Technologie

Verkaufszahlen des Diesels mehr als halbiert: EU-Vorgaben, hohe Steuern und ein Betrug kosten eine riesige Zahl von Arbeitsplätzen

Innerhalb von vier Jahren haben sich die Verkaufszahlen des Diesels mehr als halbiert.
14.02.2021 12:43
Lesezeit: 3 min

Die Ära des Dieselautos geht ihrem Ende entgegen. Durch die Vorgaben der Politik wird er zum einen für Käufer immer weniger attraktiv, zum anderen für die Hersteller zur Belastung. Darüber hinaus setzt vor allem VW komplett auf die E-Mobilität, und andere Autobauer fangen an, es dem Platzhirsch nachzumachen. Dazu kommt der Umstand, dass der Bau der neuen Tesla-Gigafabrik in Brandenburg die Nachfrage nach E-Autos weiter anheizen dürfte. Für Deutschlands Zulieferer bedeutet diese Entwicklung eine Katastrophe.

Zahlen lügen nicht

Wurden im Jahr 2016 in Westeuropa noch fast 6,92 Millionen Diesel verkauft, waren es letztes Jahr nur noch 2,83 Millionen. Also 4,1 Millionen Einheiten weniger – das entspricht einem Rückgang von 59 Prozent in gerade einmal vier Jahren. Und die Tendenz zeigt weiter steil nach unten. Nach Berechnungen des Duisburger „CAR Center Automotive Research“ werden dieses Jahr nur noch knapp 2,41 Millionen Diesel verkauft werden – also mehr als 400.000 Einheiten weniger als letztes Jahr. In dieser Dekade werden die Verkaufszahlen jedes Jahr rapide zurückgehen – bis sie 2030 bei gerade noch mal 391.000 liegen werden. Das entspricht einem Rückgang von 6,53 Millionen verkauften Einheiten (in Prozent: knapp 94,5) innerhalb von 15 Jahren. Um es noch einmal zu verdeutlichen: 2016: 6,92 Millionen Diesel = 100 Prozent. 2030: 391.000 Millionen Diesel = 5,5 Prozent. Der Diesel wird sich zum absoluten Nischenprodukt entwickeln!

Warum der Diesel seinem Ende entgegengeht

Gründe für das bevorstehende Ende der Diesel-Ära gibt es mehrere.

  • Für potentielle Käufer wird der Diesel an Bedeutung verlieren, weil:
  1. Innerhalb der nächsten fünf Jahre die Tonne CO2 mit 55 Euro besteuert werden soll. Diesel wird dadurch um mehr als 20 Cent pro Liter teurer.
  2. Die Euro-7-Abgasnorm zwar noch nicht verabschiedet wurde, zweifellos aber durchgesetzt werden wird. Die notwendige Abgas-Technik wird laut Experten jeden Diesel-Neuwagen um deutlich mehr als 1.000 Euro teurer machen.
  • Für die Hersteller wird sich die Produktion von Diesel-Fahrzeugen im großen Stil nicht mehr rentieren, weil die EU-Kommission strengere CO2-Vorschriften für die Hersteller erlassen wird. Sie besagen, dass die durchschnittlichen Emissionen der neu zugelassenen Fahrzeuge eines Herstellers einen gesetzlich fixierten Grenzwert in Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer nicht überschreiten dürfen. Mit diesen Vorgaben wird der Diesel für die Autobauer bei der Erfüllung der CO2-Vorgaben zum Problem – das sie ganz einfach dadurch lösen werden, dass sie weniger Diesel produzieren werden.
  • Einzelne Hersteller fokussieren sich einseitig auf die E-Mobilität, ganz besonders VW. Auch Tesla dürfte mit dem Bau seiner Giga-Fabrik in Brandenburg die Nachfrage nach E-Autos weiter anheizen. Dazu kommen der EQA von Mercedes, der Q4 E-Tron von Audi: Der Diesel sieht sich zunehmend einer übermächtigen Konkurrenz gegenüber.
  • Überall in Europa entstehen derzeit gewaltige Batteriezell-Fabriken. Die Zell-Technik entwickelt sich rasend schnell, die Produktion wird immer günstiger (Tesla plant, seine Batterie-Kosten fast zu halbieren, die anderen Autobauer haben ähnliche Pläne in der Schublade liegen). Etwa Mitte des Jahrzehnts könnte sich die Festkörper-Batterie als Serien-Batterie entwickeln. Das würde bedeuten, dass ein E-Auto über eine Reichweite wie ein Diesel verfügt und auch seine Ladezeiten sich massiv verkürzen.

Ein bitteres Fazit

Für viele Zulieferer – große wie Bosch und Continental, aber auch zahlreiche mittelständisch geprägte -, wird diese Entwicklung zu einer existenziellen Bedrohung. Der Diesel war ihr Goldesel, war der große Gewinnbringer. Fällt er weg, werden Anpassungen unvermeidlich und dürften Entlassungen in großem Stil kaum vermeidbar sein. Wobei die notwendigen Anpassungen nicht problemlos realisiert werden können – Produktionsanlagen lassen sich eben nicht einfach über Nacht umrüsten. Und das Elektroauto steht als Ersatz nicht zur Verfügung: Sein wichtigster Bestandteil ist zur Domäne der Batterie-Hersteller geworden, und viele Teile wie beispielsweise Anlasser, Einspritzsystem, Kurbelgehäuse, Tank und Auspuff fallen ganz einfach weg.

CAR weist auf folgende Ereignisse hin, die noch gar nicht so lange zurückliegen, aber schon fast aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden zu sein scheinen: „Die Tragik … nämlich die Betrügereien bei VW während der Zeit des früheren Vorstandsvorsitzenden Winterkorn, haben den Diesel schneller zerstört, als viele es wahrhaben wollen.“ Das Forschungsinstitut zieht folgendes kurze, aber prägnante Fazit: „Ausgedieselt, so traurig das für den einzelnen sein mag, lautet die Entwicklung.“

Im Dezember letzten Jahres hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten bereits einen Artikel mit dem Titel „Marktanteile sinken rasant: Der Feldzug gegen den Diesel und seine Folgen“ veröffentlicht“. In der Einleitung hieß es damals: „Seit Jahren sinken die Verkaufszahlen von Diesel-Fahrzeugen - umkehren lässt sich der Trend wohl nicht mehr.“ Die Aussage hat nichts von ihrer Gültigkeit verloren – nur das „wohl“ darf man guten Gewissens streichen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der moderne CEO: Warum klassische Karrierewege nicht mehr ausreichen
06.04.2026

Immer mehr Vorstandschefs großer Konzerne werden ausgewechselt, während sich zugleich die Anforderungen an die Rolle deutlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung: Welche Hilfe das Finanzamt wirklich leisten darf
06.04.2026

Das Finanzamt gilt für viele als erste Anlaufstelle bei Steuerfragen. Doch nicht jede Antwort ist erlaubt oder verbindlich. Welche Hilfe...

DWN
Technologie
Technologie KI im E-Learning: Wie ChatGPT Kursanbieter entlarvt
06.04.2026

Was früher niemand las, prüft heute eine Maschine in Sekunden. Kunden lassen Verträge, E-Books und Onlinekurse von KI analysieren und...

DWN
Panorama
Panorama Die unsichtbaren Schatzkammern der Welt: 10 Rohstoffquellen unter dem Radar
06.04.2026

Rohstoffe sind zurück im Zentrum der Weltpolitik – doch die größten Konflikte entstehen nicht in Venezuela, Iran oder China. Tiefsee,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektrischer Mercedes GLC: Preise, Technik und Reichweite im Überblick
06.04.2026

Mit dem elektrischen GLC will Mercedes den Umstieg in die Elektromobilität attraktiver machen und kombiniert moderne Technik mit...

DWN
Politik
Politik AfD-Erfolg im Westen: Trotz Skandalen ist die Partei auf dem Vormarsch
06.04.2026

Trotz Vetternwirtschaftsdebatten, Extremismus-Vorwürfen und interner Konflikte gewinnt die AfD weiter an Zustimmung, auch im Westen. Das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Techpreise steigen: Günstige PCs und Smartphones vor dem Aus
06.04.2026

Günstige Technik verschwindet schleichend aus dem Markt. Chipmangel, geopolitische Krisen und der KI-Boom treiben die Preise nach oben....

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? "Fiktives Realsplitting": Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
05.04.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...