Politik

Maas und Lawrow weisen US-Druck gegen Nord Stream 2 zurück

Lesezeit: 2 min
11.08.2020 17:27  Aktualisiert: 11.08.2020 17:27
Trotz zahlreicher Streitthemen waren sich Bundesaußenminister Maas und sein russischer Amtskollege Lawrow bei ihrem Treffen in Moskau einig im Hinblick auf Nord Stream 2. Sie verbaten sich den US-Druck gegen den Bau der Gaspipeline durch die Ostsee.
Maas und Lawrow weisen US-Druck gegen Nord Stream 2 zurück
Sergej Lawrow, Außenminister von Russland, und Heiko Maas, Außenminister von Deutschland, nach einer Pressekonferenz am Dienstag. (Foto: dpa)
Foto: -

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Bundesaußenminister Heiko Maas hat in Russland Aufklärung im sogenannten Tiergarten-Mordfall sowie über Cyberattacken auf deutsche Stellen gefordert. Man werde im Fall des im Tiergarten ermordeten Georgiers über Sanktionen entscheiden, wenn ein Urteil in dem Prozess gefällt worden sei.

Wenn der Generalbundesanwalt feststelle, dass der Mord im Auftrag eines anderen Staates geschehen sei, sei dies sehr ernst. Der Generalbundesanwalt wirft staatlichen russischen Stellen vor, den Mord an dem Georgier Tornike K. angeordnet zu haben, sagte Maas nach einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow am Dienstag in Moskau.

Lawrow sprach dagegen von "gegenstandslosen" Vorwürfen gegen Russland und erhob seinerseits schwere Vorwürfe wegen angeblicher Cyberattacken aus dem deutschen Netz.

Maas sprach mit Lawrow sowohl über außenpolitische Themen wie Libyen sowie die Lage in Belarus und der Ostukraine als auch über bilaterale Fragen. Vor seiner Abreise hatte er betont, dass man trotz einiger Streitthemen im Dialog bleiben müsse.

Lawrow und Maas weisen US-Druck gegen Nord Stream 2 zurück

Sowohl Lawrow als auch Maas verbaten sich US-Druck gegen den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee. "Kein Staat hat das Recht, der EU ihre Energiepolitik zu diktieren. Und das wird auch nicht gelingen", sagte Maas. "Sanktionen zwischen Partnern (sind) definitiv der falsche Weg", fügte er mit Blick auf US-Drohungen gegen die Pipeline hinzu, die russisches Gas nach Westeuropa liefern soll. Er habe dies auch US-Außenminister Mike Pompeo erklärt.

Deutschland werde in der derzeitigen EU-Ratspräsidentschaft das Thema europäischer Souveränität forcieren, kündigte Maas an. Europa habe Werte und Interessen. "Wenn gegen diese Interessen verstoßen wird, dann werden wir dies ... Richtung Westen zur Sprache bringen." Allerdings werde man auch "nach Osten" zur Sprache bringen, wenn von dort etwa mit dem Mord im Tiergarten oder Cyberangriffen deutsche oder europäische Interessen verletzt würden, fügte Maas in Anspielung auf Vorwürfe an die russische Regierung hinzu.

Lawrow warf den USA vor, überall auf der Welt ihre Position durchsetzen zu wollen. Das Projekt Nord Stream 2 müsse aber abgeschlossen werden. "Und soweit ich das verstehe, gibt es allen Grund dafür, davon auszugehen, dass dies auch in nächster Zeit passieren wird", sagte er. Die USA versuchen mit Sanktions-Drohungen gegen die am Projekt beteiligten Firmen eine Fertigstellung der Pipeline noch zu verhindern.

Während der SPD-Politiker betonte, dass sich die EU und Deutschland auch gegen Cyberattacken aus Russland wehren würden, erhob Lawrow seinerseits Vorwürfe. So hätten russische Stellen von Anfang 2019 bis Ende Mai dieses Jahres 75 Angriffe aus dem deutschen Netz registriert. Man habe dies deutschen Stellen gemeldet, aber nur zu sieben eine Antwort erhalten. Maas sagte, man werde die Meldungen überprüfen, wenn man sie für stichhaltig halte.

Differenzen zwischen beiden Ländern wurden auch in der Ukraine-Politik deutlich. Lawrow gab vor allem der ukrainischen Regierung die Schuld für die Verletzung der Waffenruhe an der Demarkationslinie zu den von prorussischen Rebellen kontrollierten Gebieten in der Ostukraine. Maas machte dagegen beide Seiten dafür verantwortlich.

Trotz erheblicher Meinungsunterschiede plädierte Mass für einen Dialog mit Russland. "Nur unter Einbindung Moskaus bei wichtigen internationalen Themen werden wir Ergebnisse erzielen, die auch Bestand haben", sagte er. "Das betrifft die Lage in der Ostukraine, in Libyen und in Syrien gleichermaßen." Maas war erstmals seit Beginn der Corona-Krise nach Russland gereist. Er reiste am Nachmittag auch nach Sankt Petersburg. Dort unterstützt Deutschland ein Veteranen-Krankenhaus in Erinnerung an die Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht.


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Deutschland
Deutschland Grüne nominieren Baerbock als Kanzlerkandidatin - oberstes Ziel ist die „Klima-Neutralität“

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock soll ihre Partei als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl führen. Baerbock wird dem Ziel, die...

DWN
Technologie
Technologie Frankreichs Militär testet Roboter im Häuserkampf

Das französische Militär hat getestet, wie sich eine Reihe von Robotern im Häuserkampf bewähren. Ein Soldat berichtet, dass eine...

DWN
Politik
Politik WHO kritisiert Corona-Impfzwang bei internationalen Reisen

Das Notfallkomitee der Weltgesundheitsorganisation spricht sich gegen verpflichtende Corona-Impfnachweise bei internationalen Reisen aus....

DWN
Finanzen
Finanzen Darum sollten Sie Ihren Nachlass rechtzeitig regeln

Niemand denkt gerne an den eigenen Tod. Und doch ereilt er uns irgendwann alle. Vor allem, wenn man selbst Kinder hat, sollte man früh...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Industrie schwimmt in Aufträgen - "Reichweitenrekord"

Der Auftragsbestand der deutschen Industrie ist den neunten Monat in Folge gewachsen. In der Folge ist die sogenannte "Reichweite" auf...

DWN
Deutschland
Deutschland Mittelstand verzichtet wegen Corona auf Weiterbildung der Mitarbeiter

Vielen mittelständischen Firmen fehlt es in der Krise an Geld und Zeit für die Weiterbildung der Beschäftigten. Die Förderbank KfW...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ABN Amro zahlt halbe Milliarde Euro für Geldwäsche-Verstöße

Die niederländische Bank ABN Amro muss wegen Geldwäsche-Verstößen knapp eine halbe Milliarde Euro bezahlen. Der Skandal hat die gesamte...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Zentralbanken: Aufbruch in neue monetäre Welten

Im Windschatten der Coronakrise betritt die EZB monetäres Neuland. Rettungspakete von tausenden Milliarden Euro werden schon bald nichts...