Deutschland

DFG-Präsidentin Becker: Virologen sollten mit einer Stimme sprechen

Lesezeit: 1 min
09.12.2020 11:47
Virologen sollten nach Ansicht der Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Katja Becker, öfter mit einer Stimme sprechen. «Wenn Sie zehn Virologen eine Frage stellen, erhalten Sie unter Umständen mehrere verschiedene Antworten», sagte Becker der Deutschen Presse-Agentur in Bonn.
DFG-Präsidentin Becker: Virologen sollten mit einer Stimme sprechen
Medizinisches Personal bereitet im Royal Victoria Infirmary Hospital eine Spritze mit dem Pfizer/Biontech-Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus vor. (Foto: dpa)
Foto: Owen Humphreys

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Virologen sollten nach Ansicht der Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Katja Becker, öfter mit einer Stimme sprechen. «Wenn Sie zehn Virologen eine Frage stellen, erhalten Sie unter Umständen mehrere verschiedene Antworten», sagte Becker der Deutschen Presse-Agentur in Bonn. «Das ist auch verständlich, denn die Antworten hängen vom fachlichen Erfahrungshorizont der Gefragten ab und repräsentieren die so wichtige Vielstimmigkeit einer wissenschaftlichen Community.» Wünschenswert wäre es aber gerade in der aktuellen Pandemiesituation, wenn die Wissenschaftler zunächst untereinander diskutieren und sich dann auf eine gemeinsame Linie verständigen würden.

«Das wird aktuell leider zu selten getan», sagte Becker. «Stattdessen werden einzelne Stimmen gehört und von der Politik oder den Medien aufgegriffen. Hinterher müssen diese Stimmen dann oft mühsam wieder in Einklang gebracht werden, wenn es beispielsweise darum geht, politische Entscheidungen zu treffen.» Für das große Publikum sei das bisweilen verwirrend und irritierend, außerdem koste es zu viel Zeit. Oft komme in der Gesellschaft nur an, dass die Experten sich untereinander nicht einig seien. «In einer Krisensituation wie der aktuellen sollte Kooperation Vorrang haben vor Konkurrenz und der Suche nach Aufmerksamkeit.»

Allen Wissenschaftlern, die einen Beitrag zur Bewältigung der Pandemie leisteten, gebühre Anerkennung. Raum für Verbesserung sieht Becker aber bei der Kommunikation. So sei festzustellen gewesen, dass Teile der Bevölkerung mit Unverständnis reagierten, wenn Forscher ihren Standpunkt veränderten. «Dass es sich hier um einen kontinuierlichen und offenen Diskurs handelt, dass eine Sicht auf der Grundlage neuer Erkenntnisse weiterentwickelt oder nachjustiert werden muss, das ist nicht unbedingt geläufig», sagte Becker. «An dieser Stelle müssen wir noch besser kommunizieren, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zustande kommen. Hierin liegt auch eine große Chance – für die Wissenschaft und die Gesellschaft.»

Insgesamt sei die Wissenschaft als gesellschaftliche Orientierungshilfe durch Corona aufgewertet worden. «Ich glaube, dass die Wissenschaft noch nie so sehr in der Mitte der Gesellschaft stand und noch nie so effektiv als Kompass für politische Entscheidungen dienen konnte», sagte Becker. «Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, wissensbasiert zu agieren.» Außerdem sei deutlich geworden, wie hilfreich ein kontinuierlich fortgeschriebener Speicher an Grundlagenforschung sei, um zeitnah auf Krisen reagieren zu können.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Impfpflicht: Darauf kommt es bei einer Gewissens-Entscheidung im Bundestag an

Sollte der Bundestag über die Impfpflicht entscheiden, darf nicht der Fraktionszwang gelten, fordert DWN-Autor Prof. Dr. Werner Thiede.

DWN
Politik
Politik Deutsch-Russische Beziehungen: Es kann nur besser werden

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind fundamental für Sicherheit, Frieden und Stabilität in Europa. Leider haben sie...

DWN
Politik
Politik E-Mobilität und Kapitalismus: Umweltschützer, Autokonzerne und Hedgefonds verfolgen die gleiche Agenda

Der Publizist Werner Rügemer liefert im großen DWN-Interview eine eindrucksvolle Analyse ab. Er zeigt auf, wie der fanatisch...

DWN
Finanzen
Finanzen So massiv beeinflussen Kredite das globale Wirtschaftssystem

Langfristig ist die Produktivität wichtig für das Wachstum einer Wirtschaft. Kurzfristig jedoch spielen Kredite die größere Rolle. Im...

DWN
Politik
Politik Merkel war unterwürfig: Olaf Scholz muss eine neue China-Politik einleiten

Merkels Kotau vor China hat Deutschland und Europa geschadet.

DWN
Technologie
Technologie Wissenschaftler aus Oldenburg verblüfft mit 3-Druck von Nanoteilen

Der 3-D-Druck ist mittlerweile ein etabliertes Fertigungs-Verfahren. Nun haben Forscher aus Norddeutschland die Technologie noch einmal...

DWN
Politik
Politik „AUKUS“: Eine neue Monroe-Doktrin, die sich gegen China und die EU richtet?

Das trilaterale Bündnis „AUKUS“, das von den USA, Großbritannien und Australien geleitet wird, richtet sich nicht nur gegen Chinas...

DWN
Politik
Politik US-Lebensmittelbehörde liefert erste Daten zu Nebenwirkungen von Pfizer-Impfstoff

Die US-Lebensmittelbehörde FDA hat die ersten Dokumente herausgegeben, auf deren Basis sie den Corona-Impfstoff von Pfizer zugelassen hat.