Deutschland

Risiko einer zweiten Rezession in Deutschland steigt

Lesezeit: 2 min
28.10.2020 10:23  Aktualisiert: 28.10.2020 10:23
Ökonomen schließen wegen der stark steigenden Corona-Positivtests und wegen der drohenden Gegenmaßnahmen einen Rückfall der deutschen Wirtschaft in die Rezession nicht mehr aus. Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge droht eine zweite Corona-Welle die Erholung der Konjunktur abzuwürgen.
Risiko einer zweiten Rezession in Deutschland steigt
Der geplante zweite Lockdown wird die angeschlagene deutsche Wirtschaft wieder in die Rezession stürzen. (Foto: dpa)
Foto: Arne Immanuel B

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Sollte der Lockdown so wie von der Bundesregierung geplant kommen, dürfte das Bruttoinlandsprodukt im laufenden vierten Quartal nicht mehr wachsen, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer am Mittwoch. "Stattdessen könnten wir uns über eine schwarze Null freuen, wobei das Risiko einer zweiten Rezession beträchtlich ist", so Krämer. "Hinzu kommt, dass viele Unternehmen wegen des ersten Lockdowns noch sehr geschwächt sind. Man kann die Wirtschaft nicht wie eine Lampe ein- und ausschalten, ohne dass es zu massiven Schäden kommt."

Ähnlich schätzt das der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, ein. "Sollte es zu drastischen Einschränkungen kommen, die deutlich über das bisher angekündigte Maß hinausgehen, könnte die Wirtschaft um bis zu zwei Prozent schrumpfen", sagte Schmieding mit Blick auf das laufende Quartal.

Wenn sich die Lage in einigen Wochen wieder etwas entspannen sollte nach einer Zeit schärferer Maßnahmen, dürfte das für viele Händler so wichtige Weihnachtsgeschäft vor allem vom November in den Dezember und teils auf den Online-Handel verlagert werden. "Auch die Exportnachfrage aus China und den USA läuft derzeit gut", sagte der Experte. "Das gleicht einen Teil der möglichen Verluste in Europa aus."

Die Wirtschaft war wegen des ersten Lockdowns im Frühjahr mit 9,7 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie. Für das zurückliegende Sommerquartal gehen von Reuters befragte Ökonomen von einem Wachstum von 7,3 Prozent aus. Das Statistische Bundesamt will eine erste Schätzung dazu an diesem Freitag veröffentlichen.

Die Bundesregierung schlägt den Ländern zur Eindämmung der Corona-Pandemie drastische Einschränkungen für den gesamten kommenden Monat vor. Ab 4. November sollen Gastronomie sowie alle Freizeit- und Sporteinrichtungen schließen, geht aus einer Vorlage des Bundes für die Verhandlungen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch hervor.

Zudem soll es massive Kontaktbeschränkungen geben: Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit soll sogar "ab sofort" nur mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes gestattet werden.

DIW: Zweite Corona-Welle würgt Aufschwung in Deutschland ab

Die zweite Corona-Welle droht dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge die Erholung der Konjunktur abzuwürgen. "Der Aufschwung wird sehr wahrscheinlich deutlich ausgebremst werden", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen am Mittwoch.

"Es drohen wieder schärfere Einschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens – das Pandemiegeschehen nimmt Verbraucherinnen, Verbrauchern und Unternehmen die Zuversicht." Und das in einer Zeit, in der viele Firmen noch mit den Folgen des Lockdowns vom Frühjahr kämpften und kaum noch finanzielle Reserven hätten.

Stand jetzt werde die Wirtschaftsleistung zum Jahresende nur leicht steigen, der kräftige Aufholprozess aus dem Sommer dürfte sich nicht fortsetzen. Das DIW-Konjunkturbarometer für das letzte Quartal fiel von 122 auf 105 Punkte. "Das Wirtschaftsgeschehen wird wohl stellenweise wieder lahmgelegt werden – wenn auch nicht in dem Maße wie im Frühjahr", warnte Michelsen. Das Risiko, dass die Produktion – abhängig vom konkreten Infektionsverlauf – wieder deutlich zurückgefahren werde, sei in den vergangenen Wochen merklich gestiegen.

Weiterlesen: Dunkle Wolken am Konjunktur-Himmel: KfW-Studie deckt verheerende Folgen des Lockdowns auf

Über die Auswirkungen von Corona auf die Wirtschaft, über die Politik und das Konjunkturpaket sowie über den Euro und die EZB sprach der Anlageberater, Ökonom und Buchautor Marc Friedrich kürzlich mit dem früheren Präsidenten des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung Hans-Werner Sinn.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die Befürworter des digitalen Euro starten eine PR-Offensive

EZB-Direktor Panetta fordert die rasche Einführung eines digitalen Euro. Unterstützung erhält er dabei auch von Bundesfinanzminister...

DWN
Deutschland
Deutschland Der ständige Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ treibt die Deutschen zur Weißglut

Der inflationär erhobene Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ gegen die Bürger ist hochgefährlich. Die Urheber dieser Kritik bewirken...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krise bei Daimler - ein Vorgeschmack auf die internen Kämpfe, die deutschen Autobauern noch bevorstehen

Im zunehmend eskalierenden Streit bei Daimler droht die Führung dem Betriebsrat nun offen. Die Auseinandersetzungen sind Folge des...

DWN
Politik
Politik Gefährliche Lage: Deutschland wird zum „Client State“ der USA

Die neue US-Regierung wird versuchen, Deutschland im Interesse der USA auf dem geopolitischen Schachbrett der Welt einzusetzen. Deutschland...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation voraus? Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge M1 wächst stark

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge zeigt deutliche Zuwachsraten. Insbesondere das starke Wachstum der liquiden Menge M1 könnte...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsen tun sich am "Black Friday" schwer

Dax und EuroStoxx50 legten am Freitag leicht zu, Gold und Silber brach ein, und Kupfer markierte ein Siebeneinhalb-Jahres-Hoch.

DWN
Finanzen
Finanzen So erfüllt sich Ihr Traum vom Eigenheim

Das Eigenheim als Altersvorsorge? Viele Deutsche träumen davon. Doch nur wenige besitzen hierzulande tatsächlich die Immobilie, die sie...

DWN
Politik
Politik Totale Kontrolle? China fordert globales Gesundheits-Code-System, um Reisen zu erlauben

China fordert die Einführung eines globalen QR-Code-Systems, um die grenzüberschreitende Bewegung von Menschen inmitten der...

DWN
Politik
Politik Russland feuert Hyperschall-Rakete in die Barentssee

Die russische Marine hat im Rahmen eines Tests einen Hyperschall-Marschflugkörper der Klasse „Tsirkon“ vom Weißen Meer aus in die...

DWN
Politik
Politik Hiobsbotschaft: Merkel will Unternehmen nicht durch die gesamte Corona-Krise hindurch unterstützen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat deutlich gemacht, dass die milliardenschweren Finanzhilfen nicht unbeschränkt geleistet werden können....

DWN
Politik
Politik Bundesrat stimmt zu: Im August kommt der Personalausweis mit Fingerabdruck

Ab August 2021 wird der Personalausweis die Fingerabdrücke des Trägers enthalten. Bei Kinderreisepässen sollen Eltern offenbar zur...

DWN
Deutschland
Deutschland In Sachsen-Anhalt entscheidet sich, ob der Rundfunkbeitrag deutschlandweit erhöht wird

Es liegt an einer Abstimmung des Landtages in Magdeburg, ob der Rundfunkbeitrag in ganz Deutschland erhöht wird. Die Grünen versuchen,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Rhodium: Das edelste aller Metalle sprengt den Preisrahmen

Der Höhenflug von Rhodium nimmt kein Ende. Mittlerweile ist das „edelste aller Metalle“ mehr als achtmal so viel Wert wie Gold. Kann...

DWN
Politik
Politik Großkonzerne und Staaten arbeiten an der lückenlosen Überwachung aller Reisenden

Zusammen mit Geheimdiensten und Staaten arbeiten die im Weltwirtschaftsforum zusammengeschlossenen Großkonzerne an der totalen...