Politik

Die bittere Wahrheit über Südafrika: Schwarze und Weiße wollen nicht zusammenleben

In Südafrika ist es nicht möglich, eine farbenblinde Gesellschaft zu schaffen. Die kolonialen Wurzeln und eine informelle Apartheid sind allgegenwärtig. Übelster Rassismus und Gegen-Rassismus dominieren das Alltagsleben.
06.01.2021 12:41
Aktualisiert: 06.01.2021 12:41
Lesezeit: 3 min

In Südafrika besteht die Gefahr, dass der Rassismus von Schwarz gegen Weiß und andersherum an Überhand gewinnt. Internationale Studien beschäftigen sich mit dem Problem des sogenannten „Reverse-Racism“. Dabei geht es um rassistische Praktiken gegen Weiße, seitdem sich die Machtverhältnisse – zumindest die politischen – in Südafrika verändert haben. Denn Rassismus ist immer auch an eine Machtposition geknüpft.

Für einen Großteil des 20. Jahrhunderts in Südafrika bedeutete Weiß zu sein, ein allgegenwärtiges Privileg zu genießen. Während Kolonialkriege des 19. Jahrhunderts, Landenteignung und die Anfänge eines rassendifferenzierten Arbeitssystems einer beträchtlichen Anzahl weißer Menschen umfangreiche materielle und politische Vorteile gegenüber anderen Menschen im Land verschafften, gab es im frühen 20. Jahrhundert auch eine beträchtliche Anzahl weißer Menschen mit wenig Material-Ressourcen.

Über mehrere Jahrzehnte hinweg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Figur des armen Weißen als ein Problem betrachtet, das durch die Wohlfahrt erforscht, dokumentiert, fotografiert und emporgehoben werden musste. Die armen Weißen waren im Verlauf der Apartheid das Ziel staatlicher Disziplinar-Maßnahmen, weil sie sich mit Schwarzen vermischten. In den Slums von Johannesburg oder in landwirtschaftlichen Gebieten wie Middelburg machten sich die weißen Behörden Sorgen um die „Zerstörung der weißen Rasse“. Es wurde das Schimpfwort des „weißen Niggers“ geprägt. Doch die Behörden gingen dazu über, die Lebensbedingungen dieser armen Weißen zu verbessern und sie wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu machen, was zwangsläufig dazu führte, dass sie sich künftig nicht mehr mit der armen schwarzen Bevölkerung vermischten. Das war während der Apartheid reinste Rassenpolitik.

Nach der Apartheid argumentierten viele Weiße, die staatlich nicht mehr privilegiert und bevorteilt werden sollten, dass es einen Rassismus gegen Weiße gebe. Aus einem Papier der Stellenbosch University geht hervor, dass diesem Empfinden in den meisten Fälle eine Selbst-Viktimisierung zugrunde liegen würde. Denn Weiße seien nachweislich immer noch ökonomisch besser gestellt als Schwarze.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass in Südafrika die offizielle Apartheid abgeschafft wurde, doch die Gesellschaft wird von einer informellen Apartheid dominiert, die weitgehend auf Gegenseitigkeit beruht. „1994 begann in Südafrika mit dem Ende der Apartheid eine neue politische Zeitrechnung. Die Verfassung gilt als eine der fortschrittlichsten weltweit, auf dem Kontinent gilt das Land als Hoffnungsträger. Allerdings orientieren sich Wohlstand und Reichtum teils immer noch stark entlang ethnischer Zugehörigkeit. Das heizt die politische Stimmung auf und führt regelmäßig zu Rassismus-Skandalen im Vielvölkerstaat. Schwarz und Weiß werden gleichermaßen Opfer wie Inder oder sogenannte ,Coloureds‘. Für Aufsehen sorgte (…) Ausnahmekünstler Ayanda Mabulu. In der Vergangenheit ließ der 37-Jährige in seinen Bildern Nelson Mandela die Hand zum Hitlergruß heben und porträtierte Ex-Präsident Jacob Zuma als Vergewaltiger. Nun schockierte er mit einer Kunstinstallation vor der Johannesburger Börse: Nazi-Flaggen und Schweineschädel mit Geldscheinen in der Schnauze. ,Jeder weiße Rassist ist so dreckig wie dieses Schwein‘, erklärte Mabulu. Die Inszenierung endete für ihn in der Arrestzelle“, so „Domradio.de“.

In Südafrika bilden sich wieder Wohngebiete heraus, in denen nur Weiße leben dürfen, berichtet der Guardian. Diese Wohngebiete werden als kulturelle Projekte getarnt. Während Rassismus gegen Schwarze sicherlich eine Rolle spielt, geht es aber in erster Linie um Sicherheit. Die Einwohner dieser Gebiete sagen, dass man sich in diesen Vierteln frei und sicher bewegen könne – zumindest als Weißer.

Südafrika ist heute eines der korruptesten Länder der Erde. Drei Viertel der Südafrikaner sagten, dass die Korruption innerhalb der letzten beiden Jahre zugenommen habe, so das 2013 Global Corruption Barometer von Transparency International. 65 Prozent sagten, die Korruption im Land sei ein „ernstes Problem“.

83 Prozent sagen, dass die südafrikanische Polizei korrupt oder extrem korrupt ist. 77 Prozent sagten, dass die politischen Parteien korrupt oder extrem korrupt sind. Knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) hatte innerhalb der letzten 12 Monate ein Schmiergeld gezahlt.

Mehr als ein Drittel der Männer in Johannesburg sagte im Jahr 2010, dass sie schon einmal eine Frau vergewaltigt haben, berichtet die Huffington Post. 7 Prozent der Männer haben sich schon mindestens einmal an einer Gruppenvergewaltigung beteiligt.

Die Lebenserwartung in Südafrika ist heute mit weniger als 50 Jahren die zweitniedrigste der Welt, so die CIA. In Zeiten der Apartheid war die Lebenserwartung auf 64 Jahre angestiegen.

Der Grund für diese katastrophale Bilanz liegt in der Ideologie, der die Mandela-Kombattanten anhingen: Sie waren knallharte Kommunisten, die Privateigentum ablehnten und versuchten, ihre eigene Funktionärs-Clique in Stellung zu bringen.

Bei seiner Festnahme im Jahr 1962 war Mandela Mitglied im Zentralkomitee der Südafrikanischen Kommunistischen Partei (SACP), sagt der heutige stellvertretende SACP-Generalsekretär Solly Mapaila: „Für uns südafrikanische Kommunisten, wird Genosse Mandela für immer den monumentalen Beitrag der SACP in unserem Befreiungskampf symbolisieren“, zitiert ihn BusinessDay.

Mit der Machtübernahme durch den Afrikanischen Nationalkongress (ANC) wurde die Wirtschaftspolitik des Landes auf den Kopf gestellt. Die Bauern und zahlreiche Unternehmen wurden von der neuen Führung enteignet. Mehr als eine Million Weiße verließen das Land.

Das Handelsblatt führt aus, dass der Traum einer farbenblinden Gesellschaft in Südafrika offenbar ausgeträumt ist.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Technologie
Technologie Millionen Hackerangriffe wegen PHP-Sicherheitslücke: Wie sicher sind Websites noch und was ist zu tun?
01.11.2026

Millionen Hackerangriffe innerhalb weniger Stunden, abgeschaltete Regierungswebsites und eine PHP-Sicherheitslücke, die seit mehr als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quantum-Systems-Chef in Litauen: Drohnen kann man nicht im Lager anhäufen, Bedrohungen verändern sich
01.11.2026

Quantum Systems baut seine Präsenz in Litauen aus und wird dort die Bundeswehr-Brigade unterstützen. Produktionspläne hängen jedoch von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...