Finanzen

Blackrock: Mastermind hinter der globalen Anti-Corona-Strategie

Im August 2019 stellte Blackrock eine Strategie vor, wie auf eine neue Krise zu reagieren sei. Rund ein Jahr später werden zahlreiche der in der Studie vorgestellten Ideen weltweit verwirklicht.
30.09.2020 08:51
Aktualisiert: 30.09.2020 08:51
Lesezeit: 3 min
Blackrock: Mastermind hinter der globalen Anti-Corona-Strategie
BlackRock-Chef Larry Fink, hier beim Weltwirtschaftsgipfel im schweizerischen Davos: In Sachen Corona und auch sonst hat er mehr zu sagen als so mancher Staatsmann. (Foto: dpa) Foto: Laurent Gillieron

Im August 2019 veröffentlichte das US-Finanzunternehmen Blackrock eine Studie, welche Strategien beinhaltete, wie im Falle einer neuen (Finanz-)Krise reagiert werden solle. Vorgestellt wurden die Ideen damals am alljährlich stattfindenden Notenbanktreffen in Jackson Hole.

Schon der von den Autoren angegebene Grund, der zur Erstellung des „Whitepapers“ mit dem Titel „Mit dem nächsten Abschwung umgehen: Von der unkonventionellen Geldpolitik zu einer präzedenzlosen Kooperation“ geführt hatte, ist bemerkenswert. So heißt es im Vorwort, dass die seit 2008 von den großen Zentralbanken verfolgte expansive Geldpolitik wirkungslos geworden sei – vielmehr müssten im Falle neuer Krisen Zentralbanken und Staaten künftig eng zusammenarbeiten. Die Forderung nach einer stärkeren Verzahnung zwischen Zentralbanken und Staaten beziehungsweise einer Übernahme von mehr Verantwortung durch die Staaten wird seit einigen Monaten vermehrt geäußert. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten berichteten vor einigen Wochen von einem Hedgefonds-Veteranen, der genau darin ein Anzeichen für den Anfang vom Ende des gegenwärtigen Finanzsystems erkennt.

Blackrock bewegt für Fed und EZB die Kurse

Blackrock wurde nach Beginn der Corona-Pandemie sowohl von der US-Notenbank Federal Reserve als auch von der Europäischen Zentralbank sowie weiteren Notenbanken mit der Verwaltung der Krisen-Maßnahmen im Umfang hunderter Milliarden Dollar betraut – und wettet darüber hinaus auch gegen die dem Unternehmen anvertrauten Aktien.

Die von Blackrock in der Studie empfohlene Verzahnung von geldpolitischen und fiskalischen Maßnahmen im Falle einer neuen Krise wurde weitgehend Realität – Beispiele für geldpolitische Elemente, die heute Anwendung finden, sind die massiven Anleihekaufprogramme der Notenbanken oder das unter anderem in den USA und Hongkong an die Bürger verteilte Helikoptergeld. Bei der Aufhebung der Insolvenz-Meldepflicht in Deutschland oder der Kurzarbeit handelt es sich hingegen beispielsweise um fiskalische Maßnahmen, die von den Staaten gefordert wurden.

In der Zusammenfassung der Studie heißt es:

„Präzedenzlose Maßnahmen werden notwendig sein, um auf den nächsten Wirtschaftsabschwung zu reagieren. Die Geldpolitik ist fast erschöpft, weil die Leitzinsen weltweit bereits auf null oder in den negativen Bereich gefallen sind. Die Fiskalpolitik (der Staaten – die Red.) alleine wird sich schwertun, rechtzeitig größere Stimuli aufgrund der hohen Schuldenstände und Verzögerungen bei der Implementierung der Maßnahmen bereitzustellen. (…) Diese Studie zeichnet die Konturen eines Strategierahmens auf, um diese Risiken abzufedern, damit eine präzedenzlose Zusammenarbeit bei den zu treffenden Maßnahmen mithilfe einer geldpolitisch finanzierten Fiskal-Institution erreicht werden kann. Aktiviert, finanziert und geschlossen durch die Zentralbank bei der Verfolgung eines expliziten Inflationsziel würde eine solche Institution bei der Fiskal-Behörde (eines Staates – die Red.) angesiedelt sein.“

Beim Thema Inflation weicht die Realität von den Vorschlägen ab

Auffallend ist, dass die Empfehlungen Blackrocks beim Thema Inflation bislang nur unvollständig umgesetzt wurden. So fordert der Vermögensverwalter die „Bildung eines Inflationsziels, für dessen Erreichung die Zentralbanken und der Staat gemeinsam haften müssen“ sowie eine „klare Exit-Strategie“ aus dem gesamten Krisenprogramm.

Zwar hat die Federal Reserve vor einiger Zeit einen bedeutenden Strategieschwenk hin zu deutlich höheren Inflationszielen vollzogen – ein exakter Wert wurde jedoch nicht definiert und auch eine Mitarbeit staatlicher Behörden zur Erreichung der Ziele ist nicht bekannt – ebenso wie eine Ausstiegsstrategie. In Europa verfolgte die EZB lange Zeit weiterhin das alte Ziel von rund 2 Prozent, ohne dass die EU-Kommission oder die nationalen Regierungen dabei involviert wären - bis zum heutigen Mittwoch, als EZB-Präsidentin Christine Lagarde plötzlich die Tür zur Inflation aufstieß.

Blackrock-Chef Fink: „Die Welt wird eine andere sein“

Ein weiterer bemerkenswerter Umstand ist, dass es einen Monat nach Vorstellung der Empfehlungen im amerikanischen Geldmarkt wie aus dem Nichts zu schweren Verwerfungen kam, welche die Fed erst nach Monaten und der Bereitstellung mehrerer Billionen Dollar an Liquidität in den Griff bekam.

Als die Unruhe im Repo-Markt zu Beginn des laufenden Jahres schließlich abebbte, breitete sich die Corona-Pandemie über den Globus aus. Blackrock rechnet mit Blick auf die Pandemie mit grundlegenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Die Verbreitung des Virus habe „nicht nur die Finanzmärkte und das kurzfristige Wachstum unter Druck gesetzt“, sondern auch eine Neubewertung vieler Annahmen zur Weltwirtschaft bewirkt, schrieb der Chief Executive Officer, Larry Fink, Ende März an die Aktionäre des Unternehmens.

„Wenn wir diese Krise überstanden haben, wird die Welt eine andere sein. Die Psychologie der Anleger wird sich verändern. Das Geschäftsleben wird sich verändern. Der Konsum wird sich verändern“, heißt in dem Schreiben. Fink blickt insgesamt zuversichtlich in die Zukunft: „Die Welt wird diese Krise überstehen. Die Wirtschaft wird sich erholen. Und jenen Anlegern, die ihre Augen nicht auf den wackeligen Boden unter unseren Füßen richten, sondern auf den Horizont, bieten sich an den Märkten jetzt enorme Chancen.“

Bei der Geldanlage könnte die aktuelle Krise nach Finks Einschätzung zum Katalysator für Angebote werden, die Kriterien wie Umweltschutz, Soziales und gute Unternehmensführung berücksichtigen. „Die aktuelle Pandemie führt uns vor Augen, wie fragil die Welt ist und welcher Wert in nachhaltigen Portfolios steckt“, schreibt Fink. „Wenn wir diese Krise überstanden haben und Anleger ihre Portfolios anpassen, haben wir die Möglichkeit, eine nachhaltigere Welt zu schaffen.“

Die Worte des Blackrock-Chefs haben Gewicht. Der 1988 gegründete Finanzriese verwaltet nach jüngsten Zahlen für das Jahr 2019 gut 7,4 Billionen Dollar (gut 6,7 Billionen Euro) Anlagegelder. Blackrock ist weltweit an mehr als 15.000 Unternehmen beteiligt, in Deutschland unter anderem an allen Dax-Konzernen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie CATL: Europa baut Ladestationen, China Batteriewechselstationen
18.07.2026

Das chinesische Unternehmen CATL will bis 2030 80 Prozent des chinesischen Güterverkehrs mit einem Netz von Batteriewechselstationen...

DWN
Finanzen
Finanzen Experten-Interview: Wein ist eine interessante alternative Investition – vor allem auf lange Sicht
18.07.2026

Wein kann als alternative Geldanlage interessant sein, besonders über längere Zeiträume. Entscheidend sind Herkunft, Lagerung,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
18.07.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
18.07.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
18.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...