Deutschland

Corona-Beschränkungen drücken Löhne in Deutschland

Lesezeit: 1 min
17.02.2021 11:37  Aktualisiert: 17.02.2021 11:37
Die Arbeitnehmer in Deutschland haben im vergangenen Jahr wegen der Corona-Krise erstmals seit mindestens 2007 weniger verdient.
Corona-Beschränkungen drücken Löhne in Deutschland
Der Chef des Bundeskanzleramtes, Peter Altmaier (CDU), hat am 18.12.2013 im Bundestag in Berlin sein Mobiltelefon in der Hand. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Arbeitnehmer in Deutschland haben im vergangenen Jahr wegen der Corona-Krise erstmals seit mindestens 2007 weniger verdient. Ihre Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen sanken um durchschnittlich gut 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. „Die Corona-Krise und der daraus resultierende vermehrte Einsatz von Kurzarbeit hat die gesamtwirtschaftliche Lohnentwicklung im Jahr 2020 stark beeinflusst und führte erstmals seit Beginn der Erhebung im Jahr 2007 zu einem nominalen Verdienstrückgang“, hieß es dazu. Sogar während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 waren die Verdienste gewachsen, und zwar um 0,2 Prozent.

Noch größer fällt der Rückgang bei den Reallöhnen aus. Da die Verbraucherpreise 2020 um knapp 0,5 Prozent stiegen, sanken die Reallöhne damit um durchschnittlich 1,0 Prozent im Vergleich zu 2019. Zuvor waren sie sechs Jahre in Folge gestiegen, zuletzt 2019 um 1,2 Prozent und 2018 um 1,3 Prozent.

Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) rechnet in diesem Jahr mit einer Erholung. Das Lohnminus 2020 gehe vor allem auf den Rückgang der Arbeitszeit durch die Corona-Pandemie zurück, wobei ein Teil bereits durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld ausgeglichen worden sei. „Mit dem Abklingen der Pandemie-bedingten Betriebsschließungen dürften sich im laufenden Jahr auch die Lohneinkommen wieder erholen“, sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien. „Da zudem die Deutschen im vergangenen Jahr viel Geld zurückgelegt haben, gibt es Aussichten auf eine konsumgetriebene Erholung.“ Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge dürften die Deutschen in den Pandemiejahren 2020 und 2021 zusammen etwa 200 Milliarden Euro zusätzlich sparen - etwa durch ausgefallene Reisen und Restaurantbesuche. Das mache mehr als zehn Prozent der jährlichen Konsumausgaben aus.

Eine übermäßige Lohnzurückhaltung der Tarifparteien hält das IMK nicht für geboten. Schließlich sei Lohneinkommen eine wichtige Nachfragekomponente. „Es muss auf jeden Fall vermieden werden, dass die Erwartungen wieder steigender Lohneinkommen beschädigt werden – so wie das in den frühen 2000er Jahren passiert ist“, sagte Dullien.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Der weltweite Einfluss von Bill Gates auf die Medien  

Microsoft-Gründer Bill Gates war während der Pandemie in vielen Medien präsent. Weniger bekannt sind seine zahlreichen Spenden an...

DWN
Finanzen
Finanzen Abkopplung vom Dollar: Indischer Großkonzern kauft russische Kohle mit chinesischem Yuan

Die Instrumentalisierung des Dollars zu geopolitischen Zwecken führt verstärkt zu Gegenmaßnahmen.

DWN
Finanzen
Finanzen Starker Rubel: Russland zieht Kauf von Devisen befreundeter Länder in Betracht

Weil der Rubel immer teurer wird, setzt Russland auf Fremdwährungen. Die Moskauer Börse hat in dieser Woche den Handel bereits...

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt eine neue Weltordnung – und wie können Anleger reagieren?

Mit China und Russland bildet sich ein neuer Gegenpol zu den USA. Anleger können sich gegen die geopolitischen Risiken nicht bloß durch...

DWN
Politik
Politik Russische Diamanten sollen sanktioniert werden

Die westliche Sanktionsliste gegen Russland wird offenbar um ein weiteres Asset erweitert. Bisher treffen Verbote des Diamantenhandels nur...

DWN
Deutschland
Deutschland Streik in NRW: Kräfte-verschleißender Machtkampf an den Uni-Kliniken

In NRW spitzt sich ein seit Wochen andauernder, harter Kampf zwischen Arbeitgeber und Krankenhauspersonal zu. Seit Wochen herrscht in allen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Rezession voraus: Geschäftsklima trübt sich europaweit ein

Unternehmen und Bürger rechnen zunehmend mit Gegenwind und wollen Investitionen verschieben.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lidl rüstet sich gegen Cyber-Attacken

Die Schwarz-Gruppe will sich künftig besser gegen Angriffe von außen schützen.