Finanzen

Goldmarkt zieht wieder an, profitiert von Erholung in Indien

Die Importdaten zeigen befreits eine massive Erholung auf dem indischen Goldmarkt. Reformen der Regierung dürften diesen Trend im zweitgrößten Goldland der Welt nun noch verstärken.
14.02.2021 12:41
Lesezeit: 2 min
Goldmarkt zieht wieder an, profitiert von Erholung in Indien
Goldgeschenke und Opfergaben sind in Indien ein wichtiger Teil der Kultur. (Foto: dpa) Foto: Sanjeev Gupta

Bereits im Dezember zeigten sich starke Anzeichen einer Erholung auf dem indischen Goldmarkt. So erreichten die Goldeinfuhren in das Land den höchsten Stand seit 19 Monaten. Diese Belebung hat sich nun weiter fortgesetzt. Die Goldimporte liegen deutlich höher als vor einem Jahr. Zudem könnten Änderungen in der Regierungspolitik der Nachfrage noch einen zusätzlichen Schub verleihen.

Indien ist traditionell das zweitgrößte Goldverbraucherland der Welt hinter China und mit großem Abstand vor den USA. Allerdings verzeichnete das Land bereits in den letzten Jahren vor Corona eine schwächere Goldnachfrage, da die Regierung den Kauf mit hohen Importzöllen erschwerte und der Goldpreis in Rupien auf Rekordhöhen angestiegen war.

Im letzten Jahr stürzte die Nachfrage dann vollends ab, vor allem der Umsatz beim Goldschmuck. Die durch den Kampf der indischen Regierung gegen das Coronavirus ausgelöste Wirtschaftskrise ließ auch die indische Goldnachfrage um 35 Prozent auf lediglich 446,4 Tonnen einbrechen. Dies war laut Daten des World Gold Council der niedrigste Wert seit dem Jahr 1994.

Im Januar dieses Jahres importierte Indien 62 Tonnen Gold, sagte eine anonyme Quelle bei der indischen Regierung gegenüber Reuters. Das war ein massiver Anstieg um 72 Prozent im Vergleich zum Januar 2020. In Dollar ausgedrückt, beliefen sich die Goldimporte im Januar auf 4,04 Milliarden Dollar verglichen mit 1,58 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.

Und nun erhalten die indischen Goldimporte einen weiteren Schub, da die indische Finanzministerin Nirmala Sitharaman letzte Woche eine Senkung der Importzölle angekündigt hat. Seit dem 2. Februar liegt der Zoll auf Goldbarren statt bei 12,5 Prozent nur noch bei 7,5 Prozent. Verbraucher zahlen nun insgesamt 14,07 Prozent Steuern für Goldkäufe, verglichen mit zuvor 16,26 Prozent.

Analysten des World Gold Council gehen davon aus, dass die Senkung der Importsteuer die Nachfrage im laufenden Jahr um bis zu 13 Tonnen ankurbeln könnte. Eine weitere Erholung des indischen Goldmarktes würde die globale Nachfrage weiter ankurbeln und den Goldpreis stützen, nachdem bereits in China die Schmuckverkäufe wieder angezogen haben.

Auch arme Inder kaufen Gold

Indiens Haushalte besitzen geschätzte 25.000 Tonnen Gold, wobei diese Zahl wegen des großen Schwarzmarkts im Land noch höher liegen könnte. Gold ist traditioneller Teil von indischen Hochzeiten und kulturellen Riten. Zudem wird Gold als Geldanlage geschätzt, besonders in den ländlichen Regionen, aus denen zwei Drittel der indischen Goldnachfrage kommen und wo die große Mehrheit außerhalb des Steuersystems lebt.

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2016 unter 61.000 indischen Haushalten hatte jeder zweite Haushalt in den fünf Vorjahren Gold gekauft. Insgesamt besaßen 87 Prozent der Haushalte im Land eine gewisse Menge an Gold. Allein innerhalb der gerade vergangenen zwölf Monate hatten der Umfrage zufolge 13 Prozent der Haushalte eine gewisse Menge an Gold gekauft zu haben.

Ein signifikanter Anteil der Haushalte in allen Einkommensklassen kaufte laut der Umfrage Gold für Hochzeiten. Aber ein viel höherer Anteil kaufte Gold für andere "soziale Zwecke", wie zum Beispiel für Geschenke, für den persönlichen Gebrauch, um den sozialen Status zu steigern, oder um es für Gottesdienste oder während Festen zu opfern.

Einerseits hat Corona die Verbrauchernachfrage nach Gold massiv einbrechen lassen, doch andererseits hat Gold den Indern dabei geholfen, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überstehen. Die Corona-Maßnahmen der indischen Regierung trafen die Wirtschaft hart. Infolgedessen zögerten viele Banken, Kredite zu vergeben. In diesem angespannten Kreditumfeld nutzten viele Inder ihre Goldvorräte, um Kredite abzusichern.

"Die Inder verstehen, dass Gold dazu neigt, Werte zu speichern, und dass Gold letztendlich Geld ist", kommentiert der Finanzanalyst Peter Schiff auf seinem Blog den indischen Goldmarkt. "Wenn die Inder Gold haben, dann wissen sie, dass sie die Waren und Dienstleistungen, die sie brauchen, auch bekommen werden - selbst im Falle eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU Single Rulebook: Warum der 10. Juli 2027 für Banken zum wichtigen Stichtag wird

Die europäische Geldwäschebekämpfung wird mit einem grundlegenden Wandel konfrontiert. Mit der Anti-Money Laundering Regulation (AMLR)...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Daimler Truck investiert groß in Wasserstoff-Lkw
10.09.2026

Während viele Hersteller beim Wasserstoff zurückstecken, investiert Daimler Truck weiter kräftig in die Technologie. Der Konzern setzt...

DWN
Politik
Politik Öl gibt es genug. Warum ist Diesel dann rekordteuer?
10.09.2026

Der Ölpreis ist hoch, aber nicht auf Rekordniveau. Trotzdem ist Diesel so teuer wie nie. Der Grund liegt nicht allein beim Rohöl, sondern...

DWN
Politik
Politik Neuer Umfragedämpfer bringt Bundeskanzler Merz weiter unter Druck: CDU stürzt in Mecklenburg-Vorpommern ab
10.09.2026

Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt wächst der Druck auf Friedrich Merz. Schwache Umfragewerte in Mecklenburg-Vorpommern und ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie im Fokus: Volkswagen drohen bis zu 16 Milliarden Euro Umbaukosten
10.09.2026

Der geplante Sparkurs bei Volkswagen hat einen hohen Preis: Bis zu 16 Milliarden Euro könnten Stellenabbau und mögliche...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: EZB erhöht Zinsen auf 2,5 Prozent
10.09.2026

EZB-Zinsentscheid: Die EZB erhöht den Einlagenzins auf 2,5 Prozent – und rechnet trotzdem noch Jahre mit erhöhter Inflation. Während...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzins-Prognose: Lagarde droht der Fehler von 2011
10.09.2026

Die nächste Zinserhöhung der EZB gilt beinahe als ausgemacht. Doch ausgerechnet die Erfahrung von 2011 zeigt, wie riskant ein solcher...

DWN
Technologie
Technologie Warum jeder vierte Deutsche aufs E-Auto umsteigen will
10.09.2026

Deutschland zeigt überraschend viel Interesse am Elektroauto: 27 Prozent der Besitzer von Benzin- oder Dieselautos planen den direkten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lidl und die Plastikfrage: So sollen Verpackungen bis 2030 schrumpfen
10.09.2026

Mit der Strategie REset Resources verringert Lidl den Verbrauch primärer Rohstoffe, erhöht den Anteil recycelter Materialien und führt...