Deutschland

Streit bei Daimler über Stellenabbau verschärft sich

Bei Daimler verschärft sich der Disput zwischen dem Gesamtbetriebsrat des Unternehmens und dem Personalvorstand.
13.07.2020 13:22
Lesezeit: 1 min

In der Corona-Krise schaukelt sich der Streit bei Daimler über Einsparungen am Personal hoch. "Der Ton in den Gesprächen wird rauer und stellt die Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung auf eine Bewährungsprobe", erklärte der Gesamtbetriebsrat des Unternehmens am Montag. In der Vergangenheit sei es gemeinsam gelungen, Krisen zu bewältigen. "Wir haben nicht vor, dass es dieses Mal anders sein wird." Dem Betriebsrat sei der Ernst der Lage bewusst. Personalvorstand Wilfried Porth hatte am Wochenende erstmals bestätigt, dass mehr als 15.000 der insgesamt rund 300.000 Arbeitsplätze abgebaut werden müssten, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Das Management wolle "erheblich" mehr als die Ende 2019 angekündigten 1,4 Milliarden Euro Personalkosten einsparen, wenn auch nicht doppelt so viel, sagte er der "Stuttgarter Zeitung".

Porth warf dem Betriebsrat vor, Sparbeiträge abzublocken. "Um unser gemeinsames Ziel der Vermeidung von betriebsbedingten Kündigungen weiterhin verfolgen zu können, brauchen wir deutlich mehr Entgegenkommen des Betriebsrats", sagte Porth. Andernfalls könne es zu Kündigungen kommen, auch wenn diese in einer Vereinbarung bis Ende 2029 ausgeschlossen sind. Daimler erklärte dazu am Montag, die im Herbst 2017 geschlossene Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung bis 2030 schließe betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Denn darin sei geregelt, dass sich die Parteien erneut zusammensetzen müssten, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern. "Unser Ziel bleibt, dass wir betriebsbedingte Kündigungen vermeiden", bekräftigte das Unternehmen. Porth forderte im Interview mit der Zeitung eine Arbeitszeitverkürzung mit entsprechender Absenkung der Löhne. Auch Pausen, Schichtzulagen, Weihnachts- oder Urlaubsgeld stehen demnach zur Disposition. Die IT mit rund 2000 Mitarbeitern solle an einen Dienstleister ausgelagert werden. Nicht nur in der Verwaltung, auch in der Produktion sollten Mitarbeiter gegen Abfindung gehen.

Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht lehnte im Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" (Montagausgabe) Gehaltseinbußen wie Kürzungen des Weihnachtsgelds ab. Die Strukturen des Konzerns müssten für die Umstellung von Verbrennungsmotoren auf Elektroantriebe ohnehin verändert werden. "Wenn man Strukturen ändern will, weil man zu viele Leute im System hat, hilft es doch nichts, wenn man das Weihnachtsgeld kürzt." Durch den Nachfrageeinbruch in der Corona-Krise werde es "über viele Jahre hinweg" eine Unterauslastung der Werke geben. Trotzdem sollten Arbeitskräfte nicht entlassen werden, weil sie sonst beim nächsten Aufschwung fehlten. Als eine Möglichkeit verwies Brecht auf eine Arbeitszeitverkürzung, wie sie schon in der Wirtschaftskrise 2008/2009 vereinbart worden sei. Doch muss es aus Sicht des Betriebsrats einen teilweisen Lohnausgleich für eine auf ein Jahr befristete Reduktion der Arbeitszeit geben. Bis Ende des Jahres wolle das Unternehmen Doppelstrukturen ausfindig machen, die abgebaut werden könnten, erklärte Brecht. (Reporter: Ilona Wissenbach, Edward Taylor; redigiert von Olaf Brenner

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt wegen schwacher Chip-Aktien nach
13.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street heute bewegt haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland erzielt mit Europas Energiekäufen Einnahmen von rund 322 Milliarden Euro
13.10.2026

Europa will seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. Doch trotz Sanktionen fließt weiterhin eine große Menge Kapital nach Moskau....

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Hat Trump den größten Fehler der USA begangen?
13.10.2026

Donald Trump wollte Iran in die Knie zwingen. Stattdessen gerät die amerikanische Supermacht selbst unter Druck. Der Krieg verschlingt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Präsentismus: Wenn Mitarbeiter trotz Krankheit arbeiten 
13.10.2026

Mit Halskratzen aufgewacht und dennoch zur Arbeit gegangen, „weil es ja nicht so schlimm ist“. Viele Beschäftigte neigen dazu, trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nel ASA-Aktie hebt ab: Kooperation mit Rheinmetall bei E-Fuels treibt Pennystock nach oben
13.10.2026

Nel ASA und Rheinmetall wollen bei dezentraler Produktion synthetischer Kraftstoffe zusammenarbeiten. Die norwegische Wasserstoff-Aktie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau in Deutschland: Angebot an Zeitarbeit schrumpft
13.10.2026

Früher war Zeitarbeit ein boomendes Geschäft: 2017 arbeiteten noch mehr als eine Million Deutsche als Zeitarbeiter. Heute kämpft...