Deutschland

China-Boom: Deutsche Exporte wachsen den siebten Monat in Folge

Die deutschen Exporte sind im November weiter gewachsen. Besonders das boomende China-Geschäft ließ die Ausfuhren unerwartet kräftig steigen.
08.01.2021 11:48
Lesezeit: 2 min
China-Boom: Deutsche Exporte wachsen den siebten Monat in Folge
Xi Jinping, Präsident von China, Ende Dezember bei einer Videokonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel, Frankreichs Präsident Macron, EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und dem EU-Ratspräsidenten Michel. (Foto: dpa) Foto: Li Xueren

Die deutsche Wirtschaft hat den erneuten Lockdown infolge der zweiten Corona-Welle erstaunlich gut weggesteckt. Wie Einzelhandelsumsätze und Industrieaufträge legten im November auch Exporte und Produktion zu - und das jeweils den siebten Monat in Folge. Besonders das boomende China-Geschäft trieb die Ausfuhren um unerwartet kräftige 2,2 Prozent zum Vormonat nach oben, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das Plus fiel fast dreimal so hoch aus wie von Ökonomen erwartet. Die Produktion - Industrie, Bau und Energieversorger zusammen - zog mit 0,9 Prozent ebenfalls überraschend kräftig an.

"Weder der leichte Lockdown in Deutschland selbst noch die verschärften Restriktionen in einigen Nachbarländern haben die Industrie im November beeinträchtigt", sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Im Frühjahr war das Bruttoinlandsprodukt auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle mit 9,8 Prozent in Rekordtempo eingebrochen, ehe es im Sommer mit nie dagewesenen 8,5 Prozent wuchs. Im gerade beendeten Schlussquartal dürfte es ein erneutes Minus geben, weil Dienstleister wie Restaurants, Friseure und Hotels unter den im Dezember verschärften Restriktionen leiden dürften. Der Rückgang sollte aber wegen der robusten Industrie deutlich geringer ausfallen als im Frühjahr. "Offenbar ist die Wirtschaft im vierten Quartal trotz Lockdown mit weniger als einem blauen Auge davongekommen", sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger.

CORONA-SONDERKONJUNKTUR IN CHINA

Dazu trägt vor allem das boomende China-Geschäft bei. Die Exporte in die Volksrepublik - die in diesem Jahr trotz der Pandemie als einzige große Volkswirtschaft wachsen dürfte - legten im November um 14,3 Prozent zum Vorjahresmonat auf 9,3 Milliarden Euro zu. Das Geschäft mit den USA - die noch vor China wichtigster deutscher Exportkunde sind - schrumpfte hingegen um 3,1 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro. "China profitiert von einer Corona-Sonderkonjunktur", erklärte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, mit Blick auf die in der Pandemie stark gefragten und in der Volksrepublik hergestellten Medizin- und Technologieprodukte wie Masken oder Laptops für das Homeoffice. Die Nachfrage nach deutschen Autos steige dort, während auch Maschinenbauer mit ihren Produkten gefragt seien. "Einmal mehr zeigt sich: Geht es China gut, profitiert Deutschland", sagte der Ökonom.

Trotz der Aufholjagd blieben die gesamten Exporte um 4,7 Prozent unter dem Niveau von Februar 2020 – dem Monat vor Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich das Auslandsgeschäft weiter belebt. Die exportabhängige Industrie sammelte sieben Monate in Folge mehr Aufträge aus dem In- und Ausland ein, wobei die Nachfrage aus der Euro-Zone zuletzt besonders deutlich zulegte. Die von vielen Experten vorausgesagte Erholung der Weltwirtschaft vom Rezessionsjahr 2020 dürfte den Exporteuren ebenfalls in die Karten spielen.

NAGELPROBE KOMMT NOCH

Für eine robuste Konjunktur in der zweiten Corona-Welle sprechen auch die Importe. Sie wuchsen im November um 4,7 Prozent und liegen nur noch um 0,6 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von Februar. Der Lkw-Verkehr auf deutschen Autobahnen dagegen liegt trotz des mittlerweile verschärften Lockdowns wieder spürbar über dem Niveau vor der Corona-Krise. Die Fahrleistung mautpflichtiger Lkw mit mindestens vier Achsen stieg im Dezember um 4,4 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt und das Bundesamt für Güterverkehr mitteilten. "Wirtschaftliche Aktivität erzeugt und benötigt Verkehrsleistungen", erklärten die Statistiker und betonten, der Index hänge "somit eng mit der Industrieproduktion in Deutschland zusammen und gibt frühe Hinweise zur aktuellen Konjunkturentwicklung".

Die Produktionserwartungen der Industrie für die kommenden Monate trübten sich zuletzt allerdings etwas ein. Das entsprechende Barometer fiel im Dezember auf 4,5 Punkte von 5,6 im November, wie aus der Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts hervorgeht. "Das Bild in den Branchen ist dabei sehr differenziert. Produktionskürzungen sind jedoch eher selten vorgesehen", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Die Nagelprobe für die Industrie steht dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge allerdings noch aus. "Die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes waren durch die im November eingeführten Maßnahmen zum Infektionsschutz nicht unmittelbar betroffen", sagte IfW-Ökonom Nils Jannsen. "Mit den Mitte Dezember umgesetzten zusätzlichen Maßnahmen haben die Belastungen für die Industrie jedoch zugenommen." So werde durch die Schließung weiter Teile des Einzelhandels der Absatz von Industrieprodukten gehemmt. Ein Unsicherheitsfaktor bleibe zudem, inwieweit sich der Ausfall von Kinderbetreuung bei der Produktion bemerkbar machen werde. Nach einem holprigen Jahresauftakt rechnen die meisten Volkswirte aber mit einem robusten Aufschwung ab dem Frühjahr.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Das Thema Datenschutz ist als Verkaufsargument erneut in den Fokus gerückt

Nicht nur im Bankwesen oder in den sozialen Medien spielt der Datenschutz bei alltäglichen Kaufentscheidungen eine wichtige Rolle. Auch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa-Streik: Flugbegleiter legen Flugbetrieb lahm – Tausende Passagiere gestrandet
10.04.2026

Ein massiver Streik des Kabinenpersonals hat bei der Lufthansa zu weitreichenden Flugausfällen geführt. Tausende Urlauber und...

DWN
Politik
Politik Koalitions-Zoff: Wachsender Druck auf Kanzler Merz wegen ausbleibender Entlastungen
10.04.2026

Angesichts explodierender Energiepreise wächst der Unmut über die abwartende Haltung von Bundeskanzler Friedrich Merz. Während die...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 15: Die wichtigsten Analysen der Woche
10.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 15 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Daimler-Aktie: US-Schwäche und Bus-Flaute belasten Absatz von Daimler Truck
10.04.2026

Daimler Truck verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen weltweiten Absatzrückgang von neun Prozent auf 68.849 Einheiten. Besonders der...

DWN
Finanzen
Finanzen Verpflegungspauschale 2026: Wie Sie Spesensätze berechnen und was zu beachten ist
10.04.2026

Spesensätze 2026 im Überblick: Wie hoch die Verpflegungspauschale 2026 ist, wann 14 Euro oder 28 Euro gelten und welche Regeln bei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise: Deutlicher Rückgang an den Zapfsäulen – Kommt jetzt die Trendwende?
10.04.2026

Nach einer langen Phase extremer Kosten geben die Kraftstoffpreise den zweiten Tag in Folge spürbar nach. Laut ADAC verbilligte sich...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Reisebranche im Sinkflug: Ifo-Geschäftsklima bricht wegen Iran-Krise ein
10.04.2026

Die Eskalation in Westasien belastet die Reisebranche massiv. Laut aktuellem Ifo-Index führen Umbuchungen, Stornierungen und steigende...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht den Druck auf die NATO: Interne Konflikte verschärfen sich
10.04.2026

Donald Trump stellt die Verlässlichkeit der NATO zunehmend infrage und verschärft damit die Spannungen innerhalb des Bündnisses. Welche...