Deutschland

Corona-Beschlüsse: Bund und Länder verordnen harte Maßnahmen

Bund und Länder haben sich auf neue Maßnahmen für Dezember geeinigt. Lesen Sie die Einzelheiten hier.
25.11.2020 22:59
Aktualisiert: 25.11.2020 22:59
Lesezeit: 2 min
Corona-Beschlüsse: Bund und Länder verordnen harte Maßnahmen
30.09.2020, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r) spricht während der Generaldebatte zum Bundeshaushalt im Bundestag mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU, l). (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Bund und Länder verschärfen angesichts der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen den Kurs in der Pandemie. Kanzlerin Angela Merkel und die 16 Ministerpräsidenten beschlossen am Mittwochabend nach mehr als siebenstündigen Beratungen, dass Gastronomie, Freizeit- und Kulturreinrichtungen bis zum 20. Dezember geschlossen bleiben müssen. Ab dem 1. Dezember werden zudem Regelungen für den Einzelhandel eingeführt, um eine Überfüllung der Läden vor allem im Weihnachtsgeschäft zu vermeiden. Außerdem einigte man sich auf eine neue Strategie für Corona-Hotspots, in denen es mehr als 200 Fälle auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen gibt. Dort sollen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, "um kurzfristig eine deutliche Absenkung des Infektionsgeschehens zu erreichen".

Die bisherigen Maßnahmen hätten zwar den exponentiellen Anstieg bei den Neuinfektionen gebrochen, sagte Merkel. "Aber das ist nur ein Teilerfolg." Deshalb müssten die für November verhängten Maßnahmen im Dezember bestehen bleiben, damit die Zahlen weiter zurückgingen. Die Kanzlerin wollte aber nicht sagen, bis wann die angestrebte Inzidenz von 50 erreicht werde, ab der Gesundheitsämter wieder Kontrolle in der Pandemie erreichen sollen. Denn für die Zeit vom 23. Dezember bis zum 1. Januar werde es Lockerungen von den beschlossenen strengen Kontaktbeschränkungen geben. "Und wir haben schon gesehen, wie mühselig das ist, die Kurve herunterzubringen."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete die Lage deshalb als weiterhin "sehr, sehr ernst". Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller warnte vor einer Überforderung der Krankenhäuser und wies auf die hohe Zahl an Corona-Intensivpatienten in Berliner Kliniken. "Der Corona-Winter stellt uns auf eine harte Probe", erklärte auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Die Entscheidung für ein 15-seitiges Corona-Maßnahmen-Paket fiel vor dem Hintergrund wieder leicht gestiegener neuer Corona-Fälle. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete 18.633 Positiv-Tests - mehr als am Mittwoch vergangener Woche. Die Zahl der neuen Todesfälle stieg mit 401 auf den bisher höchsten Wert an einem Tag.

Während es in sogenannte Corona-Hotspots zusätzliche Verschärfungen geben soll, wird Ländern vor allem im Norden freigestellt, dass sie Schließungen schon früher beenden können, wenn bei ihnen die Infektionen sehr stark gesunken sind. In dem Beschluss wird aber betont, dass man mit "umfassenden Beschränkungen bis Anfang Januar rechnen müsse". Vor Weihnachten wollen Bund und Länder eine weitere Bewertung der Lage vornehmen.

Die Kontaktregeln werden weiter verschärft. Private Zusammenkünfte sollen auf jeden Fall auf fünf Personen begrenzt werden. Vom 23. Dezember bis zum 1. Januar sollen "Treffen im engsten Familien- oder Freundeskreis" bis maximal zehn Personen erlaubt sein. Kinder bis 14 Jahre sind in beiden Fällen ausgenommen. Ein generelles Böllerverbot soll es nicht geben. Öffentliche Feuerwerke werden aber untersagt, um Massenansammlungen in der Silvesternacht zu vermeiden. Müller kündigte zusätzliche Regelungen vieler Kommunen gegen Böllern in belebten Straßen an. Um die Gefahr von Infektionen in Verkehrsmitteln zu verringern, soll die Deutsche Bahn ihr tägliches Platzangebot deutlich ausweiten und ihr Reservierungssystem ändern.

BUND ZAHLT WEITER

Der Bund sagt zu, dass er weiter für die angeordneten Schließungen von Gastronomie sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen zahlt. Die Hilfe für Unternehmen, Betriebe, Selbstständige, Vereine und Einrichtungen soll im Dezember "auf Basis der Novemberhilfe verlängert und das Regelwerk der Überbrückungshilfe III entsprechend angepasst" werden. Da der Dezember der umsatzstärkste Monate für viele Gastronomen ist, wird in Regierungskreisen mit einem Betrag von 15 bis 20 Milliarden Euro gerechnet.

Bei den Schulen einigte man sich auf den 19. Dezember als Ferienbeginn. Bayerns Ministerpräsident Söder warnte aber davor, dass die Ferien anders als im Sommer nicht wieder zu Phasen erhöhter Ansteckungen werden dürften. Deshalb sollten Urlaubsreisen unterbleiben. Merkel sagte zu, sich in der EU dafür einzusetzen, dass es keinen Skiurlaube bis zum 12. Januar in Europa geben solle. Italien und Frankreich hätten die Bundesrepublik darum gebeten, die Ski-Ferien abzusagen, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet.

Die Länder wehrten Forderungen des Bundes nach einer starken Ausweitung des Unterrichts zu Hause oder die Trennung von Klassen weitgehend ab. Nur in Hotspots soll ab dem 8. Klasse ein hybrider oder Wechsel-Unterricht eingeführt werden. Hessen will dagegen den normalen Schulbetrieb so weit wie möglich aufrecht erhalten, betonte Ministerpräsident Volker Bouffier. Der Einsatz von Schnelltests soll in Schulen dafür sorgen, dass Schüler eine Quarantäne bereits nach fünf Tagen beenden können.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW ID. Buzz im Test: Übernachten im Elektroauto wird zum Geduldsspiel
19.10.2026

Im Elektroauto schlafen, morgens Kaffee kochen und dabei unabhängig vom Campingplatz bleiben. Der neue Campingmodus des VW ID. Buzz soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Was wäre, wenn ich statt des S&P 500 einfach seine Mutter kaufen würde?
19.10.2026

Ohne das Unternehmen S&P Global könnten die Finanzmärkte nur schwer funktionieren. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr jedoch auf ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und Co.: Sparkassen starten schrittweise Kryptohandel
19.10.2026

Der Wettbewerb im Kryptohandel nimmt zu: Nun wollen auch die Sparkassen mit einem eigenen Angebot Privatkunden ansprechen. Sie rollen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Anthropic: Milliardenverluste, Millionengehälter und ein gigantischer Börsenplan
19.10.2026

18 Millionen Dollar Vergütung für den Chef, fast 42 Milliarden Dollar Verlust für das Unternehmen: Beim KI-Entwickler Anthropic liegen...

DWN
Politik
Politik Heil statt Klingbeil? Ex-Arbeitsminister schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus
19.10.2026

Bekommt Lars Klingbeil jetzt Konkurrenz? Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil bekommt nach eigenen Worten aus der SPD viele Ermutigungen, für...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Generationenkaufgelegenheit? Weniger Technologie, mehr Gesundheit
19.10.2026

Der S&P 500 verzeichnet zwar ein Plus von zwölf Prozent, doch unter der Oberfläche zeichnet sich ein weitaus schwächeres Bild ab. Der...

DWN
Politik
Politik Steuerzinsen 2027: Nachzahlungen sollen doppelt verzinst werden
19.10.2026

100.000 Euro Steuernachzahlung, zwei volle Zinsjahre: Heute können daraus 3.600 Euro Zinsen werden. Unter dem geplanten neuen Satz wären...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zeekr greift BMW und Mercedes an: Ex-BMW-Manager rechnet mit Europas Autobauern ab
19.10.2026

In chinesischen Autofabriken verschwinden die Menschen, Roboter übernehmen ihre Arbeit. Während BMW, Mercedes und Audi unter Kostendruck...