Weltwirtschaft

Schnäppchen-Event „Black Week“: Eine schwarze Woche für Amazon-Angestellte

Lesezeit: 2 min
30.11.2020 11:00  Aktualisiert: 30.11.2020 11:01
Amazon schränkt den Datenschutz und die Rechte seiner Angestellten Berichten zufolge systematisch ein. Die Organisation Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen den Konzern.
Schnäppchen-Event „Black Week“: Eine schwarze Woche für Amazon-Angestellte
26.11.2020, Sachsen, Leipzig: Aufgrund der Corona-Pandemie streiken Pappkameraden stellvertretend für die Arbeiter für einen Tarifvertrag bei Amazon. (Foto: dpa)
Foto: Jan Woitas

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Beschäftigte des Online-Händlers Amazon haben nach Angaben der Gewerkschaft Verdi an zwei Standorten in Bad Hersfeld ihre Arbeit niedergelegt. Der Streik sei mit der Nachtschicht von Sonntag auf Montag gestartet, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft vor Ort. Er solle bis Dienstagabend andauern. Die Gewerkschaft wolle damit die Abwicklung der Bestellungen zum umsatzstarken „Black Friday“ beim Internet-Versandhändler stören.

Hintergrund für den Streik sind die Forderungen nach tariflichen Regelungen zum Schutz der Gesundheit und die Anerkennung der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels. Bereits in der vergangenen Woche hatten laut Verdi mehr als 500 Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt. „Die Kundinnen und Kunden, die auf Schnäppchenjagd bei Amazon sind, sollten bedenken, dass dies mit schlechten Arbeitsbedingungen und unfairer, weil nicht tariflicher Entlohnung, erkauft wird. Amazon hat gegenüber anderen Handelsunternehmen dadurch Wettbewerbsvorteile“, so die Sprecherin der Gewerkschaft.

Amazon blickt dem Streik nach eigenen Angaben gelassen entgegen. „Wie jeden Tag konzentrieren sich auch heute unsere Teams darauf, die Pakete zum Kunden zu bringen. Auswirkungen auf Kundenlieferungen haben die Aktionen nicht, der allergrößte Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet ganz normal“, hieß es in einer Erklärung.

In ganz Europa laufen Gerichtsverfahren gegen Amazon

In ganz Europa laufen derzeit jedoch Gerichtsverfahren gegen den Konzern – welche im Prinzip alle auf zwei grundlegenden Vorwürfen basieren. Zum einen bezahlt Amazon seine Angestellten vergleichsweise schlecht und verhindert Tariflöhne. Zum anderen versucht die Konzernführung, die Bildung von Interessenvertretungen der Arbeiter zu verhindern – häufig mit zwielichtigen Maßnahmen.

Wie der EUObserver berichtet, wurden in Polen mehrere Amazon-Mitarbeiter vom Unternehmen abgemahnt, weil sie Kontakt zu Gewerkschaften hatten oder für diese Mitglieder in den eigenen Reihen rekrutieren wollten. In mindestens einem Fall endete ein Gerichtsverfahren für Amazon in einer Niederlage.

Wie die Organisation Amnesty International in einem Sonderbericht festhält, hat Amazon zudem systematisch die Facebook-Konten von Angestellten kontrolliert um festzustellen, ob diese an der Bildung von Arbeiterinteressenvertretungen interessiert sein könnten.

In Frankreich zwang ein Gericht Amazon im Frühjahr dazu, den Betrieb vorübergehend einzustellen, um elementare Sicherheitsmaßnahmen mit Blick auf die Corona-Pandemie zu installieren. Zuvor hatten Beschäftigte wochenlang vergeblich versucht, den Konzern zu besseren Arbeitsbedingungen zu drängen.

Mit Blick auf die abgelaufene Woche – welche im Onlinehandel als „Black Week“ mit zahlreichen Vergünstigungen lockt – stellt Amnesty in dem Bericht fest: Diese Feierlichkeiten (der „Black Friday“ – die Red.) stehen am Ende einer schwierigen Woche für Amazon-Mitarbeiter, welche mitten in der Pandemie für ihre Rechte kämpfen mussten.

Amazon Gründer Bezos - nicht zufällig der reichste Mann der Welt

Bei Amazon wird seit Mai 2013 in Deutschland immer wieder gestreikt - ohne dass es in dem festgefahrenen Konflikt zu greifbaren Ergebnissen gekommen wäre. Verdi ruft regelmäßig zu Arbeitsniederlegungen auf. Die Gewerkschaft verlangt die Aufnahme von Tarifverhandlungen. Amazon lehnt das mit dem Argument ab, dass das Unternehmen eine Bezahlung am oberen Ende des Branchenüblichen in der Logistik anbiete, zudem gebe es „Karriere-Chancen“ und viele Extras.

Seit Jahren werde die geforderte tarifvertragliche und existenzsichernde Entlohnung abgelehnt, kritisierte Verdi-Vertreter Orhan Akman: „Gleichzeitig macht der Konzern mit dem reichsten Mann der Welt an der Spitze durch Coronavirus-Pandemie, "Black Friday", "Cyber Monday" und im Weihnachtsgeschäft riesige zusätzliche Milliardengewinne.“

Amazon betreibt in Deutschland nach eigenen Angaben 15 Logistikzentren an 14 Standorten mit rund 16 000 festangestellten Beschäftigten. Der Konzern des US-Milliardärs Jeff Bezos hat seine Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren vervielfacht. Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften gibt es nicht nur in Deutschland. Das Unternehmen lehnt Tarifverträge grundsätzlich ab. Bezos gilt nach verschiedenen Vermögensschätzungen als der reichste Mensch der Welt.

Lesen Sie dazu auch:

Brandbrief an Seehofer: Amazon zerstört Deutschlands Geschäfte und Innenstädte

UN an Tech-Milliardäre: „Es ist an der Zeit, dass Sie den Hungernden dieser Welt helfen“


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Great Reset: Ansichten von SPD-Chefin Esken decken sich mit der Agenda des Weltwirtschaftsforums

Fleischverzicht, eine drastische Reduzierung von Flügen und weitere Maßnahmen sollen laut SPD-Chefin Saskia Esken gut sein, um das Klima...

DWN
Deutschland
Deutschland Baute der Verfassungsschutz gezielt rechtsextreme und islamistische Organisationen auf?

Ein führender Kopf von al-Qaida und den Salafisten in Deutschland war einem Bericht zufolge V-Mann des Verfassungsschutzes. Doch auch beim...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schwört Bevölkerung auf fortgesetzten Lockdown ein

Die Mehrheit der Deutschen plädiert für Lockerungen, doch die Bundesregierung und ihre Experten halten dagegen und schließen ein...

DWN
Politik
Politik In ihrem Klimawahn zerstört die EU Europas Auto-Industrie: „Wir werden eine Arbeitslosigkeit erleben, wie wir sie noch nie gehabt haben“

Neue Pläne der EU-Kommission bedeuteten faktisch ein Verbot von Verbrennungsmotoren. Mehrere gewichtige Stimmen aus der Autobranche warnen...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Fehler kosten an der Börse oftmals viel Geld. Privatanleger, die zum ersten Mal mit Aktien handeln, treten meistens in dieselben...

DWN
Politik
Politik Corona-Homeoffice: Lehrer masturbiert vor Schülern während Zoom-Sitzung

Während einer Zoom-Sitzung mit seinen Schülern hat ein Lehrer masturbiert. Er hatte nach eigenen Angaben gedacht, die Sitzung sei vorbei....

DWN
Politik
Politik Sky-Moderator: „Globalisten“ verhelfen mit dem Great Reset China und Big Tech zur Weltmacht

Der Sky-Moderator Rowan Dean berichtet, dass die „Globalisten“ des Weltwirtschaftsforums den Niedergang der USA bis 2030 propagieren....

DWN
Politik
Politik Seekabel von Asien nach Europa: China treibt digitale Seidenstraße voran

Über ein Netz von Seekabeln setzt China sein Projekt zur digitalen Seidenstraße um. Das Kabelnetz soll Asien mit Afrika und Europa...

DWN
Deutschland
Deutschland Koalition will Schuldenbremse auch noch 2022 aussetzen

Union und SPD sind sich darüber einig, dass sie die Schuldenbremse auch 2022 noch nicht wieder einhalten wollen. Konservativere Stimmen in...

DWN
Deutschland
Deutschland Reisen innerhalb von Deutschland nur noch mit Impfpass?

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sagte am Freitagmorgen, er könne sich "auf jeden Fall" vorstellen, dass...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesagentur braucht deutlich mehr Steuergeld für Kurzarbeit

Die grassierende Kurzarbeit hat den massiven Schaden, der durch die Corona-Maßnahmen verursacht worden, bisher recht gut verdeckt. Doch...

DWN
Deutschland
Deutschland Wirtschaft warnt vor den Folgen eines fortgesetzten Lockdowns

Deutsche Wirtschaftsverbände warnen die Politik vor den verheerenden Folgen des anhaltenden Lockdowns und fordern klare Schritte in...

DWN
Politik
Politik Corona als Vorwand? Das Recht auf Versammlungsfreiheit in Europa ist bedroht

Der Denkfabrik „Carnegie Europe“ zufolge missbrauchen europäische Regierungen die Pandemie dazu, die bürgerlichen Freiheiten in...

DWN
Politik
Politik Bidens erster Luftschlag: USA greifen Ziele in Syrien an

Die US-Luftwaffe hat auf Anordnung des neuen Präsidenten Joe Biden Stellungen im Osten Syriens attackiert. Ziele waren nach Angaben des...