Unternehmen

Siemens Gamesa zieht mit neuem Großauftrag deutsche Windparkbranche aus der Talsohle

Die deutschen Windpark-Entwickler, die schon länger unter Druck standen, entwickeln sich wieder besser. Während Siemens Gamesa (SG) eine neue wichtige Großorder verbucht hat, dürfte sich auch Nordex so langsam wieder von den Einbrüchen durch die Pandemie erholen.
22.10.2020 15:44
Aktualisiert: 22.10.2020 15:44
Lesezeit: 2 min
Siemens Gamesa zieht mit neuem Großauftrag deutsche Windparkbranche aus der Talsohle
Ein Vogelschwarm zieht vor einem Rotorblatt vorbei. (Foto: dpa) Foto: Ingo Wagner

Die Tochter des Siemenskonzerns hat einen Großauftrag aus Schweden erhalten. Die Order umfasst 60 Windkraftanlagen der 5.X.Plattform, die als besonders kosteneffizient gilt und von einem internationalen Konsortium bestellt worden ist. Der Käufer erhält 372 Megawatt für den Björnberget-Park in Mittelschweden, der zu den größten Bauprojekten im laufenden Jahr gehört. Dieser neue Auftrag steigert den Gesamtauftragseingang für die 5.X-Plattform nur 18 Monate nach ihrer Markteinführung auf ein Gigawatt.

Und auch Nordex steigt eine aufsteigende Tendenz. Das Unternehmen hat zwar im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum rückläufige Auftragseingänge verzeichnet. Doch läuft es nach dem Einbruch vom Frühjahr langsam wieder besser.

Die Kunden haben 271 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1.229 Megawatt bestellt und damit 28 Prozent weniger Order erteilt als noch zwölf Monate zuvor. Allerdings hatten sie zwischen April bis Juni nur 888 Megawatt bestellt – also fast ein Drittel weniger. „Trotz einzelner Verzögerungen durch die Corona-Pandemie bleibt die Nachfrage - auch mit Blick auf den Rest des Jahres – gut“, sagte Vertriebsvorstand Patxi Landa.

Eng verbunden mit dem deutschen Unternehmen ist auch der Projektierer Energiequelle, der in Frankreich in der Nähe zur belgischen Grenze fünf Anlagen von Nordex errichtet. Sie verfügen über eine Gesamtleistung von 15 Megawatt und sollen 10.000 Haushalte pro Jahr mit Strom versorgen.

Zur Einordnung: Die deutschen Windparkentwickler haben bisher im laufenden Jahr im eigenen Land damit begonnen, 308 Projekte mit Gesamtkapazitäten von 1.112 Megawatt zu starten. Im Gesamtjahr gab es 453 Vorhaben, die ein Volumen von 2.117 Megawatt aufwiesen.

Grundsätzlich bessert sich die Stimmung unter den Managern immer mehr, die in den Firmen der Regenerativen Energien beschäftigt werden. Dazu gehören auch die Windparkentwickler. Der Geschäftsklima-Index der Regenerativen Energiewirtschaft, den das Branchenforum IWR herausgibt, betrug im September 92,3 Punkte. Damit entwickelt sich die Atmosphäre seit dem Einbruch vom März, der durch die Pandemie verursacht worden war, wieder besser. Zum Vergleich: Zwölf Monate zuvor hatte das Niveau noch bei 88,7 Zählern gelegen. Die beste Laune hatten die Unternehmen hingegen im November 2018 gehabt (101,9 Punkte).

Neue Studie: Vögel weichen Rotorblättern besser aus als bisher angenommen

Darüber hinaus macht eine neue Studie über den Schutz von Vögeln den Herstellern von Windpark-Anlagen weiter Mut. Die Untersuchung, die das internationale Energieunternehmen Vattenfall in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Ergebnis, das die Tiere den Rotorblättern doch besser ausweichen können als bisher angenommen.

Die mögliche Kollision von Vögeln mit den Anlagen war in der Vergangenheit immer ein wichtiger Kritikpunkt der Gegner der Windpark gewesen, die damit deren Bau verhindern wollten.

Doch haben die Wissenschaftler nun Ergebnisse vorgelegt, die zumindest Zweifel an dieser Kritik aufkommen lassen. Sie haben dazu Messungen in einem Windpark in Dänemark in unmittelbarer Nähe eines Vogelschutzgebietes vorgenommen. Die Gelehrten untersuchten 20.000 bis 30.000 Gänse und Kraniche. Sie suchten regelmäßig die Umgebung der Rotorblätter nach toten Tieren oder Überresten ab, ohne hier eine übermäßig große Zahl zu registrieren.

„Die Ergebnisse bestätigen, dass Vögel erstaunlich gut darin sind, um die Windturbinen herum oder darüber hinweg zu fliegen. Das ist positiv, nicht nur, weil fast keine Vögel bei Kollisionen sterben, sondern auch, weil es bedeutet, dass die Errichtung von Windturbinen nicht in direktem Konflikt mit Naturschutzgebieten stehen muss. Dieses Wissen sollte in Verbindung mit der Planung neuer Windparks berücksichtigt werden“, sagte Jesper Kyed Larsen, der Vertreter von Vattenfall.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wird der XRP-Preis manipuliert? Hinter der Klage der US-Börsenaufsicht deutet sich ein langfristiger Plan von AMT DeFi an

Die Diskussionen rund um die Preisentwicklung von XRP reißen seit Langem nicht ab. Insbesondere nach der Klage der US-Börsenaufsicht...

 

DWN
Politik
Politik EU-Sanktionen gegen Russland: Europas Durchsetzungskraft auf dem Prüfstand
16.01.2026

Die europäische Sanktionspolitik gegen Russland gerät zunehmend unter rechtlichen und finanziellen Druck. Gefährden Klagen russischer...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: TSMC sorgte für Zuversicht an der Wall Street und trieb die Aktienkurse nach oben
16.01.2026

Die US-Aktienmärkte bewegten sich am Donnerstag nach oben, als die aktuellen Ergebnisse des Chipherstellers TSMC die Investoren beruhigten...

DWN
Technologie
Technologie AWS EU-Cloud startet: Milliarden-Investition in Brandenburg
15.01.2026

AWS eröffnet eine unabhängige Cloud für Europa und investiert dafür Milliarden in Brandenburg. Das neue Angebot richtet sich vor allem...

DWN
Politik
Politik Trumps Ölpolitik: Widerstand in der US-Ölindustrie wächst
15.01.2026

Die US-Regierung treibt einen energiepolitischen Kurs voran, der in der heimischen Ölindustrie auf wachsenden Widerstand stößt. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Reparaturpflicht für Smartphones und Waschmaschinen: Verbraucher profitieren
15.01.2026

Ab diesem Sommer gilt ein Recht auf Reparatur für Smartphones, Waschmaschinen und andere Geräte. Hersteller müssen Reparaturen während...

DWN
Finanzen
Finanzen Ray Dalio warnt: 38 Billionen US-Dollar Schulden und "wirtschaftlicher Herzinfarkt" der USA
15.01.2026

38 Billionen US-Dollar Staatsschulden belasten die USA wie ein Damoklesschwert. Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater, warnt vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreis-Rekordhoch: US-Importe und Zollpolitik treiben Preise für Industriemetalle
15.01.2026

Die globalen Rohstoffmärkte geraten zunehmend unter den Einfluss geopolitischer Entscheidungen und strategischer Lagerpolitik. Der...

DWN
Immobilien
Immobilien Studie: In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen
15.01.2026

Die Wohnungssuche hat sich in vielen Regionen zum Albtraum entwickelt, Besserung ist nicht in Sicht. Nach einer Studie des Pestel-Instituts...