Unternehmen

Neuer Großauftrag: Strom-Produzent Enertrag gibt deutscher Photovoltaik-Industrie wichtige Impulse

Der deutsche Hersteller Enertrag hat in Brandenburg einen wichtigen Auftrag für die Sonnenenergie erhalten. Doch sind dem Wachstum auch Grenzen gesetzt.
12.10.2020 15:00
Lesezeit: 2 min
Neuer Großauftrag: Strom-Produzent Enertrag gibt deutscher Photovoltaik-Industrie wichtige Impulse
Die Uckermark in Brandenburg: Hier sollen immer mehr Solarpark entstehen. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Der Brandenburger Hersteller von Alternativem Strom, Enertrag, hat den Zuschlag für den Bau einer besonderen Photovoltaik-Anlage (PV) im Verbundkraftwerk Uckermark im Norden Brandenburgs bekommen. Wie das Unternehmen erklärte, geht es darum, eine kombinierte Anlage zu installieren, die aus einer PV-Freifläche und einem weiteren Speicher besteht. Die Technologie soll spätestens Beginn 2022 in Betrieb gehen. Die Ausschreibung hatte die Bundesnetzagentur organisiert.

Hintergrund: Das Verbundkraftwerk Uckermark besteht aus mehreren Produktionsstätten, die über eine Gesamtleistung von 600 Megawatt verfügen. Dazu gehört auch eine Wasserstoff-Anlage. Zum Vergleich: In Brandenburg gibt es insgesamt 27.130 Anlagen, die auf der Grundlage von Sonnen-Energie beruhen und pro Jahr eine Leistung von fast 2.800 Megawatt herstellen. Das Werk in der Uckermark, das im Norden Brandenburgs in Bertikow liegt, ist folglich eine wichtige Produktionsstätte im Land, da es mehr als ein Fünftel der Brandenburger Produktion abdeckt.

Langzeitspeicher wie Wasserstofferzeuger und Wärmespeicher ermöglichen es dabei, die natürlichen Schwankungen des Energieangebotes auszugleichen. Außerdem bewirkt die Technologie, dass das Netz ständig mit Strom eingespeist wird. Kurzzeitspeicher wie Akkumulatoren dienen demgegenüber der Systemstabilität.

Sie sorgen insbesondere für eine stabile Netzfrequenz. In Kombination mit großen Wasserstoff- und Wärmespeichern ermöglichen sie das Anfahren des Blocks, ohne dass dieser vom Netz abhängig ist – im Fachjargon die sogenannte Schwarzstartfähigkeit. Zusätzlich sichern sie die Versorgung der Kraftwerkssteuerung bei Netzausfällen.

Enertrag mit jährlichem Erlös von 300 Millionen Euro

„Wir brauchen Speicher, um erneuerbare Energien gleichmäßiger ins Stromnetz einspeisen zu können. Während Wasserstoff der wichtigste Langfristspeicher in einem erneuerbaren Energiesystem ist, helfen uns Akkumulatoren bei der Systemstabilität“, sagt Jörg Müller, der Vorstandsvorsitzender von ENERTRAG, das pro Jahr einen Erlös von rund 300 Millionen Euro erreicht.

Hintergrund: Zurzeit entwickelt sich die Erzeugung von Strom mit PV-Anlagen immer mehr. So hat die Technologie bis Ende September ihren Anteil an der gesamten Stromerzeugung auf 13 Prozent erhöht. Zwölf Monate zuvor hatten sie lediglich neun Prozent beigesteuert. Das geht aus den Energy Charts von Fraunhofer ISE hervor.

„Die Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle ging stark zurück. Gas, Wind und Solar verzeichnen Zugewinne“, twitterte ein Vertreter von Energy Charts am Fraunhofer ISE. So haben die Gaskraftwerke im Vergleich zum Vorjahresraum um 18,1 Prozent zugelegt. PV legte um 9,4 Prozent zu, während die Windkraft ein Plus von fast sieben Prozent erreichte.

Doch sind dem Wachstum wohl Grenzen gesetzt – zumindest in den östlichen Bundesländern. Denn viele Anwohner stemmen sich gegen die Projekte, die derzeit wie die Pilze aus dem Boden sprießen. Ein Großvorhaben in der Nähe von Stretense in Mecklenburg -Vorpommern, das rund 70 Kilometer nördlich vom Standort des Kraftwerks Uckermark liegt, wurde zunächst einmal gestoppt. Eigentlich sollte hier für 150 Millionen Euro der größte Solarpark Deutschlands entstehen. Doch daraus wird erstmal so schnell nichts, weil die Verantwortlichen erst einmal einen Bauplan erstellen sollen. Und das dauert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street gibt nach, während die Anleiherenditen sinkentitle
29.09.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Impulse die US-Märkte im späten Handel bewegten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Förderprogramm für Azubi-Vermittlung vor dem Aus – trotz offener Ausbildungsplätze
29.09.2026

Viele offene Lehrstellen, viele Jugendliche ohne Perspektive – und trotzdem soll ein bewährtes Förderprogramm für die Azubivermittlung...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen: Haushalte so reich wie nie - Rekordsumme ungleich verteilt
29.09.2026

Das weltweite Geldvermögen erreicht laut Allianz ein Rekordhoch. Doch der Zuwachs kommt bei Milliarden Menschen nicht an. Die Unterschiede...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Funflation: Warum selbst der Spaß immer teurer wird
29.09.2026

Urlaub, Restaurant oder Hobby: Wer seine Freizeit genießen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse der Bank of America...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reicher Westen, armer Osten: Enorme Vermögensungleichheit verschärft sich 2025
29.09.2026

Am 36. Jahrestag der Wiedervereinigung herrschen enorme Unterschiede bei der Vermögensverteilung: Alleine im Jahr 2025 entfielen 95...

DWN
Politik
Politik Deutschland vergreist: Kinderwunsch sinkt – das sind die Folgen
29.09.2026

In Deutschland sinkt nicht nur kontinuierlich die Geburtenrate, sondern erstmals seit vielen Jahren sogar auch der Wunsch nach eigenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lateinamerika-Aktien: Das Comeback, das kaum jemand auf dem Radar hat
29.09.2026

Jahrelang mieden Anleger Lateinamerika, nun schlägt die Region sogar den S&P 500. Rohstoffe, Banken und überraschend niedrige Bewertungen...