Finanzen

Bundesbank: Privathaushalte sparen in der Corona-Krise vor allem Bargeld

Ausgerechnet in der Pandemie sind die Menschen in Deutschland in Summe so reich wie nie. Privathaushalte sparen wie die Weltmeister Bargeld und profitieren auch von der Erholung an den Aktienmärkten.
17.01.2021 15:21
Aktualisiert: 17.01.2021 15:21
Lesezeit: 2 min

Die Menschen in Deutschland haben in der Corona-Krise in Summe so viel Geld auf die hohe Kante gelegt wie nie und das Aktiensparen entdeckt. Auf den Rekordwert von 6.738 Milliarden Euro kletterte das Geldvermögen der privaten Haushalte im dritten Quartal 2020, wie die Deutsche Bundesbank in Frankfurt mitteilte. Das sind 108 Milliarden oder 1,6 Prozent mehr als im Vierteljahr zuvor. Privatanleger profitierten auch davon, dass sich die Aktienmärkte vergleichsweise rasch vom Corona-Crash im Februar und März erholten.

Die Entwicklung im Zeitraum Juli bis einschließlich September sei „erneut durch eine hohe Ersparnisbildung und die anhaltende Erholung am Kapitalmarkt geprägt“, erklärte die Bundesbank. Die Bewertungsgewinne aus gestiegenen Kursen bezifferte die Notenbank auf 20 Milliarden Euro.

Wie das Vermögen in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen verteilt ist, geht aus den Daten nicht hervor. Immobilien, die seit Jahren teils kräftige Wertsteigerungen verzeichnen, berücksichtigt die Bundesbank in dieser Berechnung nicht.

Nach Schätzungen der DZ Bank dürfte das Geldvermögen der privaten Haushalte im Gesamtjahr 2020 um 393 Milliarden Euro auf den Höchstwert von 7,1 Billionen Euro zugenommen haben - vor allem weil Privathaushalte in der Krise sparten wie die Weltmeister.

Aus Sorge vor Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit hielten viele Menschen ihr Geld zusammen, zudem bremsten die zeitweisen Schließungen im Einzelhandel und Reisebeschränkungen den Konsum. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes stieg die Sparquote im vergangenen Jahr auf das Rekordhoch von 16,3 Prozent. Von 100 Euro verfügbarem Einkommen legten die Haushalte somit im Schnitt gut 16 Euro auf die hohe Kante.

„Allerdings blieben die Mittel größtenteils einfach auf den Girokonten stehen und wurden nicht angelegt“, analysierte DZ-Bank-Ökonom Michael Stappel jüngst. Im Zinstief wüssten viele Anleger „nicht wohin mit freiwerdenden oder neuen Anlagemitteln“.

Sparer setzten der Bundesbank zufolge auch im dritten Quartal vor allem auf Bargeld und Bankeinlagen, die zwar wegen der Zinsflaute kaum noch etwas abwerfen, auf die sie aber schnell zugreifen können. Das Volumen belief sich Ende des dritten Quartals auf rund 2.735 Milliarden Euro. Das waren etwa 41 Milliarden Euro mehr als im zweiten Vierteljahr 2020.

Zugleich setzten die als eher börsenscheu geltenden Bundesbürger verstärkt auf Aktien und Fonds. Das Engagement der privaten Haushalte auf dem Kapitalmarkt habe zuletzt „einen rasanten Aufschwung“ erlebt, stellte die Bundesbank fest. Im dritten Vierteljahr kauften private Haushalte unter dem Strich Aktien sowie Anteile an Investmentfonds im Gesamtumfang von 20 Milliarden Euro. Das entspreche fast dem Dreifachen der durchschnittlichen Zukäufe der vergangenen zehn Jahre.

Nach Angaben des Fondsverbandes BVI setzte sich in der Corona-Krise die Nachfrage nach Mischfonds fort, die vor allem Privatanleger über Sparpläne nutzen. Von Anfang Januar bis Ende Oktober 2020 kauften Anleger netto Anteile im Wert von 7,5 Milliarden Euro an solchen Fonds. Dies sei eine Steigerung um 44 Prozent gegenüber den ersten zehn Monaten des Vorjahres und bedeute voraussichtlich das neunte Jahr in Folge mit Zuflüssen, bilanzierte der BVI.

Dennoch machen Aktien und Fonds nach wie vor nur einen Bruchteil des gesamten Geldvermögens der Privathaushalte in Deutschland aus: Ende September steckten den Bundesbank-Zahlen zufolge rund 731 Milliarden in Aktien und sonstigen Anteilsrechten. Bei Investmentfonds waren es knapp 688 Milliarden Euro.

Nach wie vor deutlich beliebter sind Versicherungen und andere Altersvorsorgeprodukte. Ende September summierten sich deren Bestände auf fast 2.442 Milliarden Euro, rund 19 Milliarden Euro mehr als im zweiten Vierteljahr 2020.

Wie schon in der Vergangenheit nutzen die Menschen die Niedrigzinsen, um sich günstig Geld zu leihen, insbesondere für Wohnungsbaukredite. Nach Abzug der Schulden, stieg das Geldvermögen um 80 Milliarden auf gut 4.802 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Vier Jahre Ukraine-Krieg: Wie nah ist der Frieden wirklich?
23.02.2026

Vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs ist ein Ende der Kämpfe nicht in Sicht. Diplomatische Initiativen laufen, doch die Fronten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globale Konjunkturerholung gewinnt an Breite: Asien stark, Deutschland überrascht
23.02.2026

Immer mehr Indikatoren sprechen dafür, dass die Weltwirtschaft in eine Phase breiterer Erholung eintritt. Die ersten...

DWN
Politik
Politik Tausende Kinder von Sanktionen beim Bürgergeld betroffen
23.02.2026

Immer mehr Familien geraten durch Sanktionen beim Bürgergeld unter Druck – mit spürbaren Folgen für Kinder. Neue Zahlen zeigen eine...

DWN
Politik
Politik Geheimer Deal: Iran einigt sich mit Russland auf Kauf tragbarer Raketensysteme
23.02.2026

Ein geheimer Rüstungsdeal zwischen Iran und Russland sorgt für neue Spannungen im Nahen Osten. Für rund 500 Millionen Euro soll Teheran...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue US-Zölle: Wie riskant ist Trumps Kurs für die Finanzmärkte?
23.02.2026

Donald Trump bringt erneut globale Strafzölle ins Spiel – nur Tage nach einer juristischen Schlappe vor dem Supreme Court. Die Märkte...

DWN
Finanzen
Finanzen Salzgitter-Aktie profitiert von Milliardenförderung: Mehr Fördermittel für grünen Stahl aus Salzgitter
23.02.2026

Die Salzgitter-Aktie legt am Montag leicht zu: Milliardenförderung, grüner Stahl und politische Rückendeckung verändern die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Index steigt: Wirtschaft sendet erste Signale der Erholung
23.02.2026

Der Ifo-Index sendet ein positives Signal für die deutsche Wirtschaft. Nach langer Schwächephase hellt sich das Ifo-Geschäftsklima...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Demografischer Wandel: Europa und vor allem Deutschland altern schneller
23.02.2026

Niedrige Geburtenraten, steigende Lebenserwartung: Europa erlebt einen erheblichen demografischen Wandel. Aktuelle Daten belegen die...