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BMW gründet Roboter-Firma: "Die Entwicklungsgeschwindigkeit bei der KI ist enorm"

Lesezeit: 5 min
21.02.2021 09:34
Deutschland gehört im Wachstumsmarkt für Industrie-Roboter zu den führenden Ländern weltweit. Seit November bietet auch die BMW-Tochter "idealworks" ihre Produkte an. Die DWN sprachen mit dem Leiter des operativen Geschäfts, COO Markus Bauer, über die Gründung des Unternehmens, die besonderen Fähigkeiten von Robotern und über die Konkurrenz.
BMW gründet Roboter-Firma:
Ein BMW-Angestellter in einem Werk in Regensburg (Oberpfalz). (Foto: dpa)

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Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Herr Bauer, Sie haben Ihre Unternehmung im November des vergangenen Jahres gestartet. Gab es denn aufgrund der Pandemie ungeplante Verzögerungen?

Markus Bauer: Eigentlich wollten wir bereits im Frühjahr beginnen. Doch mussten wir den Start des Projektes um ein paar Monate verschieben, da der erste Lockdown 2020 die gesamte Wirtschaft belastet hat. Es war nicht abzusehen, wie wir unsere Produkte am Markt anbieten können, wenn potenzielle Kunden ihre Betriebe herunterfahren oder schließen müssen. Es wäre nicht möglich gewesen, überhaupt zu ihnen zu fahren, um unsere Lösung zu implementieren, da die Mobilität im Land für alle eingeschränkt war und die Sicherheits- und Hygienevorkehrungen natürlich dementsprechend angepasst wurden. Die Verzögerung für die Gründung von idealworks war also auf die gesamtwirtschaftlichen Belastungen zurückzuführen, die alle Unternehmen akzeptieren mussten.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Was für Produkte und Dienstleistungen bieten Sie an?

Markus Bauer: Dabei handelt es sich um zwei Produkte: Das erste ist unser CE-zertifiziertes Unterfahr-AMR (Autonomous Mobile Robot), der sogenannte iw.hub. Das zweite ist AnyFleet, eine cloudbasierte Steuerungsplattform für autonome Roboter. Die Plattform ermöglicht ein herstellerunabhängiges Ansteuern eines jeden autonomen Transportsystems auf Basis des Standards VDA 5050. Wir sind ein Entwickler von smarter Technologie, die sich in unterschiedlichen Branchen einsetzen lässt. Dazu gehören auch E-Commerce oder Pharmazie, nicht nur die Autoindustrie oder die Logistik.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welches Alleinstellungsmerkmal weist die Technologie auf?

Markus Bauer: Der iw.hub ist nur 22 Zentimeter hoch und damit sehr niedrig. Somit passt das Gerät unter die meisten Rolluntersetzer für die Waren, die in der Regel bei den Firmen 25 Zentimeter hoch sind. Diese mobilen Plattformen mit Rollen haben die Unternehmen einmal im Rahmen von Optimierungsprozessen für die Logistik eingeführt, um es den Mitarbeitern zu ermöglichen, flexibler und ergonomischer zu erarbeiten. Das heißt, es ging darum, die Arbeitsabläufe für den Menschen weniger belastend zu gestalten. Und genau dafür ist unsere Lösung die ideale Ergänzung, da die Plattformen damit autonom fahren können und nicht mehr von Menschenhand geschoben werden müssen.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie selbstständig funktioniert Ihre Technologie?

Markus Bauer: Wir bieten einen vollständig autonomen Roboter an, der sich selbstständig von A nach B bewegt. Hindernisse oder Barrieren, die sich ihm in den Weg stellen, weicht er autonom aus. Dann sucht sich der iw.hub einen anderen Weg, der am kürzesten zum Ziel führt. Es sind keine Mitarbeiter nötig, um den AMR zu steuern. Der AMR enthält eine Lithium-Ionen-Batterie der BMW i Serie, kann minimum acht Stunden durcharbeiten – das entspricht einer ganzen Schicht – und ist bis zu 8 Kilometer pro Stunde schnell. Der Roboter stellt keine Konkurrenz zum Menschen dar, sondern eine technische Ergänzung.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wer bedient das Gerät?

Markus Bauer: Besonders wichtig ist, dass das Gerät eine ganz einfache Benutzeroberfläche hat, die jeder problemlos bedienen kann. Eine IT-Fachkraft ist nicht vonnöten. Wir haben zudem versucht, die Handhabung unseres iw.hubs so einfach wie möglich zu gestalten. Das ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal – also der sogenannte USP.

Darüber hinaus agiert der iw.hub mit den Mitarbeitern – beispielsweise durch Blinken. Zudem ist von Vorteil, dass wir unsere Hard- und Software zügig und ohne strukturelle Anpassungen implementieren können. Durch unsere monatelange Erfahrung ist es uns gelungen, die Lösung schon vor dem offiziellen Launch von idealworks zielgruppengerecht zu entwickeln.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welche Herausforderung mussten Sie dabei annehmen?

Markus Bauer: Die Entwicklungsgeschwindigkeit bei der Künstlichen Intelligenz ist enorm groß. Es ist wahrscheinlich, dass bereits in einem halben Jahr Neuerungen am Markt erscheinen. Deswegen muss der Industrie-PC, der in das Gerät eingebaut ist, in der Lage sein, neue Features und Updates zu verarbeiten, ohne gleich an seine Kapazitätsgrenze zu stoßen. Wir kooperieren hier unter anderem mit dem US-Entwickler NVIDIA, der Grafikprozessoren und Chipsätze herstellt. Wir sind gut aufgestellt, um diese Herausforderung zu meistern.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Markus Bauer: Der BMW-Konzern, dessen hundertprozentige Tochter wir sind, hat bereits 2015 intern erste Überlegungen angestellt, wie man Logistik künftig noch smarter machen kann. Aus diesem Grund wurde zu diesem Zeitpunkt auch eine besondere Innovations-Abteilung dafür eingerichtet.

Es ging darum, wie man die Herausforderungen der Transformation und den damit verbundenen Change-Prozess bewältigt, vor denen die Logistik damals stand. Sie wurde beispielsweise von Fachkräftemangel belastet. Zusätzlich wollte man ein neues technologisches Level erreichen, um Kosten einzusparen und die Effizienz der Arbeit weiter zu verbessern. In dieser Zeit wurden in der Fachwelt die Themen autonomes Fahren, Big Data und Blockchain heiß diskutiert. Die Frage für uns war: Wie lassen sich die neuen Technologien auch für die Logistik nutzen, um die Innovativität zu steigern? Lange wurden unterschiedlichste Themen entwickelt.

2019 haben wir uns dann erstmals vor eine Jury gestellt und unser Produkt auf Herz und Nieren testen lassen. Wir haben uns für zwei Innovationspreise beworben, die wir beide auch für uns entscheiden konnten. Darunter befand sich neben dem Arbeitskreis AKJ Automotive elogistics award auch der Deutsche Logistik-Preis der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Der AMR und seine cloudbasierte Steuerungsplattform waren Teil dieser Auszeichnung. Die BVL hat damit bewertet, wo wir am Markt stehen, und unser gesamtheitliches Konzept für „sehr gut“ befunden.

Durch den Gewinn dieser beiden Auszeichnungen haben wir Anfragen von externen Kunden erhalten, die wissen wollten, ob BMW diese Produkte auch anderen Firmen verkauft. Das haben wir ursprünglich abgelehnt, weil das Unternehmen andere Kernkompetenzen hat. Die Gründung einer Tochterfirma war eine logische Schlussfolgerung, um auch externe Kunden bedienen zu können. Im November 2020 wurde dann idealworks gelauncht..

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wer sind Ihre Konkurrenten?

Markus Bauer: Es gibt sehr viele Startups am Markt, die solche autonomen Transportlösungen anbieten, unsere USPs jedoch nicht bedienen. Sie haben das Ziel, neue Lösungen zu entwickeln, damit autonom Waren von A nach B transportiert werden. Ein Großteil von ihnen sind chinesische oder US-amerikanische Unternehmen, die jedoch noch keine CE-Zertifizierung besitzen.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie hat sich der Markt entwickelt?

Markus Bauer: Unsere Technologie gibt es bereits seit zweieinhalb Jahren. Es ist schwer zu sagen, wann konkret sich der Markt dafür herausgebildet hat. Den Bedarf für den Transport in Warenlagern hat es schon immer gegeben. Das ist im Prinzip nichts Neues. Wie groß das Marktvolumen insgesamt ist, lässt sich nur schwer beziffern. Es gibt unterschiedliche Schätzungen. Die einzelnen Anbieter verkaufen ihre Produkte zu Preisen, die stellenweise sehr weit auseinander liegen. Unser Gerät kostet beispielsweise um die 50.000 Euro. Es gibt günstigere Geräte, aber auch Unternehmen, die ihre Produkte für mehr als eine Million Euro verkaufen. Das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab – beispielsweise von der Größe der Roboter. In jedem Fall ist die Wachstumsdynamik des AMR-Marktes sehr groß.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie sehen die gesetzlichen Regularien aus?

Markus Bauer: Hier gilt die europäische E-Maschinenrichtlinie, die der deutsche Gesetzgeber umgesetzt hat. Die EU hat dieses Thema seit etwa anderthalb Jahren geregelt. Ein Unternehmen benötigt eine sogenannte Konformitätserklärung, die bestätigt, dass ein Produkt den Normen und gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welchen nächsten Schritt werden Sie in Ihrer Projektplanung jetzt machen?

Markus Bauer: Wir wollen in der zweiten Jahreshälfte die nächste Version des Gerätes an den Markt bringen. Diese wird u.a. einen neuen Chip von NVIDIA enthalten, der die Rechenleistung noch einmal erhöhen wird. Wir beobachten natürlich auch, dass die gesamte Chip-Branche derzeit unter Druck steht. Viele Industrieunternehmen beklagen, dass sie nicht mehr ausreichend Chips zugeliefert bekommen. Dieses Problem betrifft uns glücklicherweise nicht, da wir unsere Geräte nicht in derart großen Stückzahlen herstellen.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Herr Bauer, herzlichen Dank für das Gespräch.

 


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