Technologie

CIA gründet High-Tech-Labor für Zukunftstechnologien und lockt Talente aus dem Silicon Valley

Der amerikanische Auslandsgeheimdienst will mit den “CIA Labs” hochqualifizierte Forschungskräfte aus dem akademischen und wirtschaftlichen Bereich anwerben. Zu den angestrebten Forschungsgebieten zählen auch Virtual Reality und Robotik.
06.10.2020 09:42
Aktualisiert: 06.10.2020 09:42
Lesezeit: 2 min
CIA gründet High-Tech-Labor für Zukunftstechnologien und lockt Talente aus dem Silicon Valley
In den "CIA Labs" soll auch an Supercomputern geforscht werden (Foto: dpa) Foto: Arno Burgi

Das neue interne Forschungslabor – genannt „CIA Labs“ – soll als Schnittstelle zwischen Geheimdiensten, Wissenschaft und Industrie fungieren. CIA Labs soll zu einem attraktiven Forschungszentrum und verlässlichen und innovativen Forschungspartner für Industrie und Wissenschaft werden.

Das Labor gibt dem Geheimdienst mehr Kontrolle über die eigene Forschung. Und im Gegensatz zu bisherigen Kooperationen im wissenschaftlichen Bereich wird mit CIA Labs das Know-how im eigenen Haus („inhouse“) bleiben. Das zumindest scheint der Plan zu sein.

Eigenen Angaben zufolge geht es darum, multidisziplinäre Forschung zu betreiben, bereits existierende Grundlagenforschung zu neuen Technologien zu beschleunigen und die drängendsten wissenschaftlichen sowie technischen Probleme unserer Zeit zu lösen.

Dafür soll unter anderem in folgenden Bereichen geforscht werden:

  • Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning
  • Robotik
  • Big Data
  • Biotechnologie
  • Distributed-Ledger-Technologie
  • Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR)
  • Hochleistungs- und Quantencomputer
  • Zukunfts-Technologien im Bereich drahtlose Telekommunikation
  • Mensch-Maschine-Schnittstellen

Das High-Tech-Labor benötigt dazu hochqualifizierte Arbeitskräfte. Die CIA hat aber scheinbar in jüngster Zeit einige Probleme damit, elitäre Talente im IT-Bereich anzuwerben. Allen voran die zahlreiche Konkurrenz aus dem Silicon Valley macht der Sicherheits-Behörde zu schaffen.

Deshalb geht das neue Forschungsprogramm mit einer attraktiven Beteiligungsstruktur einher: Die Mitarbeiter können ihre eigenen Entwicklungen patentieren lassen und dadurch über eine 15-prozentige Beteiligung an potentiellen Gewinnen bis zu 150.000 Dollar pro Jahr zusätzlich verdienen.

Die weitreichenden kommerziellen Verflechtungen der CIA

Der Auslandsgeheimdienst hat ohnehin schon zahlreiche Verbindungen in Wirtschaft und Wissenschaft. Da gibt es die Risikokapitalgesellschaft „In-Q-Tel“, die maßgeblich von der CIA finanziert wird. Die CIA war und ist auch anderweitig stark in der Forschung und Entwicklung neuer Technologien engagiert, so zum Beispiel über die internen Analyse-Abteilung „Directorate of Science and Technology“. Deren Leiterin hatte über CIA Labs folgendes zu sagen: „Einige der beeindruckendsten Innovationen der letzten Jahre kamen von der CIA und mit CIA Labs sind wir jetzt in einer besseren Position, um Forschung und Entwicklung zu optimieren und weiter in unsere Wissenschaftler und Technologen zu investieren.“

Außerdem arbeitet der Geheimdienst mit der übergeordneten Forschungsbehörde der Geheimdienste („Intelligence Advanced Research Projects Activity”, oder kurz IARPA) zusammen und unterstützt in diesem Kontext indirekt Forschungsprojekte an Hochschulen und Unternehmen.

Ziel: Effizienzerhöhung für Militär und Geheimdienste, oder gar eine Beschleunigung des Transhumanismus?

Soweit das Oberflächliche. Aber was könnte noch dahinter stecken? Bei den DWN haben wir vor einigen Wochen über die Anstrengungen von Samsung in der Entwicklung der 6G-Technologie geschrieben und dabei auch das Thema Transhumanismus angeschnitten. (Transhumanismus bezeichnet eine Denkströmung, die das Verschmelzen von Mensch und Maschine anstrebt. Ziel dieser Verschmelzung ist die Überwindung von bisherigen Grenzen und damit der Entfaltung des vollen Potentials der Menschheit). „Zukunfts-Technologien im Bereich drahtlose Telekommunikation“ könnte sich auf 6G beziehen. Und bei Mensch-Maschine-Schnittstellen, Robotik und KI denkt man direkt an die Ziele der Transhumanisten.

Man sollte allerdings nicht erwarten, dass es bald von der CIA-entwickelte VR-Brillen für jedermann zu kaufen gibt. Nach außen hin gibt der Geheimdienst an, vor allem Entwicklungen im Bereich militärische Aufklärung und Überwachung vorantreiben zu wollen. Die Forschungsergebnisse wird man also zunächst vor allem für Abhörgeräte, Drohnen und mannigfaltige Software in diesen umstrittenen Bereichen nutzen. Eines der ersten Projekte soll die Entwicklung von Mikro-KI-Chips sein, die außergewöhnlich leistungsfähig und effizient sind. Damit sollen sensorische Geräte riesige Datenmassen direkt verarbeiten können – ohne dass ein zentraler Server zwischengeschaltet werden muss.

Möglicherweise werden im Rahmen des „CIA Labs“ aber auch geheime Projekte finanziert.

Ob die im CIA-Labor entwickelten neuen Technologien einen Mehrwert für die Gesellschaft liefern werden, ist zweifelhaft. Sicher ist hingegen, dass die Überwachungs-Möglichkeiten durch die Forschungsaktivitäten der CIA größer und effizienter werden. Außerdem könnten einige der kommenden neuen Entwicklungen die unaufhaltsame Verschmelzung von Mensch und Computer definitiv beschleunigt werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Tech-Aktien fallen weiter, da die Angst vor kriegsbedingter Inflation zunimmt
19.05.2026

Düstere Wolken über den Märkten: Erfahren Sie, welche Entwicklungen die Börse heute in Atem halten und worauf Anleger jetzt achten...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr-Beförderungsstopp sorgt für massive Kritik
19.05.2026

Mitten in den Reformplänen der Bundeswehr löst der Bundeswehr-Beförderungsstopp heftige Diskussionen aus. Gerichtsurteile erzwingen...

DWN
Politik
Politik Koalition sucht richtigen Zeitpunkt: Bundestag diskutiert Verzicht auf Diätenerhöhung
19.05.2026

Eigentlich war die nächste Diätenerhöhung bereits fest eingeplant. Doch die wirtschaftliche Lage und harte Sparmaßnahmen verändern die...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Anleger blicken auf Stellenabbau beim VW-Entwicklungsdienstleister IAV
19.05.2026

Tausende Arbeitsplätze stehen bei IAV auf dem Spiel, die Stimmung unter den Beschäftigten ist angespannt. Während die IG Metall massive...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Varta-Stellenabbau: Produktion in Nördlingen endet, über 300 Arbeitsplätze fallen weg
19.05.2026

Varta verliert einen entscheidenden Kunden und zieht drastische Konsequenzen. Die Produktion im Werk Nördlingen endet, rund 350...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schutz für Stahlindustrie: EU verschärft Zollregeln für Stahlimporte
19.05.2026

Europas Stahlhersteller kämpfen seit Jahren gegen günstige Importe aus dem Ausland. Nun zieht die EU die Reißleine und verschärft die...

DWN
Finanzen
Finanzen Cerebras-Aktie: Nvidia-Konkurrent startet mit großem Knall an der Börse
19.05.2026

Vor ein paar Tagen ging in den USA ein Chiphersteller an die Börse, der als einer der heißesten Nvidia-Konkurrenten gilt. Die...

DWN
Politik
Politik Straße von Hormus unter Druck: VAE planen Pipeline als Antwort auf den Iran-Krieg
19.05.2026

Die VAE beschleunigen den Bau einer neuen Ölpipeline, die den Export unabhängiger von der Straße von Hormus machen soll. Für Europa und...