Deutschland

Erste Übertragung des Seoulvirus von Tier auf Mensch in Deutschland

Die Übertragung von Viren in Tieren auf den Menschen ist seit der Corona-Pandemie ein Dauerthema. Aber nicht nur das Sars-CoV-2-Virus wird so übertragen. Unzählige andere Viren wie etwa Hantaviren gelingt es, auf Menschen überzuspringen.
12.11.2020 16:16
Lesezeit: 1 min
Erste Übertragung des Seoulvirus von Tier auf Mensch in Deutschland
12.11.2020, Baden-Württemberg, Maulbronn: Eine Ratte holt sich aus einem Vogelhaus Futter. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Greifswald/Berlin (dpa) - In Deutschland ist erstmals die Übertragung des in Asien verbreiteten und hochinfektiösen Seoulvirus von einem Tier auf einen Menschen nachgewiesen worden. Seoulviren gehören zur Familie der Hantaviren. Forscher der Berliner Charité und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems konnten das Virus bei einer Heimratte und ihrer Besitzerin aus Niedersachsen nachweisen.

Einer Mitteilung der Charité und des FLI von Donnerstag zufolge war das Virenerbgut bei der Patientin und der Ratte identisch. «Dies bestätigt eine Erkrankung durch Übertragung des Erregers vom Tier auf den Menschen», sagte Jörg Hofmann, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Hantaviren an der Charité. «Der Nachweis eines weiteren Zoonose-Erregers in Heimratten unterstreicht erneut die Notwendigkeit eines Monitorings von Heimratten auf Erreger», fügte Rainer Ulrich vom FLI auf der Insel Riems hinzu. Zoonosen sind Krankheiten, die zwischen Tier und Mensch hin und her wandern können.

Die Übertragung des Seoulvirus könnte Auswirkungen auf den Umgang mit Wild- und Heimratten haben. «Bislang dachte man nur bei Mäusekontakt an Hantavirus-Infektionen. Jetzt muss man die Möglichkeit einer Infektion auch bei Kontakt zu Wild- oder Heimratten in Betracht ziehen», sagte Hofmann. Der Nachweis in einer Heimratte bedeute auch, dass über den Verkauf dieser Tiere das Virus überallhin exportiert werden kann. Vorsicht sei bei der Rattenhaltung geboten.

Das Seoulvirus führe häufig zu schweren Krankheitsverläufen. Es komme nicht in Mäusen vor. Übertragungen dieses Virus von Ratten auf Menschen seien bereits in mehreren Fällen auch außerhalb Asiens dokumentiert worden. Wie die Charité berichtete, musste die junge Patientin in Niedersachsen mehrere Tage mit Symptomen eines akuten Nierenversagens intensivmedizinisch versorgt werden.

Das Virus sei wahrscheinlich durch infizierte Wildratten auf Schiffen nach Europa gelangt, konnte in Deutschland bisher aber noch nie beobachtet werden, sagte Hofmann. Die infizierte Zuchtratte der Patientin sei vermutlich aus einem anderen Land nach Deutschland importiert worden. Sie hatte das Tier zwei bis drei Wochen vor ihrer Erkrankung gekauft.

Nach mehreren Ausbrüchen sind Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland seit 2001 meldepflichtig. Die Häufigkeit von Infektionen mit diesen Viren variiere zwischen 200 und 3000 pro Jahr. Das hänge von den Regenmengen ab, sagte Hofmann. Gebe es viele Niederschläge, ist die Ernährungslage von Mäusen gut und sie vermehren sich kräftig. Die Übertragung der Viren auf den Menschen erfolge über die Ausscheidungen der Tiere.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik So hat sich die EU ihre technologische Unabhängigkeit vorgestellt
07.06.2026

Die EU will ihre Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen verringern. Statt schneller Abkopplung setzt Brüssel auf Chips, Cloud, KI und Open...

DWN
Immobilien
Immobilien Horrende Mieten in Deutschland: 6,6 Millionen Haushalte finanziell überlastet
07.06.2026

In Deutschland ist inzwischen jeder dritte Mieterhaushalt von den Wohnkosten finanziell überlastet. Das ergab eine Studie des...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO könnte zum Wendepunkt für Weltraum-Aktien werden
07.06.2026

Die Vorfreude auf den Börsengang von SpaceX treibt Weltraum-Aktien auf immer neue Höhen. Doch gerade die größten Euphoriephasen an den...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögen schützen: Interessenskonflikte im Asset Management erkennen
07.06.2026

Vermögensverwalter betonen gerne ihre Unabhängigkeit und die Ausrichtung am Kundenwohl. Doch hinter den Kulissen wirken häufig Anreize,...

DWN
Immobilien
Immobilien Wende am Immobilienmarkt: Hier lohnt sich Wohneigentum wieder
07.06.2026

Der deutsche Immobilienmarkt kommt in Bewegung. Gerade Eigentumswohnungen werden wieder interessanter, allerdings bleiben die regionalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was die Chinesen in Europa alles aufkaufen
07.06.2026

Ein halbes Dutzend aufsehenerregender Übernahmen – welche haben am meisten wehgetan?

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Einsatz in Deutschland: KI bleibt in Unternehmen oft im Testlauf stecken
07.06.2026

Der Hype um Künstliche Intelligenz in der deutschen Wirtschaft ist groß. Doch der Schritt vom ersten Testlauf in den täglichen...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Mit ID. Polo und Cupra Raval beginnt die Elektro-Offensive von Volkswagen
07.06.2026

Volkswagen startet mit einer neuen Generation kompakter Elektroautos in einen der wichtigsten Wachstumsmärkte Europas. Die Erwartungen an...