Deutschland

"Die meisten Brennpunkte der Welt kenne ich aus eigenem Erleben": Erinnerungen eines DWN-Lesers

Lesezeit: 10 min
21.11.2020 08:58
Die DWN veröffentlichen die Erinnerungen ihres Lesers Horst Zeck. Der mittlerweile 83-jährige Export-Kaufmann hat ein abenteuerliches Leben geführt, in dessen Verlauf er die halbe Welt gesehen hat. Wobei seine Erlebnisse mit den außenpolitischen Aktionen einer bestimmten Macht immer eng verknüpft waren.
Teheran, 4. November 1979: Radikale iranische Studenten stürmen die amerikanische Botschaft.
Foto: epa Irna

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Häufig treten Leser an die DWN-Redaktion heran mit der Bitte, einen Text, einen Essay, einen Artikel von ihnen zu publizieren.

Aus Platz- und aus Zeitgründen können wir nicht allen Bitten nachkommen – so leid uns das tut.

Vor einigen Wochen erreichte uns die Zuschrift unseres Lesers Horst Zeck aus Buchholz in der Nordheide (südlich von Hamburg). Herr Zeck teilte uns mit, dass er seine Erinnerungen an den 2. Weltkrieg an ein anderes Medium geschickt habe, zum Nachlesen und Erinnern für künftige Generationen. „Beim Schreiben“, so der 87-Jährige, sei ihm bewusst geworden, „dass ich in meinem ganzen Leben mit Kriegen konfrontiert wurde, an denen die Amerikaner mittelbar oder unmittelbar beteiligt waren. Sie waren dabei so dilettantisch, wie jetzt bei den Verhandlungen in Doha mit den Taliban.“ Dies erinnere ihn daran, wie am Ende des Vietnamkriegs „die Amerikaner ihre letzten Botschaftsangehörigen vom Dach der Botschaft per Hubschrauber ausflogen. Eine Supermacht auf der Flucht vor einem Krieg, den sie selbst provoziert hatten.“

Herr Zeck, dessen Beruf als Exportkaufmann ihn um die ganze Welt, auf vier verschiedene Kontinente geführt hat, entschloss sich daraufhin, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben. Sie ist so eindrucksvoll, dass wir sie unseren Lesern nicht vorenthalten möchten und veröffentlichen sie daher an dieser Stelle, in leicht gekürzter Form. Es handelt sich um die Erinnerungen des Angehörigen einer Generation, die uns allmählich verlässt: Eine faszinierende, nachdenklich machende Lektüre.

Ihr Hauke Rudolph

DWN-Chefredakteur

Kriegskind in Oldenburg

Ich wurde im November 1937 in Oldenburg in Oldenburg geboren. Wir wohnten im Stadtteil Donnerschwee, etwa 500 m entfernt von der Flakkaserne, die häufig Ziel von Bomberangriffen war.

Zunächst kamen die Bomber nur nachts, aber später in immer kürzeren Abständen auch am Tag, begleitet von Tiefflieger-Kampfflugzeugen.

Im Jahr 1944 wurde ich eingeschult. Meine Schule verfügte über einen Bunker, der aber zu klein war, um alle Kinder aufzunehmen, weshalb alle, die im Umkreis von zehn Minuten wohnten, bei Bombenalarm nach Hause mussten, denn alle Häuser verfügten über einen Luftschutzbunker (der mit gelber Leuchtfarbe gekennzeichnet und von außen zugänglich war).

Ich war einer von denjenigen, die bei Bombenalarm nach Hause mussten, und zwar manchmal mehrmals am Tag.

Da die Bomber, wie schon gesagt, von Tieffliegern begleitet wurden, die auf alles schossen, was sich bewegte, auch auf Kinder, wurden auf unserem Schulhof Ein-Mann-Löcher ausgehoben, und wir wurden trainiert, bei Pfiff in diesen Löchern Deckung zu suchen. Unser Sportlehrer hatte eine Pfeife, die einen ähnlichen Ton erzeugte wie ein Tiefflieger, der in den Sturzflug ging. Der Lehrer ließ uns auf dem Hof herumlaufe, bis er seine Pfeife ertönen ließ und wir in die Löcher sprangen.

Auf unseren Heimwegen waren überall diese Ein-Mann-Löcher extra für uns ausgehoben. Wir kannten ihre Positionen genau.

"Wo ist Armin?"

An einen Bomberalarm erinnere ich mich noch besonders gut. Dietmar Hansmann hatte als erster sein Haus erreicht. Ich war der nächste. Mein Sitznachbar in der Schule, Armin, hatte noch circa 300 Meter bis zu seinem Haus, auf seinem Weg befand sich kein ausgehobenes Loch. Wir waren darauf trainiert, in diesem Fall in dem ersten Bunker Schutz zu suchen, der erreichbar war. Das tat Armin – dann waren die Bomber da.

Nach dem Angriff waren einige Häuser zerstört, ein Haus hatte einen Volltreffer abbekommen und war im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr existent. So war es damals, wir kannten es nicht anders: Nach jedem Angriff hatte sich die Welt verändert.

Ich stand auf der Straße, als Armins Mutter zu mir kam und fragte: Wo ist Armin? Ich wusste es nicht. Aber ich half, die Trümmer des getroffenen Hauses wegzuräumen, das völlig zerstört war, um zu sehen, ob noch Verschüttete unter den Trümmern lagen. Dann sah ich einen Arm – er gehörte Armin. Er war tot. Insgesamt sind sechs Kinder unserer Schule während des Krieges durch Bomben getötet worden.

Die Flak

Bei einem anderen Fliegeralarm waren die Flugzeuge schon da, bevor wir unsere Häuser erreichen konnten, und so wurden wir von einem Tiefflieger beschossen. Aber wir Kinder waren viel zu schnell und wendig, und so waren wir in die Löcher gesprungen, bevor die Besatzung ihre Maschinengeschütze auslösen konnte. Wir hörten nur das Rattern. Bis heute bin ich davon überzeugt, dass die Männer sehen konnten, dass sie auf Kinder schossen.

An einem anderen Tag war wieder Bombenalarm, und ich musste nach Hause. An der Kellertreppe unseres Hauses sah ich mich noch einmal um. Da sah ich sie, die Flugzeuge. Der ganze Himmel war voll von ihnen, und der Lärm ihrer Motoren erfüllte die Luft. Die Flak war Ziel ihres Angriffs. Plötzlich lösten sich aus den Bombern kleine schwarze Punkte, die sich zu einer Perlenkette vereinten.

Ich dachte: Was ist das? Als ich von der Druckwelle die Treppe heruntergeschleudert wurde, wusste ich, dass sind Bomben.

Nach dem Angriff ging ich zur Flakkaserne, um mir die Schäden anzusehen. Da sah ich sie, die toten Soldaten. Säuberlich aufgereiht auf dem Bürgersteig: Die Füße zur Straße, die Gesichter waren abgedeckt. Es sah aus, als ob sie noch im Tod eine stramme Haltung eingenommen hätten.

Keine Einbildung

Und an noch einen Bombenalarm kann ich mich erinnern. Nachdem er vorüber war, hatte sich die Welt wieder einmal verändert. Dietmar Hansmann und ich standen auf der Straße und schauten uns um, als die Frau unseres Schulleiters, der auch in unserer Straße wohnte, auf uns zutrat. Sie fragte, ob wir ihr helfen könnten, ihren Mann abzuholen. Wir hatten keine Ahnung, was sie meinte, aber selbstverständlich erfüllten wir ihr diesen Wunsch. Zunächst gingen wir zu einem Stellmacher ganz in der Nähe, wo sich Frau Wilms einen Leiterwagen auslieh. Mit dem fuhren wir an der Kaserne vorbei, um den Sportplatz herum, zum Wasserwerk. Wir gingen um eine Kurve – da lag, auf der linken Seite hinter einem großen Baum, unser Schulleiter.

Er war von einem Tiefflieger erschossen worden. Wir schoben den Leiterwagen seitlich an ihn heran – danach setzten meine Erinnerungen aus. Ich erinnere nur schemenhaft, dass Frau Wilms auf dem Leiterwagen stand, vielleicht auch kniete. Dietmar und ich standen auf jeden Fall auf dem Boden seitlich des Leiterwagens. Ich erinnere mich nicht, wie wir den Körper auf den Leiterwagen hievten. Meine Erinnerung setzt erst wieder an dem Zeitpunkt ein, als wir auf dem Heimweg waren. Frau Wilms zog vorne an der Deichsel, Dietmar und ich schoben. Unser Schulleiter lag rücklings auf dem Wagen, und wir schauten auf seine Schuhe. Ich erinnere genau, dass er schwarze halbhohe Stiefel trug. Er hatte einen grauen Anzug mit Fischgratmuster an.

Dietmar und ich haben nie über dieses Erlebnis gesprochen. Weder in der Schule und auch später nicht, als wir erwachsen waren. Eigentlich habe ich bisher mit niemandem darüber gesprochen – mit einer Ausnahme.

Als ich 50 Jahre alt war, bei einem Klassentreffen, sprach ich das Erlebnis gegenüber einem Klassenkameraden an, Günter Holze, der ein unmittelbarer Nachbar unseres Schulleiters gewesen war. Ich erzählte ihm, dass ich eine Erinnerung habe, von der ich nicht wisse, ob sie nur in meiner Fantasie existiere oder real sei. Günter erwiderte: „Ich habe euch gesehen, als ihr mit dem Leiterwagen kamt. Herr Wilms lag auf dem Wagen, seine Frau hat vorne gezogen, und du und Dietmar Hansmann, ihr habt hinten den Wagen geschoben. Dann habt ihr den Wagen seitlich vom Haus abgestellt, und ihr seid gegangen“. Nun wusste ich, dass es sich nicht um Einbildung gehandelt hatte.

Ein Fremder

Dann war der Krieg zu Ende. Die Alliierten zogen in Oldenburg ein, und die Soldaten marschierten an unserem Haus vorbei zur Kaserne. Zum ersten Mal sah ich die Männer, die mich und die anderen Kinder bombardiert und aus Tieffliegern beschossen hatten.

Man hatte uns gesagt, dass diese Soldaten Kinder schlachten und essen würden, und wir sollten nichts annehmen, denn alles sei vergiftet. Entsprechend groß war unser Misstrauen.

Dann sah ich zum ersten Mal in meinem Leben einen schwarzen Mann. Bislang hatten wir nur gespielt: „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“, und nun stand einer vor mir und hielt mir etwas Süßes entgegen. Ich war starr vor Schreck und rannte fort, so schnell ich nur konnte.

Noch ein Fremder

Mein Vater wurde 1937 zum Wehrdienst eingezogen, 1939 begann der Krieg. Er hat zunächst in der Artillerie den Frankreichfeldzug mitgemacht, danach ging es nach Russland. Dort kam er in Gefangenschaft. Im Herbst 1948 kam er als Spätheimkehrer nach Hause. Ich konnte mich nicht daran erinnern, diesen Mann jemals gesehen zu haben. Er war für mich ein Fremder – und blieb es sein Leben lang.

Goldene Jahre in Amerika

Mit 16 Jahren verließ ich das Haus und begann eine Lehre im Import/Export. Anschließend habe ich ganz Europa bereist und kennengelernt. 1964 bin ich ausgewandert in die USA und habe auch dort im Export gearbeitet. Bis 1975 tobte der Vietnam-Krieg, und das Unternehmen, für das ich arbeitete, war in die Truppenversorgung eingebunden. In der Hoch-Zeit befanden sich 550.000 US-Soldaten in Vietnam. Am Ende befand sich die Supermacht auf der Flucht vor einem Krieg, den sie selbst provoziert hatte.

Was die Wirtschaft der damaligen Zeit angeht: Malcolm McLean, der Erfinder des Containers, gründete die Reederei „Sealand“ und ließ Roll on Roll off-Schiffe bauen sowie 35-Fuß-Container. Die wurden in den Fabriken beladen, verplombt und schließlich auf die Schiffe verbracht. Der gesamte Frachtverkehr veränderte sich. In wirtschaftlicher Hinsicht waren es goldene Jahre, die ich in den USA verbrachte. Und ich scheue mich nicht, es zu sagen: Es waren die besten Jahre meines Lebens. Aber dennoch habe ich ein ambivalentes Verhältnis zu den USA. Ich traue den amerikanischen Politikern nicht – für mich sind sie die Dilettanten der Weltpolitik. Immerhin war ich in meinem ganzen Leben fast immer mit einem Krieg konfrontiert, an dem die USA mittelbar oder unmittelbar beteiligt waren.

Im Nahen Osten

Nach meiner Rückkehr aus Amerika in den 70er Jahren habe ich weiterhin im Export gearbeitet mit den Schwerpunkten Afrika sowie Nah- und Mittelost. Die meisten Brennpunkte dieser Welt kenne ich aus eigenem Erleben.

So bin ich von Jordanien aus über die Allenby-Brücke über den Jordan ins Westjordanland nach Palästina gegangen und habe dort viele intensive Eindrücke gewonnen. Israel kenne ich gut, ebenso Hebron, wo sich das Grab von Abraham befinden soll, dem Urvater der Israelis und der Araber, der meines Erachtens jedoch nie gelebt hat. Auch dort streiten sich Araber und Juden, wer die Herrschaft über dieses angebliche Grab haben soll. Ich war in Jericho, am See Genezareth, am Toten Meer und auf der Festung Masada, wo der letzte Widerstand der Zeloten gegen die Römer gebrochen wurde. Ich war in Bethlehem in der Geburtskirche und in Jerusalem in der Grabeskirche. Ich stand an der Klagemauer in Jerusalem und besuchte die Al-Aqsa Moschee auf dem Tempelberg. Ich war am Khatarinenkloster in der Wüste Sinai am Fuß des Berges Sinai und habe den sogenannten Berg Moses, 2285 Meter hoch, erstiegen, um den Sonnenaufgang zu sehen. Ich war auch auf den Golanhöhen, nahe der syrischen Ruinenstadt Stadt Quneitra. Vor 1969 wohnten dort 47.000 Menschen, heute lebt dort niemand mehr. Ich kenne auch den Libanon. In Beirut sah ich die Palästinenser-Lager Sabra und Schatila, wo die Menschen unter erbärmlichen Umständen leben.

In Saudi-Arabien sah ich schrecklich Dinge: Ich sah, wie die Religionspolizei radikal die Einhaltung der Gebetsstunden durchsetzte, und wie die Scharia-Urteile jeden Freitag nach dem ersten Morgengebet auf dem Platz vor der Moschee vollstreckt wurden. Da wurde ausgepeitscht, gesteinigt und geköpft, es wurden Glieder abgetrennt.

Meine Zeit ist Nahen Osten hat mich sehr geprägt. Ich sah die Sitten und Gebräuche der einzelnen Religionen und das Aufheben, das um sie gemacht wurde – und fühlte mich nur abgestoßen. Mein Verhältnis zu Religionen und Kirche hat sich im Nahen Osten radikal verändert.

Im Iran

Insgesamt war ich fast 20 Jahre in der Region tätig und habe gesehen, wie sehr sie sich in diesen Jahren veränderte. Auch die iranische Revolution habe ich vor Ort erlebt. 1975 verkündete der Schah in seinem Fünf-Jahres-Plan, dass die iranischen Ölquellen bis 1980 in die staatliche „National Iranian Oil Company“ (NIOC) überführt werden müssten. Die Erlöse sollten dem iranischen Volk zugutekommen. Diese Ölquellen waren in Besitz der Amerikaner und der Engländer. Mir war klar, dass dies das Ende des Schahs sein würde. Auf der Konferenz von Guadeloupe am 4. Januar 1979 verkündete US-Präsident Jimmy Carter seinen NATO-Verbündeten, das die Amerikaner dem Schah jegliche Unterstützung entziehen.

Chomeini stand zu der Zeit in Bagdad unter Hausarrest, Saddam Hussein befand sich in einem russischen Militärbündnis. Ich erlebte, wie Hetze und Proteste gegen den Schah geschürt wurden. Chomeini wurde aus dem irakischen Hausarrest abgeschoben nach Paris, wo er eine Exilregierung gründete. Im Frühjahr 1979 wurde der Schah durch Chomeini gestürzt. 1980 marschierte Saddam Husein dann mit amerikanischer logistischer Unterstützung und amerikanischem Kriegsgerät in den Iran ein und besetzte die iranischen Ölfelder, wodurch es zum Krieg kam. Für mich war klar, dass es sich um ein Komplott handeln musste. Es ging schließlich offiziell nur um das Öl – doch davon hatte Saddam im Irak selbst genug. Ich hätte gerne gewusst, was die Amerikaner Saddam Hussein geboten hatten, um Chomeini abzuschieben und aus dem russischen Militärbündnis auszusteigen. Ohne eine Belohnung hätte er weder das eine noch das andere jemals getan.

1980 stand ich vor der von iranischen Studenten besetzten US-Botschaft in Teheran, wo 51 amerikanische Botschaftsangehörige als Geiseln gefangen gehalten wurden, und wurde Augenzeuge dieser unglaublichen Ereignisse. Später, in den Jahren der Revolution, hörte ich die Iraner immer wieder sagen, wie schön es doch in den goldenen Zeiten gewesen war, als der Schah noch da war. Nichts sei schlechter gewesen, sondern alles besser.

"Die Geister, die ich rief"

1980 marschierten die Russen in Afghanistan auf Wunsch der kommunistischen Regierung ein, um einen Aufstand niederzuschlagen. Die USA unterstützten anschließend die Mudschaheddin – aus denen später die Taliban hervorgingen – um auf diese Weise die Russen in Afghanistan zu bekämpfen. Die Kämpfer wurden vom CIA ausgebildet und ausgerüstet, besonders mit den gefährlichen Bodenluftraketen „Stinger“, mit denen sie die russischen Helikopter vom Himmel holten. 1988 wurden die Verluste für die Russen zu groß, und sie zogen sich aus Afghanistan zurück und überließen das Land den Terroristen. Die Amerikaner haben dabei geholfen mit der von Ihnen gegründeten Terrorgruppe Mudschaheddin. Sie sind für das Chaos in Afghanistan verantwortlich, wie auch für die schlimmen Verhältnisse im Irak, im Iran, in Libyen, in Syrien und im Libanon.

Später dann wandten sich die Taliban gegen ihren Ziehvater USA und brachten die Twin Towers des World Trade Centers in New York zum Einsturz. In gewisser Weise kamen mir die Amerikaner vor wie Goethes Zauberlehrling: Wie werd´ ich die Geister, die ich rief, nur wieder los?

1984 sah ich den amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Bagdad im Fernsehen Arm in Arm mit Saddam Hussein und hörte ihn sagen: „This is America´s best friend.“

Im iranisch-irakischen Krieg von 1980 bis 1988 wurden alle kriegerischen Aktivitäten der Iraker von amerikanischen Militärberatern unterstützt. Alles Kriegsmaterial, über das Saddam Hussein verfügte, kam aus den USA, und so wussten die Amerikaner genau, was Saddam Hussein an Waffen zur Verfügung stand. Die behaupteten und nie gefundenen Massenvernichtungswaffen hätten – wenn es sie dann gegeben hätte – aus den USA kommen müssen. Es gab sie jedoch nicht. Es war eine Lüge der Amerikaner und ein Vorwand für den – in meinen Augen und in den Augen vieler Juristen – völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak. Sie bombten das Land zurück in die Steinzeit, in die Anarchie und ins Chaos, und stärkten damit den internationalen islamischen Terror.

Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag zwischen dem Iran und dem Irak.

Das Bündnis von Saddam Hussein mit den Amerikanern war sein Untergang. Meiner Ansicht nach wurde er von ihnen genauso verraten wie der Schah von Persien. Die Welt wurde nicht besser. Ich hätte gerne erlebt, wie der Nahe Osten heute aussehen würde, wenn Saddam Hussein im russischen Militärbündnis geblieben wäre.

Kein Frieden!

Ich trete nicht an, um für Diktatoren eine Lanze zu brechen, aber es stellen sich viele Fragen, die beantwortet werden müssen:

Gibt es in den Kriegs-Ländern im Nahen Osten jetzt eine Demokratie, denn das war das Ziel dieser Kriege? Nein, diese Länder wurden in die Anarchie gebombt und in die Rechtlosigkeit. Sie werden auf Jahre hinaus keinen Frieden haben. Die Menschen, die das Glück hatten, die Kriege zu überleben, haben ihr Hab und Gut verloren. Nicht nur die Elterngeneration hat keine Zukunfts-Perspektiven, sondern auch ihre Kinder und vielleicht sogar Kindeskinder, und daraus erwächst der Nährboden und speist sich der Nachwuchs für den Terrorismus.


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