Wirtschaft

Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel steigen auf 7-Jahres-Hoch

Die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais oder Sojabohnen sind im Januar deutlich gestiegen. In der Vergangenheit waren Preisanstiege häufig Katalysatoren für politische Umwälzungen.
10.02.2021 10:06
Aktualisiert: 10.02.2021 10:06
Lesezeit: 3 min
Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel steigen auf 7-Jahres-Hoch
Eine Indianerin in Mexiko mit Maiskolben. (Foto: dpa) Foto: Alonso Cupul

Die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais, Reis oder Sojabohnen sind im Januar des laufenden Jahres verglichen mit Dezember deutlich gestiegen. Der Food Price Index der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), welcher die Preisentwicklung von 55 Agrarerzeugnissen abbildet, hat infolge der Entwicklung den höchsten Stand seit Juli 2014 erreicht, wie aus einer Pressemitteilung der Organisation hervorgeht. Es war der achte monatliche Anstieg des Indexwertes in Folge.

Deutliche Preiserhöhungen bei Schlüssel-Lebensmitteln

So stiegen die Weltmarktpreise der wichtigsten Grundnahrungsmittel in den vergangenen Wochen durchweg an.

Der FAO-Preisindex für die Subgruppe der wichtigsten Getreidesorten stieg zwischen Dezember und Januar um mehr als 7 Prozent – angeführt von starken Preiserhöhungen beim Mais, welcher sich im selben Zeitraum um mehr als 11 Prozent verteuerte. Die Maispreise lagen damit im Januar rund 43 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Ein starker Treiber sollen umfangreiche Lageraufbauten durch China gewesen sein.

Merklich verteuerte sich auch Weizen mit fast 7 Prozent – was in erster Linie dem Umstand geschuldet war, dass Experten im März eine Verdopplung der Exportsteuern beim weltgrößten Produzenten Russland erwarten. Die Preise für Gerste stiegen ebenfalls um 7 Prozent, während sich Sojabohnen leicht verteuerten und die Hirsepreise stagnierten. Eine starke Nachfrage aus Asien und Afrika und Produktionsengpässe in Thailand und Vietnam stützten darüber hinaus die vergleichsweise hohen Reispreise.

Zuvor hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten in einer Prognose diese Entwicklung vorhergesagt (HIER): „Es gibt mehrere Hinweise dafür, dass die Welt auf eine Nahrungsmittelpreis-Krise zusteuert. So lag der Nahrungsmittelpreisindex (FFPI) der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im Dezember 2020 im Durchschnitt bei 107,5 Punkten, ein Plus von 2,3 Punkten (2,2 Prozent) gegenüber November 2020, was einen Anstieg den siebten Monat in Folge darstellt“.

Der Index für die Subgruppe der pflanzlichen Öle markierte mit einem 6-prozentigen Sprung den höchsten Stand seit Mai 2012 – angetrieben durch eine deutliche Verteuerung bei Palm-, Soja- und Sonnenblumenöl. Auch bei den Pflanzenölen war es der achte monatliche Anstieg in Folge.

Der Preisindex für Zucker stieg um über 8 Prozent und markierte damit den höchsten Stand seit Mai 2017. Mildere Anstiege wurden im Januar mit 1,6 Prozent bei den Milcherzeugnissen und mit etwa einem Prozent in den Weltmärkten für Fleisch registriert.

Von der Lebensmittel-Inflation zur Inflation?

Das 7-Jahres-Hoch des Gesamtindex signalisiert zwar deutliche Preisanstiege, zum jetzigen Zeitpunkt ist die Situation aber noch unter Kontrolle. Wenn der Preisauftrieb jedoch mittelfristig anhält, könnte dies „insbesondere für ärmere Länder ein großes Problem werden, welche auf den Import von Grundnahrungsmitteln angewiesen sind“, zitiert die Financial Times den Chefökonom der FAO, Abdolreza Abbassian.

Analysten der Commerzbank zufolge werden die Preise für Grundnahrungsmittel neben dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage und Wetterphänomenen überdies auch von der positiven Stimmung an den Aktienmärkten, den massiven Konjunkturprogrammen der Staaten und den steigenden Rohölpreisen mit nach oben gezogen.

Und dann gibt es noch einen Faktor, welcher den Handel mit Grundnahrungsmitteln derzeit beeinträchtigt und zu höheren Notierungen führt. Weil die chinesische Volkswirtschaft früher aus der Corona-Krise kam als beispielsweise die Mitgliedsstaaten der EU oder die Vereinigten Staaten, fragt das Land derzeit in hohem Maße Containern nach, um seine Produkte in die Welt zu exportieren.

Um an Container zu gelangen, zahlen chinesische Produzenten den Reedereien sogar Prämien, weshalb diese wiederum in anderen Teilen der Welt fehlen, um den Nahrungsmittelhandel abzuwickeln, wie Bloomberg berichtet. „Der weltweite Wettkampf um die geriffelten Stahlcontainer führt dazu, dass Thailand seinen Reis nicht verschiffen kann, Kanada auf seinen Erbsen sitzenbleibt und Indien seinen riesigen Zuckerberg nicht loswird. Die Rücksendung leerer Container nach China ist so profitabel geworden, dass selbst amerikanische Sojafarmer um Container kämpfen müssen, um ihre hungrigen Käufer in Asien zu versorgen“, schreibt Bloomberg.

Die Verteuerung von Grundnahrungsmitteln heizt die Entwertung der Währungen von Schwellenländern an, da die Menschen in vielen ärmeren Ländern wie etwa Pakistan oder Indien ein Drittel bis 50 Prozent ihres monatlichen Gesamteinkommens für Lebensmittel ausgegeben müssen. Dem englischsprachigen Dienst von Reuters zufolge betrug der Preisanstieg für Lebensmittel im vergangenen Jahr in Brasilien beispielsweise 14 Prozent. Von ähnlich hohen Werten sind auch Länder wie die Türkei oder Nigeria betroffen.

Die unwillkommene Rückkehr der Lebensmittel-Inflation beunruhigt Investoren und Politiker in den Entwicklungsländern inzwischen gleichermaßen, schreibt Reuters. „Zentralbanken werden sich das Preisniveau bei Nahrungsmitteln in den kommenden Monaten genau anschauen, weil sie möglicherweise bald darauf reagieren müssen“, sagt ein Analyst der Schweizer Großbank UBS.

Zudem erhöht sich infolge stark steigender Lebensmittelpreise die Gefahr von Unruhen und Aufständen – wie sie zuletzt Ende der 2000er Jahre im Vorfeld der großen Finanzkrise oder ab dem Jahr 2010 als Faktor bei der Entstehung der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche im Nahen Osten beobachtet wurden. Nicht zuletzt wird die gesamte Volkswirtschaft beziehungsweise das Wirtschaftswachstum aufgrund fehlender Mittel der Bürger für größere Anschaffungen oder Konsumausgaben belastet.

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