Finanzen

Kredit-Nachfrage in Deutschland legt zu, aber Banken verschärfen Vergabe-Standards

Lesezeit: 2 min
27.10.2020 13:15  Aktualisiert: 27.10.2020 13:15
Aus einer heute veröffentlichten Umfrage der Bundesbank geht hervor: Die deutschen Banken zeigen sich aufgrund des fragilen wirtschaftlichen Umfelds zunehmend risikoavers. Die Kreditnachfrage legt derweil weiter kräftig zu.
Kredit-Nachfrage in Deutschland legt zu, aber Banken verschärfen Vergabe-Standards
Die unsichere Konjunkturlage lässt die deutschen Banken vorsichtiger werden. (Foto: dpa)
Foto: Federico Gambarini

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Vierteljährlich veröffentlicht die Bundesbank Umfrage-Ergebnisse zum Kreditgeschäft in Deutschland unter dem Titel „Bank Lending Survey“. In diesem Quartal wurden 34 Kreditinstitute befragt. Im Folgenden eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:

Die Zinserträge der Banken wurden von zwei Seiten belastet. Zum einen durch das erweiterte Programm zum Ankauf von Vermögenswerten des Eurosystems (APP) und das "Pandemic Emergency Purchase Programme" (PEPP/ Pandemie-Notfallkauf-Programm), welche das allgemeine Zinsniveau senkten. Zum anderen durch den negativen Zinssatz der Einlagefazilität, wobei dieser Effekt durch das zweistufige System der Verzinsung der Überschussliquidität abgeschwächt wurde.

Die Ban­ken be­rich­te­ten von einer all­ge­mei­nen Ver­bes­se­rung ihres Re­fi­nan­zie­rungs­-Um­felds sowie ihrer Liquiditätssituation. Mitverantwortlich war hier das Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Am GLRG III im Juni und Sep­tem­ber 2020 nah­men 24 beziehungsweise 14 Ban­ken der befragten 34 teil. Damit war das In­ter­es­se an den ge­ziel­ten län­ger­fris­ti­gen Re­fi­nan­zie­rungs­ge­schäf­ten mit der EZB höher als zum letzten Meldezeitpunkt. Die auf­ge­nom­me­nen Mit­tel wur­den in ers­ter Linie für die Kre­dit­ver­ga­be (vor allem im Bereich der privaten Immobilienfinanzierung), die Sub­sti­tu­ti­on von GLRG II-Mit­teln und die Li­qui­di­täts­hal­tung im Eu­ro­sys­tem ver­wen­det.

Die Kreditvergaberichtlinien wurden im dritten Quartal 2020 in allen Kreditsegmenten (Un­ter­neh­mens-, Woh­nungsbau-, Kon­su­men­ten-, sons­ti­ge Kre­di­te) verschärft, wobei die Verschärfung weniger stark war als im letzten Quartal. Für die kom­men­den drei Mo­na­te pla­nen die Ban­ken in allen er­frag­ten Be­rei­chen eine weitere Straffung der Kreditvergabe. Auf die weiterhin große Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung reagierten die Finanzinstitute mit erhöhten Sicherheits-Erfordernissen bei der Darlehensvergabe und einer Ausweitung der Margen für risikoreiche Kredite. Die An­pas­sun­gen der Kre­dit­ver­ga­be­po­li­tik deu­ten in der Summe dar­auf hin, dass die Ban­ken im ge­gen­wär­ti­gen Um­feld vor­sich­tig agie­ren und auf ge­stie­ge­ne kre­dit­neh­mer­sei­ti­ge Ri­si­ken re­agie­ren.

Kredit-Nach­fra­ge weiterhin steigend

Die Kreditnachfrage der Unternehmen nahm erneut zu. Allerdings war der Anstieg, wie von den Instituten prognostiziert, etwas geringer als noch im zweiten Quartal.

Der An­stieg der Nach­fra­ge war wie im Vor­quar­tal im hohen Fi­nan­zie­rungs­be­darf für La­ger­hal­tung und Be­triebs­mit­tel begründet. Nach­fra­ge­stei­gernd wirk­te zudem der ge­stie­ge­ne Mit­tel­be­darf für Um­fi­nan­zie­rung, Um­schul­dung und Neu­ver­hand­lung be­stehen­der Kre­di­te oder Kre­dit­li­ni­en. Die Be­le­bung der Nach­fra­ge nach Un­ter­neh­mens­kre­di­ten durch die Co­ro­na-Hilfs­pro­gram­me der KfW und der För­der­ban­ken der Län­der ließ zuletzt etwas nach.

Darüber hinaus legte die Nachfrage nach Wohnungsbau-Krediten wieder zu und erholte sich damit von dem im Vorquartal vermeldeten Einbruch. Dazu beigetragen haben die historisch gesehen weiterhin sehr niedrigen Hypothekenzinsen. Diese liegen im längerfristigen Bereich (10 bis 20 Jahre) bei durchschnittlich rund ein Prozent.

Die Banken reagierten auf die gestiegene Nach­fra­ge nach Un­ter­neh­mens- und Woh­nungs­bau­kre­di­ten mit einer relativ hohen Ablehnungsquote. Vor allem Un­ter­neh­men aus be­son­ders von der Krise be­trof­fe­nen Bran­chen sowie Neu­kun­den hat­ten einen schlech­te­ren Kre­dit­zu­gang. Bis Jahresende rech­nen die Finanzinstitute mit einem wei­te­ren An­stieg der Nach­fra­ge nach Un­ter­neh­mens­- und Kon­su­men­tenkrediten. Der Bedarf an Wohnungsbaukrediten soll dagegen konstant bleiben.

Zur Kreditvergabe liegen noch keine endgültigen Zahlen für das dritte Quartal vor. Wenn sich der Trend des letzten Quartals fortsetzt, ist mit einem leichten Anstieg zu rechnen. Das ausstehende Volumen der Kredite an inländische Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige stieg im zweiten Quartal zum Beispiel um circa 15 Milliarden auf 1.015 Milliarden Euro.


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