Politik

„Feuersturm“: Die großen Corona-Unruhen werden nach der Pandemie ausbrechen

Einer Studie zufolge ist es sehr wahrscheinlich, dass nach der Corona-Pandemie schwere Unruhen und Aufstände ausbrechen werden, weil die Corona-Maßnahmen Millionen in die Armut gestürzt haben. Der eigentliche „Feuersturm“ steht Deutschland und Europa offenbar noch bevor.
16.11.2020 10:00
Lesezeit: 4 min
„Feuersturm“: Die großen Corona-Unruhen werden nach der Pandemie ausbrechen
09.09.2020, USA, Oroville: Hinter einem Auto mit Blaulicht steigen Flammen auf der Highway 162 auf. Kommt ein "politischer Feuersturm" nach der Corona-Pandemie? (Foto: dpa)

Eine Gruppe italienischer Forscher hat eine Studie („COVID-19 und die möglichen Folgen für die soziale Stabilität“) veröffentlicht, die zu beunruhigenden Ergebnissen kommt. Dabei wird ein Vergleich zwischen der aktuellen Corona-Pandemie und vergangener Pandemien und Epidemien gezogen – allerdings nur auf ihre sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen.

Die „sozialen und psychischen Unruhen, die sich aus der Epidemie ergeben“ verdrängen jeden sozialen Konflikt vor der Epidemie, „aber gleichzeitig bilden sie den fruchtbaren Boden, auf dem der globale Protest nach dem Ende der Epidemie aggressiver wieder auferstehen kann“, so die Forscher. Doch genau darauf hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten in einer Analyse lange vor Veröffentlichung dieser Studie hingewiesen.

„Epidemien können auch andere Keime für Konflikte säen. Während und nach der Pest von 1665 in London gab es Argumente, die die Krankheit ,dem Dreck der Armen‘ zuschrieben. Der Verdacht, dass das unverantwortliche Verhalten der Armen Cholera verursachte, war unter den britischen Behörden in Indien während der ersten Cholera-Epidemie (1817–1824) weit verbreitet. In der zweiten Cholera-Epidemie betrachteten viele Menschen der höheren Ränge die Gewohnheiten und sogar die Moral der Armen als Schmutzquelle. Dies hatte zur Folge, dass Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit als diskriminierend empfunden wurden“, so die Autoren.

Pandemien und Epidemien eignen sich sehr gut dazu, Minderheiten als Sündenböcke zu missbrauchen (Beispiel: „Schwarzer Tod“). Aus der Studie geht hervor: „Während der zweiten Cholera-Epidemie wurde in den USA die Ansteckung mit den jüngsten Einwanderungen und mit Afroamerikanern in Verbindung gebracht. Im Westen wuchs die Überzeugung, dass Cholera asiatisch sei, was bewies, dass Asien schädlich war. In Indien löste die britische Meinung, dass Cholera aus dem barbarischen Aberglauben und den Traditionen der Hindu-Pilger herrührt, ein umfangreiches Programm der Verwestlichung aus. In scharfem Gegensatz zu den lokalen Gepflogenheiten und Praktiken legte diese Politik die Grundlage für Ressentiments, die zwei Jahrzehnte später zum ersten Unabhängigkeitskrieg führten. Ein weiteres Beispiel stammt aus der Pest von 1771 in Moskau. Laut Hays (2005) verstärkte die Überzeugung, dass die Krankheit von der osmanischen Türkei stammt, die fremdenfeindlichen Gefühle, die die Politik der Aggression gegen die Türkei stützten.“

Auch auf diese Gefahr des politischen Missbrauchs von Minderheiten durch die Politik hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten in einem Artikel hingewiesen. Es ist mehr als nur denkbar, dass der Unmut der Bevölkerung von den Eliten gegen ethnische – aber auch gegen kritisch-politische – Minderheiten kanalisiert wird, um vom Wohlstandsverlust, der durch die Regierungspolitik ausgelöst wurde, abzulenken. Dass es einen Wohlstandsverlust geben wird, hatte im Mai 2020 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angekündigt, als er sagte: „Wahr ist, die Zeit wird nicht spurlos an uns vorbeigehen. Wir werden einiges von dem gemeinsam erarbeiteten Wohlstand preisgeben.“

Als Anfangspunkt der Umsetzung der „Sündenbock-Theorie“ dürfte sich für die medialen und politischen Eliten (und Mitgliedern der Bundesregierung?) die Hauptstadt Berlin anbieten. Es ließen sich die psychologischen Codewörter „Großfamilien“ und „Hochzeitsgesellschaften“, aber auch „Corona-Leugner“, offensiv anwenden, um eine geschickte massenpsychologische Manipulation durchzuführen. Doch bevor das Schauspiel stattfinden kann, müssen die Corona-Maßnahmen in der Wintersaison derart hart sein, dass die arglosen Bürger komplett traumatisiert werden. Erst dann werden die Menschen vollständig seelenlos.

So fanden beispielsweise zu Beginn der Pandemie in China regelrechte Hetzjagden auf Schwarze in der Stadt Guangzhou statt, nachdem die chinesischen Medien schwarzen Menschen unterstellt hatten, dass sie das Corona-Virus wegen ihrer Sorglosigkeit verbreitet hätten. In Deutschland wurden wiederum Chinesen zu Beginn der Pandemie vorübergehend als Sündenböcke herangezogen, um ihnen die Verbreitung der Pandemie zu unterstellen, so Uebermedien.de.

Die Forscher wörtlich: „Insgesamt zeigen die historischen Beweise, dass Pandemien und Epidemien in drei Dimensionen eine potenzielle störende Wirkung auf die Zivilgesellschaft haben. Erstens neigen die politischen Maßnahmen dazu, eine Kluft zwischen Gesellschaft und Institutionen zu schaffen. Zweitens kann eine Pandemie in dem Maße, in dem sie sich in Bezug auf Sterblichkeit und wirtschaftliches Wohlergehen unterschiedlich auf die Gesellschaft auswirkt, die Ungleichheit verschärfen. Drittens kann der psychologische Schock irrationale Erzählungen über die Ursachen und die Ausbreitung der Krankheit hervorrufen, die zu sozialer Diskriminierung, Rassendiskriminierung und sogar Fremdenfeindlichkeit führen können. Auf jeden Fall scheinen die meisten der großen Epidemien der Vergangenheit in unterschiedlichem Maße Inkubatoren sozialer Unruhen gewesen zu sein.“

Im Rahmen der Studie wurden die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen von fünf Cholera-Epidemien unter die Lupe genommen. Anschließend wurden die Aufstands-Phasen zehn Jahre vor und zehn Jahre nach einer Epidemie betrachtet. Dabei wurde festgestellt, dass es zehn Jahre vor den jeweiligen Epidemien 39 Unruhen aufständischer Natur gab. Doch zehn Jahre nach den jeweiligen Epidemien wurden 71 Aufstände festgestellt.

Besonders anfällig sind Länder und Gesellschaften, die strikt nach ethnischen oder politisch-ideologischen Grenzen organisiert sind. Die Forscher erwähnen, dass eine Pandemie oder Epidemie zwangsläufig den wirtschaftlichen Überschuss eines Landes schrumpfen lässt. Innerhalb einer derartigen Konstellation neigen die Eliten dazu, diesen Rest-Überschuss für sich zu ergattern. Dies führt wiederum dazu, dass der Gesamt-Überschuss, der sich aus der Wertschöpfung ergibt, eben nicht mehr der Gesamtgesellschaft zugutekommt. Dies birgt enormen sozialen Sprengstoff in sich.

„Eine Folge unserer Hauptannahmen, die sich hauptsächlich auf die kurz- und mittelfristigen Folgen von Epidemien auf die soziale Stabilität konzentrieren, ist daher, dass Repressionen tendenziell wahrscheinlicher werden“, meinen die Forscher.

Protestbewegungen werden dann als Versammlungen angesehen, die ein sofortiges Eingreifen rechtfertigen. Die Rechtfertigung wird durch Ansteckungsängste, eine große Toleranz gegenüber staatlichen Überwachungsmaßnamen und die Billigung von Strafverfolgungsmaßnahmen gegen Personen, die die geltenden Regeln verletzen, verstärkt.

„Mit Blick auf das 19. Jahrhundert wurde die Wut, die 1831 während der Cholera-Epidemie in Paris aufkam, vom schwachen König Louis Philippe nicht entschlossen unterdrückt. Dies mag das Vertrauen der revolutionären Bewegungen gestärkt haben, die 1848 explodierten“, heißt es in der Studie.

Vielleicht ist es also möglich, die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser aktuellen Pandemie vorherzusagen, oder wie die Autoren der Studie meinen: „Wir können uns eine fundierte Meinung über die möglichen Auswirkungen von COVID-19 auf Protestinitiativen und zukünftige soziale Unruhen bilden, indem wir uns die großen Plagen der Vergangenheit ansehen.“

In jedem Fall sollten sich die Sicherheitsbehörden auf mögliche Unruhen vorbereiten. Die Bürger sollten sich hingegen nicht aufwiegeln lassen - weder von verantwortungslosen Politikern und/oder Medien noch von professionellen Provokateuren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Cüneyt Yilmaz

                                                                                ***

Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU und Philippinen einigen sich auf Freihandelsabkommen
22.09.2026

Neue Chancen für Maschinen, Arzneimittel und Schweinefleisch: Die Europäische Union und die Philippinen haben sich auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Evonik-Aktie: Chemiekonzern streicht 3.200 Stellen
22.09.2026

Evonik streicht 3.200 Stellen und will allein in Deutschland 2.150 Jobs abbauen. Der Chemiekonzern setzt zugleich auf Wachstum in Asien und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Onboarding neuer Mitarbeiter: Darauf kommt es an
22.09.2026

Die Vorstellungsgespräche sind geschafft, es wurde sich für einen passenden Bewerber entschieden und dieser hat ebenfalls zugesagt. Damit...

DWN
Politik
Politik Folge der Zerstörung: Saudis liefern kein Öl mehr nach Europa
22.09.2026

Saudi Aramco liefert im Oktober kein Öl an europäische Partner. Huthi-Angriffe auf eine wichtige Pipeline haben die Versorgung des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quereinstieg wird zum Karrieremodell: Wo Quereinsteiger gefragt sind
22.09.2026

Ein neuer Job, ein anderer Berufsweg, neue Perspektiven: Für immer mehr Menschen in Deutschland ist der Quereinstieg eine attraktive...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Zölle treiben Stahlkunden zurück nach Europa
22.09.2026

Nachdem die EU die Bedingungen für Stahlimporte verschärft hat, hat sie einen Teil der Kunden zu europäischen Herstellern...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tesla FSD im Test: Wenn das Auto versteht, was um es herum geschieht
22.09.2026

Tesla bringt sein Full-Self-Driving-System nach Europa und zeigt auf einer Testfahrt, wie weit automatisiertes Fahren inzwischen ist. Der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
21.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...