Politik

Tausende Flüchtlinge klagen gegen Corona-Abschieberegelung

Tausende Flüchtlinge und Asylbewerber klagen gegen eine deutsche Abschiebe-Sonderregelung in der Corona-Krise.
28.07.2020 20:23
Lesezeit: 1 min
Tausende Flüchtlinge klagen gegen Corona-Abschieberegelung
Ein Schild mit der Aufschrift "Asyl ist Menschenrecht" steht am 05.12.2014 auf dem Landesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen in Dresden (Sachsen). (Foto: dpa) Foto: Oliver Killig

Die dpa meldete:

"Tausende Flüchtlinge klagen gegen eine deutsche Abschiebe-Sonderregelung in der Corona-Krise. Das geht aus einer Auskunft des Bundesinnenministeriums an die Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Nach den Dublin-Regeln ist normalerweise jenes Land für Asylanträge zuständig, auf dessen Boden Schutzsuchende zuerst den Boden der Europäischen Union betreten haben. Auch Norwegen, Island, die Schweiz und Liechtenstein sind Teil des Systems. Wenn diese Menschen in andere europäische Staaten wie Deutschland weiterziehen, können diese sie in der Regel binnen sechs Monaten dorthin zurückschicken - danach werden sie selbst für deren Asylantrag zuständig.

In der Corona-Krise hat Deutschland diese sogenannten Dublin-Überstellungen im März ausgesetzt und erst Mitte Juni wieder aufgenommen. Währenddessen hat das Bundesinnenministerium auch die Sechs-Monats-Frist für vorübergehend außer Kraft erklärt, um die Menschen später überstellen zu können.

Bis zum 1. Juni informierte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) laut Ministerium rund 21 700 Asylbewerber über die Aussetzung der Frist. Andernfalls wäre in rund 2600 Fällen die Zuständigkeit für das Asylverfahren an Deutschland übergegangen. 9300 Klagen gegen den Bescheid des Bamf waren Anfang Juni noch anhängig.

Damit weicht Deutschland von der Rechtsauslegung der EU-Kommission ab, die im April deutlich gemacht hatte, dass die Frist von sechs Monaten, nach denen ein Zielland für einen Asylantrag zuständig wird, weiter gelte.

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Luise Amtsberg, kritisierte das Vorgehen des Innenministeriums scharf. Damit zeige sich Deutschland höchst unsolidarisch und torpediere die vertrauensvolle Zusammenarbeit in der EU. Über die Betroffenen sagte sie: «Diese Menschen müssen jetzt gerichtlich gegen ihre Überstellungen vorgehen - ein bürokratischer Irrsinn.» Insbesondere in das von der Corona-Pandemie stark betroffene Italien dürften keine Asylbewerber überstellt werden."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie Slowakei: Der Autoriese ohne eigene Automarke
26.09.2026

Kein anderes Land produziert gemessen an seiner Einwohnerzahl so viele Autos wie die Slowakei. Volkswagen, Kia, Porsche und Land Rover...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreichs Wirtschaft: Fünf Warnsignale vor der Präsidentenwahl
26.09.2026

Frankreichs Wirtschaft kommt kaum noch vom Fleck, während der Schuldenberg weiter wächst und Anleger höhere Zinsen verlangen....

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis im Aufwärtsmodus: Während KI träumt, verdienen Ölkonzerne Milliarden
26.09.2026

Der Ölpreis steigt rasant und stellt die Weltwirtschaft vor unbequeme Fragen. Teure Energie kann Inflation anheizen, Wachstum bremsen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmenskultur: Was Firmen von Netflix wirklich lernen können
26.09.2026

Netflix gilt vielen Unternehmen als Vorbild für Freiheit, Verantwortung und weniger Bürokratie. Doch wer erfolgreiche Managementmodelle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
26.09.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo überrascht mit neuem Chef aus Deutschland: Eine große Chance für Volvo
26.09.2026

Der Verwaltungsrat von Volvo Cars überrascht erneut mit der Wahl eines Vorstandschefs, diesmal aber mit einem unerwartet starken Namen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kampf ums Wasser: Die wasserhungrigen Industrien
26.09.2026

Sechs Zentimeter am Rheinpegel Kaub, Lieferprobleme bei BASF, schwächelnde Wasserkraftwerke: Der Dürresommer 2026 macht endgültig klar,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.