Politik

Tausende Bulgaren fordern Rücktritt der Regierung

In Bulgarien haben Tausende Demonstranten am fünften Abend in Folge den Rücktritt der konservativ-nationalistischen Regierung von Ministerpräsident Boiko Borissow gefordert. Die Demonstranten werden vom oppositionellen Sozialisten (Ex-KP) und vom Russland-freundlichen Präsidenten Radew unterstützt.
14.07.2020 09:50
Lesezeit: 1 min
Tausende Bulgaren fordern Rücktritt der Regierung
13.07.2020, Bulgarien, Sofia: Demonstranten nehmen an einem Protest gegen die Regierung teil und schwenken bulgarische Flaggen. (Foto: dpa) Foto: Valentina Petrova

In Bulgarien haben Tausende Demonstranten am fünften Abend in Folge den Rücktritt der konservativ-nationalistischen Regierung von Ministerpräsident Boiko Borissow gefordert. Auf einer Großkundgebung im Zentrum der Hauptstadt Sofia verlangten sie am Montagabend auch den Rücktritt des Generalstaatsanwalts wegen Durchsuchungen in Arbeitsräumen von zwei Beratern von Staatschef Rumen Radew. Die Demonstranten zogen auch durch die Innenstadt von Sofia, um am Innenministerium gegen angebliche Polizeigewalt gegenüber einem Protestteilnehmer zu protestieren. Das Innenministerium prüft den Fall. Die Demonstranten forderten auch den Rücktritt von Innenminister Mladen Marinow.

Die Proteste hatten am Donnerstagabend begonnen. Die Demonstranten werfen der seit Mai 2017 amtierenden Koalitionsregierung „Korruption und mafiöse Handlungsweise“ vor. Sie werden von den oppositionellen Sozialisten (Ex-KP) und vom Russland-freundlichen Präsidenten Radew unterstützt. Radew war am Donnerstagabend selbst als Redner aufgetreten. Dabei hatte er dazu aufgerufen, die „Mafia“ aus der Regierung und der Staatsanwaltschaft zu vertreiben.

Regierungschef Borissow (GERB) hatte bereits am Wochenende erklärt, sein Kabinett werde aus Verantwortung nicht zurücktreten. Der prominente GERB-Parlamentarier Toma Bikow schloss allerdings am Montag im Staatsfernsehen eine vorgezogene Parlamentswahl nicht aus.

Die reguläre Parlamentswahl wäre im März 2021. Eine mögliche Neuwahl könnte Beobachtern zufolge erst im Spätherbst stattfinden, da nach der Verfassung zuvor Staatspräsident Radew eine Interimsregierung einsetzen muss.

Neue Proteste gab es am Montagabend auch in den Schwarzmeerstädten Warna und Burgas sowie in Plowdiw im Süden. Der bulgarische Ärzteverband zeigte sich besorgt, weil bei den Protesten der vergangenen Tage die empfohlenen Corona-Schutzmaßnahmen nicht eingehalten oder unterschätzt worden seien. Dies dürfte unvermeidlich zu einem Anstieg der Infektionszahl und einer Überbelastung des Gesundheitssystem führen, warnte der Verband. In Bulgarien steigen die Corona-Fallzahlen seit Mitte Juni schnell weiter.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Top-Ökonom warnt: Wie die US-Außenpolitik Europas Wirtschaft belastet
07.02.2026

Die Europäische Union steht unter geopolitischem Druck, während wirtschaftliche Unsicherheit und geldpolitische Erwartungen neu justiert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldanlage: Diese US-Aktien sollten Sie jetzt besitzen
07.02.2026

Ein wichtiger Sektor der US-Wirtschaft sorgt derzeit für überraschend starke Ergebnisse – trotz geopolitischer Risiken und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Datenhunger der Finanzämter: Wann Unternehmen E-Mails herausgeben müssen – und wann nicht
07.02.2026

Der Bundesfinanzhof hat Unternehmen im Streit um steuerrelevante E-Mails den Rücken gestärkt. Zwar bleibt die Pflicht zur Vorlage...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kove 800 X Pro: Chinesische Hersteller im europäischen Enduro-Markt
07.02.2026

Das Enduro-Segment gilt als besonders anspruchsvoll und stellt hohe Anforderungen an Technik, Qualität und Fahrverhalten. Kann ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft LNG: Warum Europas neue Gasabhängigkeit brandgefährlich ist
07.02.2026

Europas Gaspreise steigen, während politische Spannungen mit den USA zunehmen. LNG aus Amerika gilt als Rettungsanker, entpuppt sich aber...

DWN
Finanzen
Finanzen Begrenzung für Kreditkartenzinsen: Airlines und Investoren warnen vor Trumps Plan
07.02.2026

US-Präsident Donald Trump will Kreditkartenzinsen in den USA auf 10 Prozent begrenzen. Was als Verbraucherschutz verkauft wird, könnte...

DWN
Politik
Politik Ganz nah an Russland können Kinder nach der Schule zum Drohnentraining gehen
07.02.2026

In Litauen wächst der Druck, sich auf neue Bedrohungen einzustellen, und selbst Schulen geraten dabei in den Fokus. Was bedeutet es, wenn...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Dow Jones durchbricht die Marke von 50.000 Punkten
06.02.2026

Die US-Aktienmärkte erholten sich am Freitag nach einem einwöchigen Rückgang im Technologiesektor, da die Zurückhaltung der Investoren...