Politik

Griechische Polizei: Migranten-Organisationen spionieren gezielt Küstenwache aus, um Schleusern zu helfen

Mehrere Migranten-Organisationen sollen systematisch die griechische Küstenwache ausspioniert haben, um türkischen Schlepperbanden Hinweise zu geben.
28.09.2020 13:21
Aktualisiert: 28.09.2020 13:21
Lesezeit: 2 min
Griechische Polizei: Migranten-Organisationen spionieren gezielt Küstenwache aus, um Schleusern zu helfen
01.03.2020, Griechenland, Lesbos: Migranten kommen in das Dorf Skala Sikaminias auf der griechischen Insel Lesbos, nachdem sie mit einem Beiboot die Ägäis von der Türkei aus überquert haben. (Foto: dpa) Foto: Angelos Tzortzinis

Die griechische Polizei hat 35 Mitgliedern von vier Nichtregierungsorganisationen (NGO) vorgeworfen, als Schleuser und Spione agiert zu haben. Eine entsprechende Anzeige sei an die Justiz geleitet worden, teilte die Polizei am Montag in Athen mit. Die Betreffenden sollen in mindestens 32 Fällen Informationen über die Positionen der griechischen Küstenwache und Koordinaten möglicher Landungsabschnitte vor der Insel Lesbos an Schleuser in der Türkei geleitet haben.

Die betreffenden Organisationen wurden zunächst nicht namentlich genannt. Unter ihren Mitgliedern sollen Deutsche, Österreicher, Norweger, Schweizer und Bulgaren sein. Die Rolle von Nichtregierungsorganisationen, die sich auf den griechischen Inseln in der Ostägäis für Migranten einsetzen, ist in Griechenland schon seit Jahren umstritten.

Einerseits wird anerkannt, dass viele Helfer dort wichtige Unterstützung leisten. Andererseits werden auch immer wieder Vorwürfe erhoben, manche NGOs wollten vor Ort ihre eigene Vorstellung von Flüchtlingspolitik durchsetzen. Sie würden Migranten deshalb zu illegalen Aktionen aufrufen oder sie dabei unterstützen.

Rückgabe-Vereinbarung mit Türkei funktioniert nicht

Das Abkommen zwischen der EU und der Türkei vom März 2016 sieht unter anderem die Umsiedlung und Rücknahme von Migranten von den griechischen Inseln vor. Aktuelle Zahlen zeigen jedoch, dass die Vereinbarung in diesem Punkt kaum umgesetzt wird.

Konkret verpflichtet sich die Türkei in dem Abkommen, jeden Migranten, der es illegal auf die griechischen Inseln schafft, zurückzunehmen. Im Gegenzug will die EU für jeden rückgeführten Syrer einen anderen Syrer aus der Türkei umsiedeln. Tatsächlich funktioniert die Abmachung aber schon seit Jahren kaum - unter anderem, weil die griechischen Behörden mit dem Bearbeiten der Asylanträge auf den Inseln nicht hinterherkamen. Zudem tat sich die frühere linke Regierung in Athen aus ideologischen Gründen schwer, Menschen zurück in die Türkei zu schicken.

Die EU-Kommission hat Griechenland immer wieder dazu aufgerufen, Asylanträge schneller zu bearbeiten und konsequenter rückzuführen. Derzeit sind die Rückführungen in die Türkei wegen der Corona-Krise allerdings ohnehin ausgesetzt. Ankara nehme wegen der Pandemie keine Migranten mehr aus Griechenland auf, teilte die Regierung in Athen schon im April mit. Seit Amtsantritt im Sommer 2019 hatte die konservative Regierung Asylverfahren deutlich beschleunigt.

Nach aktuellen Angaben der Brüsseler Behörde wurden unter dem EU-Türkei-Abkommen bislang 26 866 Menschen direkt aus der Türkei in die EU-Staaten umgesiedelt. Nach einer coronabedingten Pause seien die Aktivitäten im August wieder aufgenommen worden. Allerdings wurden viel weniger Migranten von Griechenland von den Inseln zurück in die Türkei geschickt. Seit dem 21. März 2016 waren es der EU-Kommission zufolge unter dem EU-Türkei-Abkommen 2134 Menschen - 139 von ihnen in diesem Jahr. Hinzu kämen weitere 601 Personen unter einem bilateralen Abkommen zwischen der Türkei und Griechenland.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzinsen: Die Zinswende kommt anders als erwartet
15.10.2026

Erst schien die nächste Zinserhöhung der EZB fast sicher, jetzt rudern die Finanzmärkte zurück. Trotz hartnäckiger Inflation und...

DWN
Politik
Politik So sehen Rohstoffanalysten den Ölpreis weit bis ins Jahr 2027 hinein
15.10.2026

Drei Rohstoffanalysten erklären, wie viel ein Barrel Öl 2027 kosten könnte. Zwei schwer kalkulierbare Faktoren, die Energiewende und die...

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer: Zigaretten dürften bald sehr viel teurer werden
15.10.2026

Millionen Menschen rauchen in Deutschland, das beschert dem Fiskus Jahr für Jahr Milliardeneinnahmen. Künftig möchte der Bund noch mehr...

DWN
Politik
Politik EU-Haushalt 2028-2034: Nichts im Leben ist umsonst
15.10.2026

Vor der entscheidenden Phase der Verhandlungen über den siebenjährigen EU-Haushalt 2028 bis 2034 sollte man das deutsche Sprichwort auch...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte: Nasdaq und S&P 500 sacken ab, während Inflationssorgen steigen
14.10.2026

Welche Entwicklungen die Märkte jetzt erschüttern und wo sich überraschende Chancen auftun.

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Nach US-Inflationsschub blicken Anleger auf die Fed
14.10.2026

Der Goldpreis tendiert am Mittwochnachmittag in der Verlustzone, weil höhere US-Verbraucherpreise die Hoffnung auf eine Zinssenkung...

DWN
Politik
Politik Trumps Vereinbarung mit Putin dreht sich um weit mehr als Diesel
14.10.2026

Donald Trumps Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: US-Gesetze begrenzen russische...