Finanzen

Anleger erwarten Machtwechsel in Washington: Die US-Börsen steigen

Die US-Aktienmärkte stiegen heute deutlich. Experten sagen, die Börsianer würden mit einem reibungslosen Biden-Sieg bei der Präsidentschaftswahl rechnen.
03.11.2020 20:26
Aktualisiert: 03.11.2020 20:26
Lesezeit: 1 min
Anleger erwarten Machtwechsel in Washington: Die US-Börsen steigen
Investoren erwarten bei einem Biden-Sieg florierende Aktienmärkte. (Foto: dpa) Foto: Julio Cortez

In Erwartung eines Machtwechsels in Washington decken sich Anleger mit US-Aktien ein. Der US-Standardwerteindex Dow Jones stieg am Dienstag um zwei Prozent auf 27.450 Punkte. Der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq gewannen ähnlich stark.

"Die Märkte sind zuversichtlicher geworden, dass Joe Biden die Präsidentschaftswahl ohne eine wochenlange Hängepartie gewinnt", sagte Derek Halpenny, Chef-Analyst für Europa bei Bank Mitsubishi UFJ. Sollten Bidens Demokraten auch in beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit erobern, könne der Nachfolger des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump durchregieren, ergänzte Jean-Marie Mercadal, Chef-Anleger des Vermögensverwalters OFI. "In Anbetracht der Covid-19-Krise dürfte eine demokratische Regierung schnell ein groß angelegtes Konjunkturprogramm verabschieden."

Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com, warnte vor überzogenem Optimismus. "Vorsicht mit Nachwahl-Befragungen. Sie haben nicht die beste Erfolgsbilanz." Wegen der enormen Zahl an Briefwahl-Stimmen seien Verzögerungen bei der Auszählung unausweichlich. Ein weiteres Risiko seien Anfechtungsklagen, gab Analyst Timo Emden von Emden Research zu bedenken. "Denn der amtierende Präsident Donald Trump hatte im Vorfeld mehrfach angekündigt, im Falle eines knappen Wahlsieges Bidens sich nicht kampflos ergeben zu wollen."

Konjunkturabhängige Werte und Rohstoffe gefragt

Investoren griffen dennoch zu konjunkturabhängigen Werten. So stiegen die Aktien von Banken wie Citigroup und JPMorgan oder Industriekonzernen wie Caterpillar und Honeywell um bis zu 3,5 Prozent.

Die Hoffnungen auf einen Wachstumsschub spiegelten sich auch im Ölpreis wider. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um 2,6 Prozent auf 37,78 Dollar je Barrel (159 Liter). Sie profitierte außerdem von den anhaltenden Spekulationen auf eine Verlängerung der aktuellen Förderbremse durch das Exportkartell Opec, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Industriemetalle waren ebenfalls gefragt. Kupfer rückte 0,7 Prozent vor auf 6809,50 Dollar je Tonne.

Unterdessen legte der Goldpreis ebenfalls 0,7 Prozent auf 1905,76 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. Auftrieb erhielt er Börsianern zufolge von der Abwertung des Dollar, die das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA attraktiver macht. Der Dollar-Index, der den Kurs zu anderen wichtigen Währungen widerspiegelt, büßte 0,7 Prozent ein. Eine drohende ausufernde Neuverschuldung zur Finanzierung von Konjunkturhilfen sowie die Festlegung der US-Notenbank auf eine langfristige Nullzins-Politik sehen Experten als Belastungsfaktoren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Edelmetalle in einer neuen Marktphase

Gold über 5.500 US-Dollar, Silber über 100 US-Dollar pro Unze

DWN
Panorama
Panorama Solarstrom, Euro, Fastenmonat – das bringt der Februar
30.01.2026

Im kürzesten Monat des Jahres verschwindet eine Währung endgültig aus einem EU-Land, für Urlauber bringt das Erleichterung. Für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globale Finanzmärkte unter Druck: Welche Risiken die Yen-Aufwertung mit sich bringt
30.01.2026

Der japanische Yen entwickelt sich zunehmend zu einem Risikofaktor für die internationalen Finanzmärkte. Welche Kettenreaktionen drohen...

DWN
Technologie
Technologie Drohnenabwehr ohne Kollateralschäden: Deutsches Start-up Argus Interception entwickelt neue Soft-Kill-Technologie
30.01.2026

Unbemannte Systeme verändern militärische und zivile Sicherheitskonzepte in Europa spürbar. Welche technologischen und politischen...

DWN
Finanzen
Finanzen TKMS-Aktie auf Rekordhoch: Norwegen bestellt weitere U-Boote bei Thyssenkrupp Marine Systems
30.01.2026

Norwegen setzt beim Ausbau seiner Marine weiter auf TKMS-U-Boote und erweitert den Großauftrag deutlich. Auch andere Staaten beobachten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt: Mehr als drei Millionen Arbeitslose in Deutschland
30.01.2026

Die Arbeitslosenzahl steigt im Januar saisonüblich an. In diesem Jahr wurde allerdings eine wichtige Schwelle überschritten.

DWN
Politik
Politik Begrenzte Waffenruhe: Russland stimmt Ukraine-Waffenruhe bis Sonntag zu – Chance für Frieden oder Kalkül?
30.01.2026

Eine überraschende Entwicklung deutet auf Entspannung im Ukraine-Krieg hin: Russland signalisiert Zustimmung zu einer begrenzten...

DWN
Finanzen
Finanzen Trump setzt auf Kevin Warsh als Fed-Chef: Neuer Kurs für die US-Notenbank?
30.01.2026

US-Präsident Donald Trump bringt mit Kevin Warsh einen möglichen neuen Fed-Chef ins Spiel. Doch kann ein Machtwechsel die Geldpolitik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation in Deutschland steigt wieder über zwei Prozent: Lebensmittelpreise steigen
30.01.2026

Die Inflation in Deutschland zieht zu Jahresbeginn wieder an und belastet viele Verbraucher spürbar. Besonders bei Lebensmitteln steigen...