Deutschland

Rentenversicherung startet mit Milliardenreserve ins neue Jahr

Eines ist beruhigend: Die Corona-Krise reißt keine Finanzlöcher in der Rentenkasse auf. Dennoch wird sie auch bei den Rentnerinnen und Rentnern ankommen.
29.12.2020 11:26
Lesezeit: 2 min

Trotz Corona-Krise schließt die Rentenversicherung das Jahr mit einer Reserve von mehr als 36 Milliarden Euro ab. Diese Nachhaltigkeitsrücklage liege somit bei über 1,5 monatlichen Ausgaben der Rentenkasse, sagte Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Die Rentenversicherung kommt bisher glimpflich durch die Krise.“

Selbst der November sei mit 0,4 Prozent Wachstum bei den Beitragseinnahmen aus Erwerbstätigkeit im Vergleich zum November 2019 positiv geblieben, so Roßbach. Im April - während des Frühjahr-Lockdowns - seien die Beitragseinnahmen noch deutlich nach unten gegangen. „Aber ab Mai entwickelten sie sich im Vergleich zum Vorjahr immer positiv.“

Dass die Einnahmesituation relativ stabil sei, liege auch am Kurzarbeitergeld. „Die Sozialversicherung ist ein Netz“, es seien nicht nur isolierte Stränge, sagte Roßbach. „Unsere Stabilität rührt auch daher, dass wir beim Bezug von Kurzarbeitergeld Beiträge erhalten.“

So habe es 2020 bis November ein Einnahmeplus von 0,9 Prozent bei den Beiträgen aus Erwerbstätigkeit gegeben. „Das ist angesichts der Tiefe der Krise ein bemerkenswertes Ergebnis, auch wenn wir zum Jahresende ein Defizit von 4,7 Milliarden Euro zu erwarten haben, da die Ausgaben höher sein werden als die Einnahmen“, so Roßbach. Die Bundesagentur für Arbeit und die Krankenversicherung hätten dagegen eine ganz andere Ausgabendynamik in der Krise.

Trotzdem wird die Krise auch bei den Rentnern ankommen. So schlage 2021 bei der Berechnung der jährlichen Rentenanpassung eine Nulllohnrunde zu Buche, erläuterte Roßbach. „Denn bei Kurzarbeitergeld werden zwar Rentenbeiträge gezahlt, aber dies ist kein Entgelt, das in die Berechnung der Rentenanpassung 2021 eingeht.“ Die Nullrunde sei ein krisenbedingter Ausreißer - die Rentenanpassung laufe der Lohnentwicklung hinterher.

„Wir hatten jeden Monat ausreichend Finanzmittel, um alle Rentenzahlungen und die anderen Ausgaben zu bedienen“, sagte Roßbach. „Wir verfügen dafür derzeit noch über eine ausreichend hohe Rücklage, die bei den Banken angelegt ist.“ Die Rentenversicherung lege die Rücklage dabei nicht immer nur auf einen Monat, sondern auch länger an. „Wir mussten immer im Blick behalten, wie viele Einnahmen wir bekommen und wie viel gebraucht wird“, erläuterte Roßbach. „Dafür haben wir unser Liquiditätsmanagement, und die Kolleginnen und Kollegen dort haben umgesteuert.2

So habe die Rentenversicherung wegen der Folgen der Corona-Krise mit kürzeren Anlagezeiten planen und einen größeren Puffer bewahren müssen. „Hier haben wir schnell reagiert. So haben wir vermeiden können, dass der Bund kurzfristig aushelfen muss.“ Roßbach erinnerte daran, dass die Selbstverwaltung der Rentenversicherung eine höhere Mindestnachhaltigkeitsrücklage fordert als die heute vorgeschriebenen 0,2 Monatsausgaben – „um gerade auch in solchen Fällen immer eine ausreichende Liquidität sicherzustellen“. Das habe auch die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission in ihrem Abschlussbericht 2020 empfohlen, betonte Roßbach.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was die Chinesen in Europa alles aufkaufen
07.06.2026

Ein halbes Dutzend aufsehenerregender Übernahmen – welche haben am meisten wehgetan?

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Einsatz in Deutschland: KI bleibt in Unternehmen oft im Testlauf stecken
07.06.2026

Der Hype um Künstliche Intelligenz in der deutschen Wirtschaft ist groß. Doch der Schritt vom ersten Testlauf in den täglichen...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Mit ID. Polo und Cupra Raval beginnt die Elektro-Offensive von Volkswagen
07.06.2026

Volkswagen startet mit einer neuen Generation kompakter Elektroautos in einen der wichtigsten Wachstumsmärkte Europas. Die Erwartungen an...

DWN
Finanzen
Finanzen Ende des billigen Geldes: Wie Staaten den Preis des Krieges zahlen
07.06.2026

Der Krieg im Iran ist nicht nur ein Ölpreisschock. Er zeigt, wie verwundbar Staaten geworden sind, wenn Energiepreise, Inflation und hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IEA-Bericht: Das Zeitalter der Elektrizität beginnt mit Rekordinvestitionen
06.06.2026

Die zweite Energiekrise in fünf Jahren verändert den globalen Energiemarkt. Strom, Netze, Batterien und Solarenergie rücken ins Zentrum...

DWN
Technologie
Technologie E-Auto: Gebrauchte Elektroautos könnten bald deutlich attraktiver werden
06.06.2026

Der Markt für gebrauchte Elektroautos wächst, bleibt aber deutlich hinter klassischen Verbrennern zurück. Gründe dafür sind hohe...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Wirtschaftspolitik unter Beschuss: Mittelstand und Traditionsunternehmen in Existenznot
06.06.2026

Insolvenzrekorde, verzweifelte Unternehmer und eine stagnierende Wirtschaft. Die Existenznot in deutschen Firmen geht um, die Lage war noch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Selbstzweifel im Job: Wie Schwächen zu Stärken werden
06.06.2026

Im Arbeitsalltag verläuft nicht immer alles reibungslos. Weshalb Selbstzweifel ganz normal sind und welche Fragen jetzt besonders wichtig...