Unternehmen

Euler Hermes: Deutscher Mittelstand kommt im Europavergleich vergleichsweise gut durch die Krise

Die deutschen Unternehmen sind zwar nach einem aktuellen Bericht von Euler Hermes angeschlagen. Doch sieht es in anderen Ländern noch wesentlich schlechter aus - beispielsweise in Frankreich und Italien.
22.10.2020 10:00
Lesezeit: 2 min
Euler Hermes: Deutscher Mittelstand kommt im Europavergleich vergleichsweise gut durch die Krise
Beim deutschen Mittelstand sprühen immer noch die Funken - trotz Corona. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Die deutschen Mittelständler sind im Vergleich mit anderen europäischen Unternehmen relativ gut durch die Pandemie gekommen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Analyse des Kreditversicherers Euler Hermes. Während den kleinen und mittleren Firmen in Frankreich und Italien schätzungsweise 70 beziehungsweise 29 Milliarden Euro fehlen, benötigen die deutschen Mitbewerber lediglich drei Milliarden Euro für eine ausreichende Kapitalisierung. Alle Unternehmen stützen sich dabei auf umfangreiche Konjunkturpakete in ihren Heimatstaaten.

„Europäische Mittelständler weisen eine sehr hohe Verschuldung auf, eine erheblich verschlechterte Profitabilität und eine nicht ausreichende Kapitalisierung“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das ist mittelfristig eine denkbar schlechte Kombination für die Zahlungsfähigkeit dieser Unternehmen. Insbesondere in Italien und Frankreich spitzt sich die Lage durch Covid-19 zunehmend zu, auch wenn die zahlreichen Konjunkturpakete zumindest eine kurzfristige Liquiditätskrise vermieden haben. Der deutsche Mittelstand hat sich abermals als relativ robust erwiesen und ist im Vergleich zu seinen europäischen Pendants bisher relativ gut durch die Krise gekommen“, fügte der CEO hinzu.

Auch hierzulande ist die Verschuldung durch zahlreiche Liquiditätsmaßnahmen gestiegen. Insbesondere in Frankreich aber ist sie im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (81 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, BIP) fast doppelt so hoch als in Deutschland (43 Prozent des BIP). In Italien ist die Verschuldung mit 65 Prozent des BIP ebenfalls überdurchschnittlich hoch im europäischen Vergleich (Durchschnitt: 63 Prozent).

Bei Profitabilität sind französische KMU Schlusslicht in Europa

„Französische Mittelständler sind in Europa zudem in puncto Profitabilität inzwischen Schlusslicht, noch hinter Italien“, sagt Ana Boata, Leiterin Makroökonomie bei Euler Hermes. „Die Profitabilität französischer KMU ist seit Jahresbeginn um 7 Prozentpunkte (pp) drastisch gesunken im Vergleich zu minus 0,6 pp in Deutschland. In Italien dürfte die Profitabilität nach unseren Schätzungen ebenfalls um bis zu 3pp gesunken sein. Die Eigenkapitalquote ist in Italien mit 33 Prozent die niedrigste und damit deutlich unterhalb der 40 Prozent, die in der Regel als adäquat gelten. In Italien besteht demnach der größte Bedarf an zusätzlichen Finanzmitteln für eine Rekapitalisierung.“

In Frankreich liegt die Eigenkapitalquote der KMU bei 37 Prozent, in Deutschland mit 39 Prozent nur knapp unterhalb der empfohlenen Kapitalausstattung. Bei der Analyse haben die Volkswirte Unternehmen bereits herausgerechnet, die schon vor der Covid-19-Pandemie praktisch nicht überlebensfähig waren.

„Ein Großteil der Mittelständler erweist sich auch in der aktuellen Krise als sehr robust, insbesondere in Deutschland,“ sagt Van het Hof. „Diese Tatsache, darf aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in ihrem Schatten in Europa zahlreiche Zombie-Unternehmen gibt – auch schon vor der Covid-19-Pandemie.

In Italien waren beispielsweise schon vor der Krise rund ein Fünftel der Mittelständler wirtschaftlich eigentlich gar nicht mehr lebensfähig, in Frankreich (11 Prozent) und Deutschland (10 Prozent) waren es nur etwa halb so viele. Allerdings dürfte sich die Anzahl mit der aktuellen Krise sprunghaft erhöht haben, ebenso wie der Finanzierungsbedarf der KMU. Besonders eng wird es für die Unternehmen und Branchen, die vor der Krise kaum Puffer hatten.“

In Deutschland war die Eigenkapitalquote vor der Pandemie in der Transportbranche besonders niedrig: In der Schifffahrt lag sie bei rund 32 Prozent, in der Luftfahrt bei 29 Prozent. Mit Covid-19 hat sich die bestehende Finanzierungslücke nochmals vergrößert. In Frankreich und Italien hatten Unternehmen im Hotel- und Gastgewerbe sowie im Maschinenbau und Handel besonders schlechte Ausgangspositionen und daher jetzt den größten Kapitalbedarf.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

 

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Leitzins angehoben: Wer sind die Verlierer und Gewinner?
15.06.2026

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für die Eurozone am vergangenen Donnerstag angehoben. Für Sparer, Kreditnehmer, Staaten und...

DWN
Politik
Politik Europäische Schlüsselstaaten wollen Kaja Kallas’ Macht beschneiden
15.06.2026

Mehrere Mitgliedstaaten der Europäischen Union, allen voran Deutschland und Frankreich, suchen nach Möglichkeiten, die Macht der Hohen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investoren verlieren Geduld: Merz-Beauftragter Blessing warnt vor Ernüchterung
15.06.2026

Deutschland gilt international weiterhin als verlässlicher und stabiler Standort. Dennoch wächst bei manchen Investoren die Skepsis...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft USA-Iran-Abkommen: Kommt jetzt die Entlastung bei den Spritpreisen?
15.06.2026

Die Einigung zwischen den USA und dem Iran sorgt weltweit für Aufmerksamkeit – auch an den Energiemärkten. Experten sehen Chancen auf...

DWN
Politik
Politik Ukraine entwickelt kostengünstige Alternative zu US-amerikanischen Patriot-Raketen
15.06.2026

Die Ukraine hat eine neue Luftabwehrrakete getestet, die eine kostengünstigere und für die Serienfertigung geeignete Alternative zum...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
15.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX, Anthropic und OpenAI in Ihrem ETF-Fonds? Vielleicht schneller, als Sie denken
15.06.2026

Während Tesla ein ganzes Jahrzehnt gebraucht hat, um in den S&P 500 und damit in passiv verwaltete ETF-Fonds aufgenommen zu werden,...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt zeitweise über 25.000 Punkte: Iran-Abkommen und SpaceX-Erfolg treiben die Börsen an
15.06.2026

An den Börsen kehrt plötzlich Optimismus zurück: Sinkende Ölpreise, Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten und ein spektakulärer...