Deutschland

Neue Studie: "Fatale Ergebnisse" für Corona-Hilfen - Geld kommt gar nicht bei Firmen an

Nur etwa jedes hundertste Unternehmen hat Corona-Kredite beantragt. 90 Prozent der Firmen sind von den Schnellkrediten ausgeschlossen, die eigentlich unbürokratisch an den Mittelstand verteilt werden sollten, so eine neue Studie.
23.08.2020 13:37
Aktualisiert: 23.08.2020 13:37
Lesezeit: 1 min
Neue Studie: "Fatale Ergebnisse" für Corona-Hilfen - Geld kommt gar nicht bei Firmen an
Vielen Firmen droht die Zahlungsunfähigkeit (Foto: dpa). Foto: S

Die Hilfe kommt nicht dort an, wo sie benötigt wird. Nur etwa jeder hundertste Unternehmer in Deutschland hat Corona-Kredite beantragt. Darüber hinaus sind fast neun von zehn Firmen von den Schnellkrediten, die besonders unbürokratisch an den Mittelstand verteilt werden sollten, komplett ausgeschlossen. Das sind die Resultate einer Analyse von Barkow Consulting und FinCompare, einer Plattform für KMU-Finanzierung. „Fatale Ergebnisse“, findet das Finanzportal „Cash-online.de“.

Es gibt in Deutschland rund 7,5 Millionen Unternehmer, von denen 3,5 Millionen kleine und mittlere Firmen (KMU) betreiben und rund vier Millionen Einpersonengesellschaften sind. Diese KMU und Einzelselbständige sind von der Corona-Pandemie am stärksten betroffen. Die Bundesregierung hat mit den Krediten der Corona-Hilfe, die über die bundeseigene Förderbank KfW ausgegeben werden, große Hilfsprogramme aufgelegt.

Insbesondere diese Darlehen sind für die Liquiditätssicherung von entscheidender Bedeutung. Allerdings hat bisher nur ein knappes Prozent der Firmen einen Antrag auf Kredite der Corona-Hilfen gestellt.

„Die bürokratischen Hürden sind eine Katastrophe, sie sind der Grund, warum nur ein Prozent der Unternehmer die Corona-Kredite beantragt haben. Wir merken täglich in Gesprächen mit Unternehmern, dass der Bedarf an Fördermitteln massiv vorhanden ist, die Politik aber nicht gelernt hat, dem Mittelstand die richtigen Hilfen bereitzustellen“, sagte Stephan Heller, Gründer und Geschäftsführer von FinCompare.

Anfang April hat die Bundesregierung das Corona-Kreditprogramm um ein weiteres Instrument ergänzt: Den KfW-Schnellkredit. Hier übernimmt die KfW das vollständige Ausfallrisiko und die Hausbank führt nur eine vereinfachte Prüfung durch. Begründet wurde die Einführung der Schnellkredite mit der Notwendigkeit, dem Mittelstand zu schneller Liquidität zu verhelfen.

„Das uneingeschränkt sinnvolle Ziel, 99,5 Prozent der deutschen Unternehmer des Mittelstandes schnell und unbürokratisch zu unterstützen, läuft in der Praxis allerdings fast vollständig ins Leere“, so Peter Barkow von Barkow Consulting. „Dies lässt sich auf eine Begrenzung des Corona-Schnellkredits auf Unternehmen und Selbstständige mit mehr als zehn Arbeitnehmern zurückführen, denn knapp 90 Prozent der deutschen Unternehmen und Selbständigen erfüllen dieses Kriterium eben gerade nicht. Sie sind damit faktisch von dem Kreditprogramm ausgeschlossen, das genau für sie bestimmt sein sollte.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO könnte zum Wendepunkt für Weltraum-Aktien werden
07.06.2026

Die Vorfreude auf den Börsengang von SpaceX treibt Weltraum-Aktien auf immer neue Höhen. Doch gerade die größten Euphoriephasen an den...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögen schützen: Interessenskonflikte im Asset Management erkennen
07.06.2026

Vermögensverwalter betonen gerne ihre Unabhängigkeit und die Ausrichtung am Kundenwohl. Doch hinter den Kulissen wirken häufig Anreize,...

DWN
Immobilien
Immobilien Wende am Immobilienmarkt: Hier lohnt sich Wohneigentum wieder
07.06.2026

Der deutsche Immobilienmarkt kommt in Bewegung. Gerade Eigentumswohnungen werden wieder interessanter, allerdings bleiben die regionalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was die Chinesen in Europa alles aufkaufen
07.06.2026

Ein halbes Dutzend aufsehenerregender Übernahmen – welche haben am meisten wehgetan?

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Einsatz in Deutschland: KI bleibt in Unternehmen oft im Testlauf stecken
07.06.2026

Der Hype um Künstliche Intelligenz in der deutschen Wirtschaft ist groß. Doch der Schritt vom ersten Testlauf in den täglichen...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Mit ID. Polo und Cupra Raval beginnt die Elektro-Offensive von Volkswagen
07.06.2026

Volkswagen startet mit einer neuen Generation kompakter Elektroautos in einen der wichtigsten Wachstumsmärkte Europas. Die Erwartungen an...

DWN
Finanzen
Finanzen Ende des billigen Geldes: Wie Staaten den Preis des Krieges zahlen
07.06.2026

Der Krieg im Iran ist nicht nur ein Ölpreisschock. Er zeigt, wie verwundbar Staaten geworden sind, wenn Energiepreise, Inflation und hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IEA-Bericht: Das Zeitalter der Elektrizität beginnt mit Rekordinvestitionen
06.06.2026

Die zweite Energiekrise in fünf Jahren verändert den globalen Energiemarkt. Strom, Netze, Batterien und Solarenergie rücken ins Zentrum...