Deutschland

Brandbrief an Merkel: Deutschland spielt mit dem Verlust seiner mittelständischen Basis

Vertreter des Mittelstands warnen in einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Merkel vor einer mutwilligen Zerstörung der wirtschaftlichen Basis. Auf wichtigen Standort-Ranglisten rutscht Deutschland zusehends ab.
03.03.2021 10:43
Aktualisiert: 03.03.2021 10:43
Lesezeit: 2 min
Brandbrief an Merkel: Deutschland spielt mit dem Verlust seiner mittelständischen Basis
Bundeskanzlerin Angela Merkel. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Vor dem Bund-Länder-Treffen dringt der Mittelstand in einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einen eigenen Gipfel, bei dem es um einen raschen Ausstieg aus der Politik der massiven Geschäftsschließungen und Kontaktbeschränkungen gehen soll. „Für viele Mittelständler steht nichts weniger als die eigene Existenz auf dem Spiel“, heißt es in dem Schreiben, aus dem die Zeitungen der Funke Mediengruppe vorab berichten.

Zu den Unterzeichnern gehören der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), sowie Inhaber und Vorstandsvorsitzende von 20 großen Mittelstands-Unternehmen. Sie dringen auf einen Maßnahmenkatalog zur Entbürokratisierung der Corona-Hilfsprogramme, einen Ausstiegsplan und eine Post-Corona-Agenda. „Sonst droht uns ein Ausverkauf des deutschen Mittelstandes durch chinesische Direktinvestitionen“, mahnen die Unternehmer.

Dieser Ausverkauf läuft bereits seit einiger Zeit. So sorgten in den vergangenen Wochen die Übernahmen wichtiger deutscher Technologiefirmen durch Konkurrenten aus Taiwan (hier) und den USA (hier) für Verwunderung.

Standortbedingungen verschlechtern sich

In einem Kommentar beleuchtet der Finanzdienstleister Solvecon die deutsche Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte kritisch:

Viele Weichenstellungen der deutschen Politik der letzten 16 Jahre sind hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit unseres Geschäftsmodells (Wirtschaft), Gesellschaftmodells (Freiheit oder Vollkaskostaat/Sozialismus), Energiepolitik (Energiewende ohne Netz) Ethik/Moral (symmetrische oder asymmetrische Anwendung der Werteskala national/international) und außenpolitischer Ausrichtung (zukunfts- oder vergangenheitsorientiert) kritisch zu hinterfragen. Auch das Thema Steuern gehört dazu.

Der Standort Deutschland verliert einer Studie des ZEW zufolge im internationalen Vergleich massiv an Attraktivität. Von 21 untersuchten Industrienationen ist Deutschland 2021 gegenüber 2018 um drei Plätze auf den 17. Rang abgerutscht. Das ist der historisch betrachtet schlechteste Wert (Studien begannen 2006).

Deutschland braucht mit seinem Kapitalstock Investitionen (= Arbeitsplätze), um das Wohlstandsniveau aber auch die politische Stabilität zu erhalten. Wer sich in diesem Ranking abschießt, zerstört den deutschen Arbeitsmarkt und auch die Chance auf Wohlstandserhalt inklusive des üppigen Sozialstaats. Nichts könnte unsozialer sein!

Es ist begrüßenswert, was uns gestern von Seiten der FDP erreichte, die sich des Steuerthemas angenommen haben. Sollte es nach der Bundestagswahl zu Koalitionsverhandlungen mit der FDP kommen, stellte FDP-Chef Lindner eine klare Bedingung. Die FDP würde nur dann in eine Regierung eintreten, wenn zusätzliche Belastungen für die Einkommen der Beschäftigten und derjenigen ausgeschlossen würden, die unternehmerische Risiken für Arbeitsplätze tragen. Darüber hinaus müsse eine Bundesregierung mit Beteiligung der FDP daran arbeiten, dass es in der kommenden Wahlperiode eine spürbare Entlastung der Netto-Einkommen gibt. Fazit: Sachlich unbestechlich geprägt von Verantwortungsbewusstsein!

Der Verband der mittelständischen Wirtschaft und Inhaber und Vorstandsvorsitzende der 20 großen Mittelstandsunternehmen schrieben wegen der bedrohlichen Folgen des Lockdowns und der damit einhergehenden Existenzrisiken einen Brandbrief an die Kanzlerin. Diese Unternehmen tragen Deutschland maßgeblich. Sie sind das unverzichtbare Rückgrat für wirtschaftliche und daraus folgende gesellschaftspolitische Stabilität. Sie leben nicht die Beliebigkeit der Großkonzerne mit kurzfristig geprägten Agenden im Zeitgeist der „US-Moden“ (die regelmäßig Schäden verursachen, siehe u.a. Deutsche Bank, IKB), die durch Landes- und Bundespolitik regelmäßig im Fokus standen. Dieser tragende Sektor der deutschen/europäischen Wirtschaft wurde weder von „Bonn“ noch von „Berlin“ angemessen berücksichtigt!

Sie fordern in dem Brandbrief einen Ausstieg aus dem Lockdown. Sie dringen auf einen Maßnahmenkatalog zur Entbürokratisierung der Corona-Hilfsprogramme, einen Ausstiegsplan und eine Agenda nach Corona. Es drohe ansonsten ein Ausverkauf des deutschen Mittelstandes auch durch chinesische Direktinvestitionen.

Das ist Klartext, der hoffentlich nicht verhallt, denn es ist spät, sehr spät! Es geht bei vielen Themen um entscheidende Weichenstellungen. Hier ist nicht politische Verwaltung, sondern politische Neugestaltung bitter notwendig!

*****

Zum ZEW-Standort-Ranking gelangen Sie hier.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Trump will Wähler mit Geld locken: „Einfach nur peinlich“
08.10.2026

Donald Trump verspricht jedem erwachsenen Amerikaner rund 4.450 Euro, wenn die Republikaner die Kongresswahlen gewinnen. Doch ausgerechnet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg bremst Deutschland weniger als erwartet
08.10.2026

Deutschlands Wirtschaft kommt trotz Iran-Krieg und hoher Energiepreise überraschend glimpflich davon. Doch der Aufschwung steht auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Schufa schlägt Alarm: Millionen Verbraucher kämpfen mit Zahlungsproblemen
08.10.2026

Die hohen Preise setzen immer mehr Verbraucher finanziell unter Druck: 2025 stieg der Anteil der Menschen mit Zahlungsstörungen auf 8,1...

DWN
Immobilien
Immobilien BEG-Reform: Wärmepumpen-Förderung sinkt ab 2027 weiter
08.10.2026

Die Wärmepumpen-Förderung sinkt ab 2027 weiter: Wer zu spät beantragt oder falsch plant, dem könnten Tausende Euro Zuschuss durch die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Verpackungsverordnung: Neue Bürokratie macht Exporte unrentabel
08.10.2026

Ein paar Kartons, wenige Gramm Plastik und plötzlich Hunderte Meldepflichten: Die neue EU-Verpackungsverordnung stellt kleine Unternehmen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
08.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie: Diese Geldmaschine schlägt alle anderen Chipkonzerne
08.10.2026

Nvidia verdient mit dem KI-Boom so viel wie kaum ein anderes Unternehmen der Welt. Auf das eingesetzte Kapital erzielt der Chipkonzern...

DWN
Panorama
Panorama Heereschef warnt: Russland baut Streitkräfte massiv aus
08.10.2026

Russland baut seine Streitkräfte weiter aus und steigert zugleich die Produktion von Drohnen und Raketen. Heeresinspekteur Christian...