Finanzen

Warum der Goldpreis 2021 weiter steigen dürfte

Die Zentralbanken haben 2020 die Basis gelegt für einen massiven Anstieg des Goldpreises im kommenden Jahr. Der seit August zu beobachtende geringfügige Rückgang könnte in Kürze vorüber sein.
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25.12.2020 09:00
Lesezeit: 3 min
Warum der Goldpreis 2021 weiter steigen dürfte
Goldbarren und Goldmünzen. (Foto: dpa) Foto: Sven Hoppe

In einer außergewöhnlichen Rallye war der Goldpreis bis Anfang August auf über 2.060 Dollar pro Unze gestiegen, bevor er nun in eine stärkere Korrekturphase eingetreten ist. Allerdings liegt der Goldpreis noch immer rund 20 Prozent höher als vor einem Jahr, und die historischen Eingriffe der globalen Zentralbanken können letztlich nur eine Wirkung haben, nämlich dass Stärke des Edelmetalls anhalten wird.

Vor dem Hintergrund des globalen Gelddruckens - allein die EZB hat kürzlich ihre Anleihekaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) um 500 Milliarden auf 1,85 Billionen Euro ausgeweitet - stellt sich die Frage, warum in der Folge keine Hyperinflation eingetreten ist. Jeden Monat (sic!) wächst die Geldmenge in der Eurozone um einen zweistelligen Prozentsatz.

Bei den Verbraucherpreisen findet sich diese Ausweitung der Geldmenge kaum wieder. Ein Grund dafür mag sein, dass der zur Berechnung der Inflationsrate genutzte Warenkorb kontinuierlich angepasst wird und dass einige wichtige Preise gar nicht erst in den Index einfließen, darunter etwa der Preis für Mieteigentum.

Warum steigen die Verbraucherpreise nicht?

Ein entscheidender Grund dafür, dass die Verbraucherpreise trotz allen Gelddruckens nicht durch die Decke schießen, sind die von den Zentralbanken bewirkten niedrigen Zinsen. Die Daten zeigen, dass weniger konsumiert und mehr gespart wird, wenn die Zinsen sehr niedrig oder sogar negativ sind. Denn die Bürger bekommen es dann mit der Angst zu tun und fürchten, dass ihre Renten künftig nicht ausreichen werden.

Während niedrige Zinsen und wirtschaftlich unsichere Zeiten die Bürger zum Konsumverzicht drängen, bewirken sie bei den Finanzministern das genaue Gegenteil. Die Staaten weltweit machen in dieser Lage ungehemmt neue Schulden. Auch in Deutschland steigen die Staatsschulden dieses Jahr wieder erheblich - voraussichtlich um rund 379 Milliarden Euro auf 2,278 Billionen Euro.

Damit erreicht die Staatsschuldenquote hierzulande (ohne die Risiken aus Target 2) bei 68,7 Prozent, was im Vergleich mit den USA gering ist. Die US-Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP wird dieses Jahr voraussichtlich auf 131,1 Prozent ansteigen. Noch im Jahr 1971, als der damalige Präsident Richard Nixon den Dollar und somit alle Währungen der Welt vom Gold abkoppelte, lag die Quote bei 33 Prozent.

Nixon sagte damals, dass die Abkopplung vom Gold eine "vorübergehende Maßnahme" sei. Das war vor 50 Jahren. Und vor elf Jahren im Nachklang der großen Finanzkrise sagte der damalige Fed-Vorsitzende Ben Bernanke, dass es sich bei den massiven Ausweitungen der Geldmenge um "temporäre Notfallmaßnahmen" handle. Auch dies kam letztlich anders. Der Notfall ist die neue Normalität.

Gelddrucken und Umverteilung nehmen Fahrt auf

Die politischen Reaktionen auf das Coronavirus haben die Wirtschaft stark geschädigt, was die Staaten dazu veranlasste, ihre Haushaltsdefizite stark zu erhöhen. Möglich ist dies allein dadurch, dass die Zentralbanken der Welt das dafür nötige Geld drucken. Auf diese Weise haben die Zentralbanken aber auch die historische Wertpapierblase weiter aufgeblasen, während wachsende Teile der Realwirtschaft vor dem Konkurs stehen.

Regierungen und Zentralbanken scheinen gemeinsam darauf abzuzielen, die Wirtschaft zu zerstören, den Bürgern untragbare Schuldenlasten aufzubürden und die Besitzer von Wertpapieren reich zu machen. Dieses historische Experiment ist eine entscheidende Ursache für die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich auf der ganzen Welt. Vor allem die Milliardäre haben ihre Vermögen dieses Jahr deutlich vermehren können.

Schulden und Gelddrucken führen im besten Fall lediglich zu einer Umverteilung von jenen, die das Geld erhalten, zu jenen, die es über Steuern oder Inflation zurückzahlen müssen. Doch in der Regel ist es deutlich schlimmer, denn das Gelddrucken führt außerdem dazu, dass das gedruckte Geld verschwenderisch eingesetzt wird und dass es teils verheerende Finanzblasen bewirkt.

Staaten können Schulden nie wieder zurückzahlen

Wer seine Schulden abbauen will, muss seine Ausgaben kürzen oder seine Einnahmen vergrößern. Das gilt zumindest für den Bürger. Für die heutigen Staaten hingegen gilt, dass sie weder das eine noch das andere tun können. Denn vor dem Hintergrund einer kranken Wirtschaft steigen die Erwartungen an sie, ihre Ausgaben wie versprochen zu erhöhen, und aus einer kranken Wirtschaft kann der Staat auch weniger Steuern einnehmen.

Um die heutigen Schuldenniveaus abzubauen, bräuchte es ein kräftiges Wirtschaftswachstum. Vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung wäre dies wohl nur mit massiven Produktivitätssteigerungen und einer von Bürokratie befreiten Wirtschaft möglich - sowie mit einer Zentralbank, die das extreme Gelddrucken und die Finanzierung der Staaten mit der Notenpresse einstellt. Doch nichts dergleichen ist absehbar.

Daher sehen die Staaten und Zentralbanken derzeit nur einen Weg, nämlich ihre Währungen durch Gelddrucken zu schwächen, damit die Staaten ihre Schulden mit gedrucktem Geld bezahlen können, das in der Folge immer weniger wert wird. Und weil dadurch die Kaufkraft der Währungen abnimmt, muss irgendwann auch der Goldpreis steigen. Dies hat bereits langsam begonnen, dürfte sich aber noch stark beschleunigen.

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