Politik

Nigerianische Mafia befindet sich in Deutschland auf dem Vormarsch

Die nigerianische Mafia breitet sich in Deutschland rasant aus. Ihr Fokus liegt im Bereich der Prostitution. Die Bundesregierung hatte die Prostitutionsgesetze im Jahr 2017 derart liberalisiert, dass Deutschland Frauenrechtsorganisationen zufolge zum „Bordell Europas“ verkommen ist.
13.01.2021 12:54
Lesezeit: 2 min
Nigerianische Mafia befindet sich in Deutschland auf dem Vormarsch
Frauen werden von Nigeria aus nach Europa verschleppt. (Grafik: CNN)

Eines der am schnellsten wachsenden kriminellen Netzwerke in Europa ist die nigerianische Mafia, die ihre Aktivitäten auf dem gesamten Kontinent verbreitet. Sie besteht aus rivalisierenden Gruppen mit Namen wie „Black Axe“, „Vikings“ und „Maphite“.

In ganz Deutschland ist ein heimtückischer Trend zu beobachten: Immer mehr junge Frauen aus Nigeria werden in die Prostitution verschleppt. Es ist eines der lukrativsten Geschäftsmodelle des organisierten Verbrechens, aber die Rädelsführer werden selten gefasst. In den Rotlichtvierteln deutscher Städte floriert das Geschäft - ebenso wie der Handel mit jungen nigerianischen Frauen. Jedes Jahr werden mehr junge Frauen aus dem westafrikanischen Land nach Deutschland geschmuggelt und zur Prostitution gezwungen.

Im Allgemeinen sind Mädchen und Frauen, die Opfer von Menschenhandelsnetzwerken werden, aufgrund ihrer Umstände bereits gefährdet - oft sind sie Kinder von Alleinerziehenden oder Waisen, sagt Barbara Wellner von Solwodi, einer deutschen gemeinnützigen Organisation für Frauenhandel.

Junge nigerianische Mädchen und Frauen in gefährdeten Situationen sind für Menschenhändler eine leichte Wahl. Die Person, die anbietet, ihnen zu „helfen“, ist oft ein Verwandter oder ein Freund der Familie, so Wellner. Aber „Hilfe“ bedeutet, über ein kriminelles Netzwerk, das von einer nigerianischen „Frau“ kontrolliert wird, in eine Falle zu gerate. Dem jungen Opfer wird gesagt, dass sie viel Geld bezahlen muss, um in Europa sicher anzukommen. Aber sobald sie dort ist, wird sie einen guten Job bekommen und die Schulden leicht zurückzahlen, so das Versprechen der Mafiosi.

Mehr als 20.000 nigerianische Frauen haben in den letzten drei Jahren das Mittelmeer nach Italien überquert. Die UNO schätzt, dass rund 80 Prozent in der Prostitution gelandet sind. Für die meisten von ihnen endet die Reise nach Europa auf den Straßen am Stadtrand von Rom oder Verona.

Jetzt bringen Schmuggler und Menschenhändler jedoch immer mehr Menschen weiter nach Norden nach Deutschland. Dafür gibt es mindestens zwei mögliche Gründe: Erstens ist organisierte Prostitution in Bordellen in Deutschland legal. Laut Solwodi haben die 2017 reformierten liberalen Prostitutionsgesetze Deutschlands das Land zum „Bordell Europas“ gemacht.

Zweitens tut Deutschland nicht genug, um die Menschenhändler aufzuhalten. Die Behörden geben an, größere Anstrengungen unternommen zu haben. 2019 wurde beispielsweise eine nigerianische Frau in Duisburg zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das BKA veröffentlicht jedes Jahr die Zahlen zum Menschenhandel. In dem Bericht für 2018 wird darauf hingewiesen, dass 61 nigerianische Opfer identifiziert wurden, was einen anhaltenden Aufwärtstrend für diese Gruppe widerspiegelt. Deutschland war auch Teil des EU-weiten Projekts ETUTU, das mit nigerianischen Behörden zusammenarbeitete, um gegen internationale nigerianische Handelsnetze vorzugehen.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) warnte im Februar 2019 davor, dass sich in Deutschland die nigerianische Mafia allmählich breit macht. Es gehe nach Angaben des Spiegels vor allem um die Gruppen „Supreme Eiye Confraternity und Black Axe”, die auch in Italien aktiv sind. Der Spiegel wörtlich: „Der starke Zuzug nigerianischer Asylbewerber, die vermehrt aus Italien in die Bundesrepublik einreisten, werde zu einem Aufwuchs der ,äußerst brutal agierenden nigerianischen Strukturen der organisierten Kriminalität führen’, heißt es in dem Geheimdienstpapier unter Berufung auf eigene Erkenntnisse und die anderer Sicherheitsbehörden.”

In Italien würden sich derzeit 100.000 Nigerianer befinden, die den Weg nach Deutschland einschlagen möchten. Dem BND zufolge würden sich unter ihnen „sehr viele Opfer von Menschenhändlern, die den Kriminellen hohe Profite bescheren“ befinden. Bemerkenswert ist auch die Feststellung des deutschen Auslandsnachrichtendiensts, dass die nigerianische Mafia sich mittlerweile auf Augenhöhe mit der italienischen Mafia befindet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Das anstehende Wirtschaftsereignis Fußball-WM 2026 & warum Daten, Prognose sowie Online-Portale einen eigenen Digitalmarkt bilden

Die WM ist in diesem Jahr nicht bloß ein bedeutendes Ereignis auf sportlicher Basis, denn sie wird zum Härtetest für Datenökonomie,...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Die harte Realität holt die Wall Street ein
12.05.2026

Zwischen neuen Sorgen und großen Erwartungen: Was die Märkte jetzt in Atem hält

DWN
Finanzen
Finanzen Carl Zeiss Meditec-Stellenabbau: Bis zu 1.000 Jobs betroffen – was das für die Aktie bedeutet
12.05.2026

Carl Zeiss Meditec reagiert auf schwache Geschäfte mit einem drastischen Sparprogramm. Der geplante Stellenabbau betrifft bis zu 1.000...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD baut mit sechs Prozentpunkten Vorsprung zur Union aus
12.05.2026

Die Zustimmung zur AfD wächst weiter: AfD klettert auf 28 Prozent und zieht der Union davon. Die Union und der Kanzler selbst verlieren...

DWN
Politik
Politik Großbritannien: Labour verliert, Reform UK gewinnt - trotzdem hält Starmer am Amt fest
12.05.2026

Der angezählte britische Premierminister Keir Starmer bemüht sich nach den historisch schlechten Wahlergebnissen bei den Kommunalwahlen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Autos als Kostenrisiko: Wie die Kfz-Steuer Käufer in Europa belastet
12.05.2026

Importierte US-Autos werden durch Kfz-Steuer, CO₂-Werte und Einzelgenehmigung für viele Käufer zu einer finanziellen Belastung. Warum...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rabattaktionen im Einzelhandel: Warum eBooks trotz Krise boomen – und wie Sie persönlich davon profitieren
12.05.2026

Steigende Preise, verunsicherte Verbraucher und schwache Konsumdaten setzen den Handel unter Druck. Gleichzeitig werben Anbieter mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Fusionsregeln: Wie Brüssel Europas Wirtschaft stärken will
12.05.2026

Brüssel will die Fusionsregeln neu ausrichten und Europas Unternehmen mehr Spielraum im globalen Wettbewerb geben. Kann die EU ihre...

DWN
Politik
Politik Monopolkommission: Tankrabatt kommt an - Spritpreis steigt
12.05.2026

Auch das Ifo-Institut errechnet eine höhere Weitergabe als zu Beginn. Die Monopolkommission sieht allerdings bereits im Vorfeld des...