Wirtschaft

Seltene Erden: Biden muss die Abhängigkeit von China verringern – ansonsten bleibt der „Green Deal“ eine Luftnummer

Bidens ambitionierter Plan eines "Green Deal" erhöht die Abhängigkeit der USA von China. Die neue Regierung muss sich etwas einfallen lassen, wenn man Engpässe vermeiden und in den Verhandlungen mit Peking nicht untergehen will.
12.02.2021 13:00
Lesezeit: 4 min
Seltene Erden: Biden muss die Abhängigkeit von China verringern – ansonsten bleibt der „Green Deal“ eine Luftnummer
Kristalle des seltenen Metalls Wismut. (Foto: dpa) Foto: Oliver Berg

Bidens Green Deal: Zwei Billionen Euro bis 2024

Der vom neuen Präsident Joe Biden und seiner demokratischen Partei propagierte „Green Deal“ könnte sich als schwieriger herausstellen als gedacht – und das jenseits der üblichen Finanzierungsproblematik. Immerhin soll die Nachhaltigkeits-Offensive satte zwei Billionen Dollar innerhalb von vier Jahren verschlingen. Zumindestens kann Biden mit der Zustimmung beider Volkskammern rechnen, nachdem die Demokraten nun auch im Senat eine Mehrheit haben.

Mit den zwei Billionen Dollar wollen Biden und seine Vizepräsidentin Kamala Harris unter anderem in den Gebäude- und Verkehrssektor des Landes investieren, wo noch viel Aufholpotential besteht. Bis 2024 sollen vier Millionen Gebäude energetisch saniert und 1,5 Millionen energieeffiziente Sozialwohnungen gebaut werden. In der Automobil-Industrie soll ein Strukturumbruch angestoßen, bei den öffentlichen Verkehrsmitteln auf Elektro-Antriebe umgestellt und bis 2030 eine halbe Million neuer Aufladestationen für Elektroautos installiert werden. Darüber hinaus sind nachhaltige Investitionen in die teilweise sehr heruntergekommene Infrastruktur des Landes geplant, unter anderem in Strom- und Wasserversorgung, Straßen, Grünflächen, Schulen et cetera.

Der Stromsektor soll bis spätestens 2035 keinerlei Kohlendioxid-Emissionen mehr verursachen. Derzeit liegt der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix nur bei 17 Prozent, Atomkraft mit 20 Prozent und insbesondere Erdgas mit 36 Prozent sind weiterhin die dominanten Energieträger in der Stromerzeugung.

Der Umfang der geplanten Investitionsprogramme ist enorm. Der Klimaplan von Trumps Vorgänger Barack Obama – unter dem Biden als Vizepräsident fungierte – umfasste „nur“ circa 100 Milliarden Dollar, ein Zwanzigstel der heute kursierenden Summen.

De-facto Monopol Chinas bei Seltenen Erden

Eine Investitions-Offensive bei erneuerbaren Energien wird eine deutliche Erhöhung der Importe von seltenen Erden verursachen. Die darunter erfassten seltenen Metalle werden unter anderem beim Bau von Windrädern, Solaranlagen und Elektrobatterien benötigt. Darüber hinaus kommen sie zum Beispiel in Mikrochips und Gastechnologien zum Einsatz.

2018 hatte das „U.S. Geological Survey“ 35 Mineralien definiert, die als kritisch aus Perspektive der Wirtschaft und nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten bezeichnet wurden, darunter zahlreiche der insgesamt 17 Elemente aus der Gruppe der Seltenen Erden.

2018 und 2019 stammten jeweils über 60 Prozent der weltweiten Minenproduktion von Seltenen Erden aus China. In China lagern auch die mit Abstand größten Reserven weltweit (rund 50 Millionen Tonnen). Mehr als die Hälfte der in den USA verarbeiteten Seltenen Erden werden aus dem Reich der Mitte importiert. Bei einem Ausfuhrstopp könnte es schnell zu Engpässen und Lieferproblemen kommen. Andere Industrieländer, die auf grüne Energien setzen wollen, stehen vor einem ähnlichen Dilemma.

Die Abhängigkeit von China macht die USA angreifbar

Durch die de-facto-Monopolstellung Chinas bei Seltenen Erden müsste der Green Deal teuer erkauft werden.

Erstens durch eine weitere Verschlechterung der ohnehin schon chronisch defizitären Handelsbilanz. Ex-Präsident Donald Trump hat hierbei China und Deutschland als Hauptprotagonisten angeblich unfairer Handelspraktiken ausgemacht. Seine Versuche, das Handels-Defizit zu verringern, sind allerdings gescheitert. Unter Biden werden sich die Handels-Querelen mit China forsetzen – nur die Strategie wird eine andere sein.

Die monetären Dimensionen bei Seltenen Erden halten sich allerdings in Grenzen. Der globale Markt hat ein Volumen von rund 10 Milliarden Dollar. Bis 2025 soll er Prognosen zufolge auf rund 15 Milliarden anwachsen, wie „GlobalNewswire“ unter Verweis auf einen Marktbericht von „Zion Market Research“ berichtete.

Viel schlimmer ist die Tatsache, dass die Abhängigkeit von China noch größer werden wird. Im Moment ist diese Abhängigkeit vor allem rein wirtschaftlicher Natur, denn die Volkswirtschaften der USA und Chinas sind eng verzahnt. Will Biden mit seinem Klimaschutzprogramm wirklich all-in gehen, käme eine gravierende strategische Versorgungsabhängigkeit von Seltenen Erden hinzu. Dies würde die Verhandlungsposition der Vereinigten Staaten bei künftigen geopolitischen und Handelsstreitigkeiten entscheidend schwächen.

Chinas Administration ist sich seiner überlegenen Position durchaus bewusst. Im Mai 2019 besuchte das chinesische Staatsoberhauptes Xi Jinping im Rahmen des Handelskrieges mit den USA eine heimische Produktionsstätte für Seltene Erden. „Oilprice.com“ zufolge löste das Ereignis an den Rohstoffmärkten Spekulationen über einen möglichen Stopp der Exporte Seltener Erden im transpazifischen Handel aus.

Folgender Chart zeigt die Terminpreise des seltenen Metalls „Neodym“, welches zu rund 90 Prozent in China gefördert wird.

Tatsächlich sprangen die Preise schlagartig in die Höhe, nachdem am 20. Mai 2019 über den Besuch berichtet wurde.

Die Minenproduktion in den USA soll ausgeweitet werden

Die Vereinigten Staaten sind kein ganz unwichtiger Player im Bereich der Seltenen Erden. Im eigenen Land werden derzeit rund 10 Prozent des Weltangebots erzeugt. Allerdings sind die Reserven relativ gering (etwa 1,4 Millionen Tonnen); im Vergleich zu China ist das nicht der Rede wert.

Für ein bis zwei Jahrzehnte könnte es aber noch reichen. Wenn man die Abhängigkeit vom Reich der Mitte reduzieren will, sollte man die heimische Minenproduktion ankurbeln.

Tatsächlich hatte Biden im Wahlkampf dafür geworben, die heimische Förderung von Seltenen Erden - sowie anderer strategisch wichtiger Metalle wie Lithium und Nickel – massiv zu steigern.

Auch die ausscheidende Regierung hat sich des Problems bereits angenommen und den „Reclaiming American Rare Earths Act“ verabschiedet. Dabei sollen über steuerliche und andere Anreize Investitionen in diesen Sektor angeregt werden. Donald Trump unterzeichnete derweil im September letzten Jahres eine Notstandsverordnung, um die Förderung Seltener Erden in den USA voranzutreiben.

Ganz aktuell sollen im Rahmen einiger Pilotprojekte die ersten US-Raffinerien für seltene Erden aufgebaut werden. Auch das Militär will sich künftig in diesem Bereich engagieren.

Das alles wird aber nicht ausreichen. Zahlreiche Regulierungen und Verordnungen behindern die Minenbetreiber in den USA und bremsen die inländische Produktion, die im Vergleich mit einer Förderung in China deutlich teurer und damit weniger wettbewerbsfähig ist. Die bürokratischen Hindernisse abzubauen, könnte sich als schwierig herausstellen. Erstens sollen die mannigfaltigen Vorschriften ja primär dem Umweltschutz – also einem Kernthema in Bidens Wahlkampf – dienen. Und zweitens ist die demokratische Partei nicht wirklich für ihre Neigung zu Deregulierungen bekannt.

Als entscheidend könnte sich erweisen, dass Donald Trump in den letzten Tagen seiner Amtszeit die Regelungen zur Erteilung von Schürfgenehmigungen vereinfacht und gleichzeitig zahlreiche Minenprojekte genehmigt hat. Diese Beschlüsse rückgängig zu machen, wäre sehr aufwendig und könnte sich zum Teil über Jahre hinziehen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie BMW Neue Klasse: Ein Auto darf kein Computer auf Rädern sein
06.11.2026

Chinesische Hersteller entwickeln neue Autos deutlich schneller als europäische Konkurrenten. BMW-Entwicklungschef Mike Reichelt erklärt,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Raffinerien schließen: Warum sogar Hähnchen teurer werden
06.11.2026

Europa verliert Raffinerien und damit einen Rohstoff, ohne den zahlreiche Industriezweige nicht auskommen. Die Schwefelknappheit lässt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitskosten in Deutschland: So stark unterscheiden sich die Regionen
05.11.2026

Die Kosten einer Arbeitsstunde liegen in Deutschland regional weit auseinander. Besonders deutlich zeigt sich das Gefälle zwischen...

DWN
Technologie
Technologie Roboter im Stromnetz: Eon testet humanoide Helfer gegen Fachkräftemangel
05.11.2026

Humanoide Roboter könnten künftig Fachkräfte im Stromnetz bei Kontrollen und gefährlichen Arbeiten unterstützen. Eon, EnviaM und Neura...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nike-Aktie in der Krise: Rund 200 Milliarden Dollar vernichtet
05.11.2026

Jahrzehntelang galt Nike als nahezu unantastbar. Doch strategische Fehlentscheidungen, vernachlässigte Innovationen und aufstrebende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Haushalte in Deutschland schrumpfen bis 2050 – Osten besonders betroffen
05.11.2026

Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland könnte bis 2050 erstmals seit der Wiedervereinigung sinken. Nach Berechnungen des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DHL unter Druck: Deutschlandgeschäft bremst Wachstum deutlich
05.11.2026

Das Deutschlandgeschäft entwickelt sich für DHL zunehmend zum Problem. Während der Konzern international kräftig wächst, bricht das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investitionen in Deutschland schwächeln: DIHK warnt vor Folgen für Jobs
05.11.2026

Die deutsche Wirtschaft hellt sich etwas auf, doch bei Investitionen bleiben viele Unternehmen vorsichtig. Laut DIHK will nicht einmal...