Politik

Gegen Biden: Türkei, Russland und China wollen gemeinsam Luftabwehrsystem produzieren

Ein einflussreicher türkischer Außenpolitiker hat verkündet, dass die Türkei, Russland und China ihre Kooperation bei der Verteidigung ausbauen wollen. So wollen die drei Länder angeblich das russische S-500-Luftabwehrsystem gemeinsam produzieren. Die Aussagen sind als klare Botschaft gegen den neu gewählten US-Präsidenten Joe Biden und für die Neue Seidenstraße zu werten.
17.01.2021 18:20
Aktualisiert: 17.01.2021 18:20
Lesezeit: 2 min
Gegen Biden: Türkei, Russland und China wollen gemeinsam Luftabwehrsystem produzieren
Russlands Präsident Wladimir Putin (l-r), Chinas Präsident Xi Jinping und er türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan stehen vor Beginn der Eröffnungszeremonie der Gipfelkonferenz zur «Neuen Seidenstraße» am 14.05.2017 in Peking auf einem Gruppenfoto nebeneinander. (Foto: dpa) Foto: Alexander Zemlianichenko

Russland, die Türkei und China werden offenbar in absehbarer Zeit das russische Luftabwehrsystem S-500 gemeinsam produzieren. Dies hat der Vorsitzende der türkischen Heimatpartei (VP), Doğu Perinçek, im Rahmen einer Talkshow des Senders „Habertürk“ verkündet. Die Aussage des Politiker, der in der türkischen Außenpolitik als „graue Eminenz“ eine entscheidende Rolle, sind als Affront gegen den neu gewählten US-Präsidenten Joe Biden einzustufen. Denn Donald Trump hatte eine Zusammenarbeit von Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdoğan und Xi Jinping weitgehend gebilligt.

„Bald werden die Türkei, Russland und China die S-500 gemeinsam produzieren. Wir werden zwischen diesen Ländern im Bereich der Verteidigung wichtige Kooperationen sehen. Die USA haben immer wieder gesagt, dass wir die S-400 nicht benutzen dürfen. Noch nicht einmal dann, wenn wir sie kaufen. Doch wir haben sie gekauft. Kürzlich sind die CAATSA-Sanktionen durch die USA eingeführt worden. Trotz dieser Drohungen befinden sich nun die nächsten S-400-Batterien auf dem Weg in die Türkei. Die S-400 ist nicht nur eine Waffe, sondern eine strategische Priorität. Woran muss man seine Verteidigung orientieren? Nach den Erfordernissen einer Gefahr. Und von wem geht die Gefahr für die Türkei aus? Vom atlantischen System.“

Er fügte hinzu, dass Griechenland von den USA gegen die Türkei aufgehetzt werde, um die Türkei im östlichen Mittelmeer zurückzudrängen. „Nato-Schiffe kapern mit bewaffneten Soldaten unsere Handelsschiffe. Im Norden Syriens wird die PKK bewaffnet. Die USA befinden sich im Zentrum all dieser Bedrohungen. Um diesen Gefahren entgegentreten zu können, mussten die S-400 gekauft werden“, so der Politiker.

Zuvor hatte der englischsprachige Dienst der „Deutschen Welle“ am 19. Mai 2019 berichtet: „Russland und die Türkei werden gemeinsam das Raketenabwehrsystem S-500 der nächsten Generation produzieren, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Samstag. Die Vereinigten Staaten, ein militärischer Verbündeter im NATO-Bündnis, haben mit Sanktionen gegen jedes Land gedroht, das russische Verteidigungssysteme kauft. Die türkisch-amerikanischen Beziehungen wurden angespannt, nachdem die Türkei den Kauf des russischen Raketenabwehrsystems S-400 vorangetrieben hatte. ,Es steht außer Frage, dass (die Türkei) vom Kauf des S-400-Systems abrückt. Das ist ein abgeschlossenes Geschäft. Nach dem S-400 wird der S-500 gemeinsam produziert‘, sagte Erdoğan.“

Jörg Barandat, Oberstleutnant im Generalstabsdienst a.D. und Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr (Hamburg) für Strategielehre sowie Globalisierungs-Herausforderungen und strategisches Denken, sagte in einem Interview mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten:

„Vordergründig mag der Eindruck entstehen, dass es im östlichen Mittelmeer um die Ausbeutung von Erdgas-Lagerstätten geht. Hier ist es wichtig zu wissen, dass die Türkei im Gegensatz zu den EU-Staaten dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen von 1982 nicht beigetreten ist. Und aus diesem Umstand ergeben sich völkerrechtlich unterschiedlich begründeter Ansprüche, deren Durchsetzung auch mit militärischen Mitteln erfolgen könnte.“

Auf die Frage, ob es zu einem Militärkonflikt zwischen Griechenland und der Türkei kommen könnte, sagte er: „Das Delphische Orakel würde Ihnen wohl antworten: Kann sein, kann aber auch nicht sein. Meine Prognose: Die Spannungen und Instabilitäten im östlichen Mittelmeerraum werden massiv – möglicherweise auch explosionsartig – zunehmen. Alle Akteure – Anlieger wie Externe – werden ihre Möglichkeiten und Mittel hybrider Machtprojektion zur Verfolgung und Durchsetzung ihrer Interessen einsetzen. Dazu gehören auch militärische. Historisch gesehen war der Einsatz militärischer Macht zwar das äußerste, aber ein durchaus erfolgversprechendes Mittel eines Staates zur Durchsetzung seiner Interessen. Heute hingegen dürfte diesem Mittel keine zentrale, sondern eher eine begleitende Rolle beim Druckaufbau und bei der Absicherung des Einsatzes ziviler Instrumente von Machtprojektion – unter anderem Ressourcen, Wirtschaft, Forschung / Technologie, Kommunikation / Cyberfähigkeit – zukommen. Wie das geht, hat uns Russland bei der Annexion der Krim sehr professionell und nahezu lehrbuchmäßig vorgeführt.“

Wie der Konflikt im östlichen Mittelmeer mit Chinas Neuer Seidenstraße zusammenhängt, können Sie in diesen beiden Analysen einsehen:

Wenn im Mittelmeer ein Krieg ausbricht, ist Chinas Neue Seidenstraße tot - Teil 1

Wenn im Mittelmeer ein Krieg ausbricht, ist Chinas Neue Seidenstraße tot - Teil 2

Dann ergeben die Worte des türkischen Politikers Doğu Perinçek zu Beginn dieses Artikels einen wirklichen Sinn.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wachstum in Europa: EIB-Ökonom rät Unternehmen, stärker nach Süden zu blicken
24.10.2026

Deutschland erholt sich, doch Europas Wirtschaft kämpft weiter mit Bürokratie, Investitionsschwäche und einem fragmentierten...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuervergleich 2026: Was von 50.000 Euro Gehalt, Gewinn und Kapital wirklich übrig bleibt
24.10.2026

50.000 Euro verdienen und trotzdem völlig unterschiedlich viel Geld behalten? In Deutschland entscheidet nicht nur die Höhe des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Online-Handel: Amazon plant Investitionen von rund 16 Milliarden Euro
24.10.2026

16 Milliarden Euro will Amazon 2027 in Deutschland investieren – ein großer Teil soll in Cloud und KI rund um Frankfurt fließen. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in die Endlichkeit: Wie ein überforderter Anleihemarkt den Bitcoin-Kurs treibt
24.10.2026

Das US-Finanzministerium kauft seine eigenen Schulden zurück, damit sie überhaupt noch jemand haben mag, und der Bitcoin hat das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW X5 im Test: Warum die fünfte Generation alles anders macht
24.10.2026

Fast 100.000 Euro Einstiegspreis, bis zu 845 Kilometer elektrische Reichweite und ein Auftritt, der kaum zu übersehen ist: Mit dem neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kokain am Arbeitsplatz: Wenn ausgerechnet die besten Mitarbeiter abhängig werden
24.10.2026

Kokain ist längst keine Droge mehr, die nur auf Partys konsumiert wird. Immer häufiger erreicht der Konsum auch den Arbeitsalltag....

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Diese Branchen könnten den KI-Hype schlagen
24.10.2026

Die Börsen brechen Rekorde, doch der Höhenflug steht auf wackligen Beinen. Wenige Technologiekonzerne treiben die Kurse, während...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...