerikanische Rindfleisch keine Tierwohlabgabe anfallen, hätte das US-Rindfleisch im Vergleich zu deutschem Rindfleisch einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil. Dann würde das US-Rindfleisch den deutschen und europäischen Markt bis zum Ende der Kontingentgrenze zu erschwinglichen Preisen fluten – zum Nachteil der deutschen und europäischen Landwirte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Methanemissionen: Energiepreise – EU-Kommission will Klimaregeln verschieben
18.10.2026

In Brüssel werden Mittel gegen die ausufernden Energiepreise gesucht. Einen Weg sieht die Kommission darin, bestimmte Klimaregeln später...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbungsverfahren: Künstliche Intelligenz verändert die Auswahlkriterien
18.10.2026

Bewerber verfassen Bewerbungsunterlagen mit KI, Betriebe lassen die Maschine zumindest einen Teil der Vorauswahl machen. Das ändert die...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Der größte Fehler passiert lange vor dem ersten Aktienkauf
18.10.2026

Welche Aktie soll ich kaufen? Für viele Börsenanfänger ist das die wichtigste Frage überhaupt. Dabei entscheidet sich oft schon viel...

DWN
Technologie
Technologie Musks Flugauto: Tesla zeigt Sportwagen mit Raketendüsen
18.10.2026

Seit Jahren stellte Elon Musk ein Raketen-Auto in Aussicht - und der nun gezeigte Tesla Roadster kann dank Kaltgas-Düsen ein wenig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zeekr greift BMW und Mercedes an: Ex-BMW-Manager rechnet mit Europas Autobauern ab
18.10.2026

In chinesischen Autofabriken verschwinden die Menschen, Roboter übernehmen ihre Arbeit. Während BMW, Mercedes und Audi unter Kostendruck...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entsorgungswirtschaft warnt: mehr Brände durch Batterien
18.10.2026

Immer mehr Alltagsgegenstände enthalten fest verbaute Batterien, die nicht jeder überhaupt erkennt. Im Müllauto oder der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bald treffen die Giganten aufeinander: Die Wette auf Indien könnte lukrativer sein als die auf China
18.10.2026

Wenn nur zehn Prozent der Inder, die heute kein Auto besitzen, in den kommenden Jahrzehnten Eigentümer eines Neuwagens würden, sprächen...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung in Berlin: Das planen Linke, Grüne und SPD für die Hauptstadt
17.10.2026

"Mehr gemeinsam, mehr Berlin": Das Sondierungspapier von Linke, Grünen und SPD umfasst inklusive Anlagen etwa 30 Seiten. So wollen die...