Politik

In der Pandemie alles verloren: Gastronomen könnten eine neue Partei gründen

Die Pandemie könnte dazu führen, dass Gastronomen und Bürger aufgrund der politischen Entfremdung gemeinsam eine neue Partei gründen. Krisen hatten schon in der Vergangenheit immer wieder neue politische Alternativen hervorgebracht. Diesmal könnte eine neue Wirtschafts- und Bürgerpartei kommen, die frei ist von ideologischen Obsessionen.
20.11.2020 14:34
Aktualisiert: 20.11.2020 14:34
Lesezeit: 2 min
In der Pandemie alles verloren: Gastronomen könnten eine neue Partei gründen
Ein geschlossenes Lokal in der Frankfurter Innenstadt. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Die aktuelle Pandemie hat vor allem die Gastronomen in Deutschland schwer getroffen. Bereits zu Beginn der Pandemie gab es zahlreiche Gastronomen-Proteste.

BR24 berichtete am 24. April 2020: „Vor der Feldherrnhalle in München haben am Vormittag mehrere Münchner Gastwirte protestiert. Auf dem Odeonsplatz bauten die Wirte 400 Stühle aus Biergärten und Wirtschaften auf, die Lehnen beklebten sie mit den Logos ihrer Restaurants.“

Mdr.de führte am 8. Mai 2020 unter dem Titel „Gastronomen und Hoteliers geben symbolisch den Löffel ab“ aus: „Trotz der angekündigten Lockerungen für die Gastro- und Hotelbranche haben sich in Sachsen am Freitag erneut zahlreiche Unternehmen an Protestaktionen beteiligt. In Leipzig stellten sie 2.500 leere Stühle vor die Oper auf den Augustusplatz, in Dresden formierten sie auf dem Neumarkt ein rotes Herz aus Polsterstühlen. In Annaberg-Buchholz im Erzgebirge verpassten Gästeführer einer Statue von Adam Ries einen Mundschutz. Auch in Olbernhau und Zwickau beteiligten sich Unternehmer an der in Dresden gegründeten und koordinierten Initiative ,Leere Stühle‘.“

Am 28. Oktober 2020 titelte die Südwest-Presse: „Gastronomie protestiert gegen neuen Lockdown“. Das Blatt wörtlich: „Für die geplagte Gastronomie in Deutschland kommt es knüppeldick: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat beim Corona-Gipfel mit den Ministerpräsidenten eine wochenlange Zwangsschließung im Rahmen eines neuen Lockdowns bekannt gegeben. Unter den Hashtags #rettetdiegastronomieundveranstaltungswirtschaft und #alarmstuferot wird inzwischen zu Protesten aufgerufen. Über 40 Prozent Umsatz haben die Wirte seit März bereits eingebüßt, und jeder sechste Job ging verloren. Dass angesichts von Sperrstunden und Einschränkungen in Corona-Hotspots wahrscheinlich mindestens jeder dritte Betrieb den Winter nicht überleben wird, glauben der Branchenverband Dehoga.“

Das RND führt unter der Schlagzeile „Corona-Lage spitzt sich zu: Europas Gastronomie kämpft ums Überleben“ aus: „Ganz Europa kämpft mit steigenden Corona-Zahlen. Davon unmittelbar betroffen ist die Gastronomie (…) Die neuen Beschränkungen schmerzen besonders, weil Weihnachten schon fast vor der Tür steht. Adventliche Bürofeiern werden ebenso infrage gestellt wie feine Weihnachtsessen. Schon während der ersten Einschränkungen verbuchte die Hotel- und Gastronomiebranche in Europa zwischen Februar und April laut EU-Zahlen einen Einbruch von fast 80 Prozent.“

Die Gastronomen fühlen sich deutschlandweit alleingelassen, zumal es keine Garantie dafür gibt, dass die Anträge auf Corona-Nothilfen auch wirklich genehmigt werden. Die Regierungs- und Oppositionsparteien haben sich allesamt als unfähig erwiesen, die Probleme und Ängste der Gastronomen nachzuvollziehen. Stattdessen greifen einige Politiker wahllos und inflationär nach der „Verschwörungstheoretiker-Keule“, um Kritiken einzudämmen, während andere Politiker die Pandemie und die Unzufriedenheit der Bürger dazu missbrauchen, um politischen Profit zu erzielen.

Gründen Gastwirte und Bürger bald eine neue Partei?

Trotzdem ist es nicht abwegig, dass aus dieser Pandemie unter Umständen eine neue politische Partei hervorgehen könnte, die von den Gastronomen in Deutschland gegründet wird. In der Vergangenheit konnte man beobachten, dass es immer Krisen waren, die neue Parteien hervorgebracht haben. Eine derartige Gastronomen-Partei wäre auch im Interesse der Bürger, zumal sehr viele Jobs an der Gastronomie hängen. Die Gastronomie-Verbände in Deutschland hatten sich zwar für die Interessen der Gastronomen und Bürger eingesetzt, doch gehört wurden sie nicht, weil sie keine direkten politischen Einflussmöglichkeiten in den Länderparlamenten und im Bundestag haben.

Die Gastronomie verfügt im Gegensatz zur Pharmaindustrie oder zum Immobiliensektor über keine wirksame Lobby im Bundestag. Deshalb ist es denkbar, dass sich die Gastronomen in Deutschland zusammenfinden, um eine politische Alternative zu schaffen, die frei ist von ideologischen Obsessionen.

Denn es gibt keine Garantie dafür, dass die aktuelle Pandemie die letzte Pandemie gewesen ist. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft Gesetze verabschiedet werden könnten, die die Gastronomen noch tiefer in die Krise stürzen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Maßnahmen gegen China: Subventionen nur für Autos „Made in EU“
23.02.2026

Die EU-Kommission will Subventionen für Elektroautos, Hybrid- und Wasserstofffahrzeuge an strengere europäische Wertschöpfungsvorgaben...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf Dreiwochenhoch: Zollstreit und andere Unsicherheiten treiben Anleger in sichere Häfen
23.02.2026

Der Goldpreis zieht kräftig an und erreicht ein Dreiwochenhoch. Auslöser sind neue Turbulenzen im US-Zollstreit und überraschende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VDMA-Analyse: US-Zölle setzen Maschinenbau unter Druck – Exporte 2025 spürbar rückläufig
23.02.2026

Der deutsche Maschinenbau steckt im Spannungsfeld globaler Krisen, wie eine aktuelle VDMA-Analyse zeigt. Während einzelne Märkte Hoffnung...

DWN
Finanzen
Finanzen Hella-Aktie im Fokus: Anleger reagieren zurückhaltend auf komplizierten Ausblick
23.02.2026

Die Hella-Aktie steht vor einem herausfordernden Jahr: Sinkende Umsätze, eine schwächere Marge und ein anspruchsvolles Marktumfeld...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Crash geht weiter: Bitcoin-Kurs aktuell im Minus – Anleger leiden unter "extremer Angst"
23.02.2026

Der Bitcoin-Kurs gerät erneut massiv unter Druck. Politische Entscheidungen aus Washington, eskalierende Handelsspannungen und wachsende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitslosenquote gestiegen: 1,9 Millionen Hochgebildete von Armut gefährdet
23.02.2026

Gute Bildung bedeutet oft auch einen gut bezahlten Job – aber die Gleichung stimmt nicht immer. Für eine wachsende Zahl von Menschen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stickstoffdünger in der EU: CBAM verschärft den finanziellen Druck auf Landwirte
23.02.2026

Der drastische Rückgang der Stickstoffdünger-Importe in der EU trifft auf deutlich steigende Preise und verschärft den Druck auf die...

DWN
Politik
Politik EU-Rohstoffpolitik: Europäischer Rechnungshof sieht strukturelle Schwächen
22.02.2026

Die EU will mit ihrer Rohstoffpolitik die Versorgung mit kritischen Rohstoffen sichern, doch der Europäische Rechnungshof sieht deutliche...